Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
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und Elend; doch der Umfang der Leiden ſeiner unglück⸗

lichen Mutter war nie bekannt geworden. Ihre Geſchichte findet ſich in den folgenden Capiteln.(Fortſetzung folgt.)

Der Prinz⸗Gemahl, Prinz Albert von Sachſen⸗Coburg.

Das Haus Sachſen⸗Coburg⸗Gotha, dem das Glück ſeit einer Reihe von Jahren faſt fortwährend und mehr als irgend einer andern fürſtlichen Familie lächelte, hat im Laufe des Jahres 1861 zahlreiche und ſchmerzliche Ver⸗ luſte erlitten, die faſt alle plötzlich und ganz unvorherge⸗ ſehen eintraten. Die Frau Herzogin von Kent, Mutter der Königin von Englaud, ſtarb im März in Frogmore in der Nähe von Windſor. Der Infant Dom Fernando von Portugal ſtarb im October, der König Dom Pedro V. von Portugal im November und der Infant Dom Joao, Herzog von Beja, am 28. December, und kurz zuvor am 14. December wurde der Couſin des Vaters jener drei portugieſiſchen Prinzen, Prinz Albert, ganz plötzlich ſeiner Gemahlin und Familie und der engliſchen Nation entriſ⸗ ſen, die ſeinen Verluſt tief beklagen und ſein Andenken ſegnen. Der Tod dieſes in jeder Beziehuag ausgezeichne⸗ ten Prinzen hat in ganz Europa einen ſchmerzlichen Ein⸗ druck gemacht; überall betheiligt man ſich an der gerechten Trauer Englands und läßt den edeln Tugenden und den liebenswürdigen und achtbaren Eigenſchaften dieſes Prinzen Gerechtigkeit widerfahren, der ſich zu einer der größten Stellungen berufen ſah, die ein nicht erſtgeborner Prinz erreichen kann, der dieſelbe zweiundzwanzig Jahr inne hatte,

Uovellen-Zeitung.

ohne ſich je einen zu großen Fehler zu Schulden kommen zu laſſen, und der vielleicht nie Jemanden mit Vorſatz un⸗ zufrieden gemacht hat.

Nach England erlitt Deutſchland durch den Tod des Prinzen Albert den härteſten Verluſt, denn er hatte ſeinem Vaterlande eine treue Liebe und Anhänglichkeit bewahrt und hielt es für ſeine Pflicht, auch als Prinz⸗Gemahl die Zutereſſen Deutſchlands, die ja mit denen Englands in V ſehr vielen Fällen ideutiſch ſind, im Auge zu behalten und ſie zu vertreten, inſofern ſie nicht mit den Intereſſen Eng⸗ lands in Widerſpruch ſtanden, ſoweit ſeine Stellung das V ihm geſtattete. Jedenfalls machte Prinz Albert eben ſo wohl durch ſeinen männlichen Charakter, wie durch den Schatz ſeiner vielſeitigen Kenntniſſe ſeinem Geburtslande in dem mächtigen England in jeder Hinſicht Ehre, und wäre er auch nicht als Prinz geboren, ſo würde er ſchon als Mann verdienen, daß ihm ein kleiner Nachruf gewid⸗ met würde.

Albert von Sachſen⸗Coburg ſtammte aus einem der älteſten und erlauchteſten deutſchen Fürſtenhäuſer ab, denn er gehörte der älteren Linie des Hauſes Sachſen an, das ſeine Ahnen bis zu dem berühmten Wittekind, jenem großen Helden, dem Zeitgenoſſen und Gegner Carl's des Großen, zurück führt. Er wurde am 26. Auguſt 1819 im Schloſſe Roſenau geboren, alſo drei Monate nach der Geburt der Prinzeſſin Victoria, ſeiner Couſine, die ſchon damals die präſumtive Kronerbin Großbritanniens war. Er war der zweite Sohn des regierenden Herzogs von Sachſen⸗Coburg⸗Gotha, Ernſt I., und der jüugere Bruder des jetzt regierenden Herzogs, Ernſt 1I. Der Prinz Albert erhielt durch die Sorgfalt und unter den Augen ſeines Vaters eine vortreffliche Erziehung. Seine Univerſitäts⸗ ſtudien machte er in Bonn, wo er den Ruhm hinterlaſſen hat, unter allen Prinzen, die dort ſtudirt haben, die Vor⸗ leſungen am regelmäßigſten beſucht zu haben. Er war ein ganz ausgezeichneter junger Mann, und als er im Jahr

irdiſchen Paradieſen, ſprach leiſe mein entzückter Begleiter,es gibt kein zweites Weib wie dieſes!

Huſſeins Sclavin iſt eine Kuh! murmelte der Händler.

Jetzt wandte ſie langſam das Auge, von langen Wimpern beſchattet, auf uns.

Waren es Engel des Lichts oder der Finſterniß, die in die⸗ ſem ſchwarzglühenden Auge wohnten? Die Engel blickten aus ſeiner Tiefe aber ſie ſprachen nicht.

Ihr Mund glich einer geſchloſſenen Roſenknospe, aber wo iſt der Sonnenſtrahl zu finden, der ſie aufküßt?

Als Gott die Welt ſchuf, ging er vom Unvollkommneren zum Vollkommneren über, vom Stein zur Pflanze, von der Pflanze zum Thiere, vom Thier zum Menſchen, und als Krone der Schö⸗ pfung formte er das Weib und ruhte dann aus.

Siie hüllte ſich langſam in Jaſchmak und Feredſche, ſtand auf und ſchritt hinaus. Schweigend verließen auch wir Zimmer und Haus. 8.

Aus der Gegenwart.. frau Marie v. Solms.

Die Zeitungen hatten ihren Tod gemeldet, doch glücklicher⸗ weiſe bald widerrufen; es wäre ein großer Verluſt geweſen, wenn die Literatur, die Kunſt eine ſo thätige Frau ſo früh verloren

bätte. Sie iſt ausgezeichnete Malerin und beliebte Schriftſtel⸗ lerin. Wir haben eben vor uns ihr letztes Werk:Fleurs d'Ita-

lie, poésies et légendes par Mad. Marie de Solms. Cham- bery, 1861., imprimerie Menard. 8mo p. 366. Es thut der

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Humanität wohl, hier überall die lebendigſte Theilnahme für die

Unterdrückten zu finden. Man leſe das herrliche Gedicht:Die Römiſche Jungfrau. Während Alle um ſie her tanzen und ſin⸗ gen, weint ſie und ſagt auf Befragen:Die Tyrannei hat meinen Vater, meine Brüder, welche Rom frei ſehen wollten, gemordet; ich habe das Gelübde gethan, mich ganz von den Freuden der Welt zurückzuziehen, bis ich Rom frei ſehen werde. In demſelben Geiſte iſt ihre Anſprache an Italien, Polen und Rumänien(die Moldau und Walachei) gehalten, u. a. m. Welch ein Unterſchied

gegen die Reimereien der zarten Seelen über das,was ſich der Wald erzählt, oderwas ich den Vögeln abgelauſcht. Wahrhaftig,

man ſchämt ſich als Deutſcher ſolcher Kindereien. Dabei fehlt es dieſer Dichterin nicht an Zartheit der Empfindung. Im Vorwort nennt ſie die Erinnerung des Vergangenen die ältere Schweſter

der Hoffnung, den ſüßen Abend des Gefühls, ſanfter als der Mor⸗ Das Feuer der Erinnerung erwärmt den Ernſt der Gegen⸗

gen. Lr R ull 3 Anſt eel Weger wart; wenn das Glück verlöſcht, ſo vergoldet ſein Wiederſchein Sehr beliebt unter ihren Arbeiten ſind die Romane

u. ſ. w. ſind die Rol V Pülrete, Millon, der Ruf einer Frau, die Prinzeſſin Chryſocale u. ſ. w. Ihre Beſchreibung von Nizza gibt zugleich die frühere Geſchichte dieſes ſehr beſuchten Ortes. Von ihren Biographien erwähnen wir: die der Frau Emilie Girardin, der Frau George

Sand, von Eugen Sus, von Manin, dem Dictakor von Ve⸗ nedig, und von Béranger mit Briefen von ihm. La Dupinade iſt ein Gedicht in 6 Geſängen, unddas Aufſuchen eines Ideals eine Novelle in Verſen. Auch über die Organiſation der Arbeit und über die Geſchichte der Allobroger hat ſie Arbeiten herausge⸗ geben, außerdem aber zwölf Schauſpiele, in denen ſie ſelbſt auf ihrem Privattheater mit hoher Meiſterſchaft aufgetreten iſt⸗ Wenn

[VIII. Jahrg.

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