fügung. Ich bin überzeugt, Ihr eigener Vortheil wird Ihnen rathen, meine unglückliche Lage zu beſſern, denn Sie müſſen fühlen, daß Sie vollſtändig in meiner Ge⸗ walt ſind. Ich bin im Beſitze von Briefen meines Bruders, welche die Wahrheit meiner Behauptungen beweiſen; Ihre Mutter ſtarb ein Jahr vor Ihrer Ab⸗ reiſe nach England in meinem Hauſe zu New⸗Orleans. Ich erſuche Sie um ſchleunige Beautwortung dieſes Briefes.
Hannah Nelſon.“
Mary las dieſen Brief wieder und wieder; mit Mühe begriff ſie die Wahrheit; Devereux, den ſie immer als ein über den Reſt der Menſchheit erhabenes Weſen angeſehen, auf deſſen Liebe ſie ſo ſtolz geweſen, daß ſie geglaubt, die ganze Welt könne mit Neid auf ihr Glück ſehen,— ihr Gatte, der Vater ihres Kindes— war der Sohn einer Negerin und gehörte zu jener entarteten Race, welche alles mit ihr in Verbindung Tretende befleckt! Sie fühlte ſich verloren und entehrt. Niemals könne der Makel, den die Natur ſelbſt der Negerrace angeheftet, verlöſchen; ihr un⸗ ſchuldiges Kind ſei verurtheilt, die Schmach ſeiner Eltern zu theilen, und möchte eines Tages, wie ſie ſelber jetzt, die Stunde ſeiner Geburt beklagen. Sie vergoß Thränen bittrer Erniedrigung; keine ausdrückliche Veränderung war in ihr Leben getreten; ſie war immer noch das geliebte Weib Devereux's, die Mutter ſeines holden Knaben; ihre augenſcheinliche Lage berechtigte ſie zur Achtung Aller; alle dieſe Vorzüge hatten in ihren Augen jeden Werth ver⸗ loren; die Freude an der Gegenwart, die Hoffnung auf die Zukunft waren geſchwunden, nimmer in ihr kaltes, ver⸗ zweifelndes Herz zurückzukehren. Devereux hatte ſie nicht abſichtlich getäuſcht; er war der beſte, der edelſte Menſch; nie hatte ſich ein Weib eines ſo liebreichen Gatten zu er⸗ freuen gehabt; aber ihre Gefühle gegen ihn waren geändert.
Gleichwie der Blitz des Himmels den jungen Baum im
Uovellen-Zeitung.
Forſte trifft, ſeine Zweige zerſchmettert und ſeine Blätter
zerreißt, den im härteren Stamme geſchützten Lebenskeim aber unzerſtört läßt— ſo war dieſer Schlag auf Mary's Haupt gefallen: der Stolz der Liebe, einſt ſo mächtig ihre Bruſt durchflammend, war erloſchen; die Liebe ſelbſt war am Leben geblieben, aber alles deſſen beraubt, was ihre Luſt und Wonne geweſen.
Ein Geräuſch ſchreckte Mary aus ihren ſchmerzlichen Betrachtungen auf; es war der Schritt ihres Maunes, und ſie zitterte, als der Ton in ihr Ohr traf. Haſtig flüchtete ſie in ein Nebenzimmer; ſo in Thränen gebadet durfte er ſie nicht finden; in ihrer gegeuwärtigen Beſtürzung konnte ſie ihn nicht ſehen; ihm mußte ſie die Schwäche ihres Her⸗ zens verbergen. Ihr aufgeregtes Gemüth zu beſchwichtigen war keine geringe Aufgabe.„Wie würde ich in ſeiner Achtung ſinken, wenn er Alles wüßte!“ ſagte ſie, als ſie die Locken ihres Haares über ihre Stirn zog und ſich be⸗ mühte, ihre verweinte Wange zu beſchatten. Dann, mitt dem Aufgebot ihrer ganzen Standhaftigkeit Nuhe er⸗ künſtelad, trat ſie in das Zimmer, in welchem ihr Gatte ſie ängſtlich erwartete. Er lehnte am Fenſter, und das Licht fiel auf ſeine ſtattliche Figur und ſein auffallend ſchönes Antlitz. Mary warf beim Hereinereten einen ſcheuen Blick auf ihn, und ihr Geſicht verklärte ſich, wie wenn die Sonne plötzlich durch die vorübergehende Wolke eines Sommerſturmes bricht. Sein Geſichtsausdruck war ernſter als gewöhnlich, aber ruhig und würdevoll; ſie em⸗ pfand, daß er in jeder Lage Achtung gebieten und Liebe einflößen müſſe. Er trat auf ſie zu, legte ihre Hand in die ſeinige, und ſie zu einem Stuhle führend ſetzte er ſich an ihre Seite. Er ging ſogleich auf die Sache ein, welche ihre Gedanken beſchäftigte.
„Du wirſt mir Recht geben,“ hub er lächelnd an,„daß ich keine große Urſache habe, auf die entdeckte Tante ſtolz zu ſein; es iſt ohne Frage meine Pflicht, die traurige Lage der Schweſter meines Vaters zu heben, aber ihr Brief ver⸗
ſie damit anfangen? Doch nur ſich wieder verkaufen. Ich ſchenkte ihr meinen Vorrath von Tabak und Papier zu Cigarretten und fügte ein paar kleine Münzen hinzu, konnte mich aber eines leiſen Schauers nicht erwehren, als ſie grinſend die Zahnreihen ihres fürchterlich großen Mundes vollſtändig entbößte und mit den knochigen dunklen Fingern meinen Handſchuh berührte.
Wir hielten uns nur kurze Zeit auf und begaben uns nach Tophana. 3
„Eigentlich werden die Schönheiten, die wir jetzt ſehen werden, nur einzeln vorgeführt,“ ſagte mein Begleiter,„ich wer⸗ de aber meinen Freund Juſſuf, mit welchem ich zlemlich gut ſtehe, zu bewegen ſuchen, daß er uns einen Totalanblick ſeiner Herrlich⸗ keiten geſtattet. Seine koſtbarſten Waaren werden wir freilich nicht zu ſehen bekommen, ihr Anblick wird für mächtigere Be⸗ ſucher aufgeſpart.“
Als wir in dem ziemlich verſteckt liegenden Gebäude an⸗ kamen, bedurfte es großer Ueberredungskünſte, ehe einer der Händler, Juſſuf, ſich dazu verſtand, uns in den Saal zu führen, welcher ſeinen Schönen während des Tages als gemeinſamer Wohnraum diente. Als wir eintraten, erblickten wir wohl über ein Dutzend Mädchen, verſchiedenen Altersclaſſen und verſchie⸗ denen Nationen angehörend. Sie trugen noch die Coſtüͤme ihrer Heimath, wodurch ſie einen ebenſo reichen als anziehenden Anblick gewährten.„Allah iſt groß,“ ſagte Juſſuf und ſtrich ſeinen Bart; der Gedanke, wie viel Tauſende von Piaſtern durch dieſe blühenden Mädchen repräſentirt würden, ſchien ihn in Be⸗ hagen zu verſetzen. Wir überraſchten die Schönen inmitten der verſchiedenſten Stellungen und Beſchäftigungen. Dort ſaßen Einige im Kreiſe um eine Gefährtin herum, die eine Geſchichte
zu erzählen ſchien, hier kauerten Andere am Boden und zogen aus den Schläuchen ihrer Nargilehs den duftigen Rauch des per⸗ ſiſchen Tumbeki ein; die Eine, ein ſchlankes Kind vom Ganges, in weiße Gewänder von Muſſelin gehüllt, ſtand einſam in einer Ecke— dachte ſie an die verlorene Heimath, an ihre Schweſtern, die Lotosblumen, und an das Rauſchen des heiligen Stromes, deſſen Wellen ſie nie mehr ſchauen wird? oder will ſie nur unge⸗ ſtört träumen von dem Paſcha, den ihre zarten Reize bezaubern werden?—— die Meiſten hatten ſich in Gruppen zuſammenge⸗ than und ſchwatzten eifrig. Bei unſerm Eintritt ſchwieg die Unterhaltung. Aller Blicke wandten ſich neugierig auf uns. Zwei Käufer! wen werden ſie wählen? Eine junge, ſchlanke Mohrin richtet ſich langſam auf und lehnt ſich dann an die Säule. Wie viel natürlicher Adel in jeder Bewegung, wie claſſiſch die Attitüde! die ſchwarze Schelmin weiß es beſſer als wir; ſie weiß auch, wie herrlich ihre Geſtalt iſt und wie dieſe Veränderung ihrer Stellung alle Reize derſelben ahnen läßt. Ihre Nachbarin lächelt, und zwei Perlenreihen werden ſichtbar; ſie hebt nachläſſig die Hand empor— ſchade, daß die kirſchbraune Farbe die Spitzen ihrer Finger und ihrer Handfläche entſtellt und dadurch dem Eindruck, welchen die zierlichen Formen machen, Abbruch thut. Jene Circaſſierin dort bewegt ſich nicht, wirft nur aus den großen, mandelförmig geſchnittenen Augen einen Blick herüber— weiß ſie, daß gegen die Macht dieſer Blicke we⸗ der der ſchwellende Formen⸗Adel der Schwarzen, noch das Lächeln ihrer Nachbarin aufkommen können 2—.
Der Händler trat an Einige heran, machte auf ihre Vor⸗ züge und ihre Schönheit aufmerkſam, pries ſie wie ein begei⸗ ſterter Liebhaber. Die Mädchen lächelten hierzu und ließen mit
[VIII. Jahrg.
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