Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
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Die ſüdlichen Pflanzer ſind gegen Fremde ausnehmend gaſtlich und zuvorkommend; Devereux aber vermied jeden Verkehr mit ihnen, der nicht geradezu durch die Etiquette gefordert wurde. Er konnte mit Sclavenhaltern keinen Umgang halten; er hatte keine Gedanken, keine Gefühle mit ihnen gemein. Ebenſowenig konnte er ihr eingewur⸗ zeltes Vorurtheil der Farbe verſtehen, wie ſich für ihre ge⸗ prieſene Freiheit begeiſtern das angeborene Recht des weißen Mannes allein! Mary, welche die Anſichten ihres Gatten theilte, fühlte daſſelbe Widerſtreben gegen Anknüpfung irgend vertraulicher Verbindungen mit den Damen der ſüdlichen Staaten; ihre Sitten waren gefällig und ſie ſelbſt weiblich und gebildet; aber ihre Herzen waren ſeit frühſter Kindheit durch den Anblick der Sclaverei ver⸗ härtet; ſie fühlten eine noch ſtärkere Abneigung gegen die Farbe des Negers, als ſelbſt ihre Väter und Gatten, und ſchauderten mit noch größerem Entſetzen als jene vor dem Gedanken zurück, ihn je als Bruder oder Mitmenſchen zu betrachten.

Mary und Devereuy lebten daher in Zurückgezogenheit; ſie waren glücklich in dem Glücke derer, die ſie umgaben, und verweilten nur ungern außerhalb ihrer Pflanzung, wo ſie gewärtig ſein mußten, Leiden zu erblicken, die ſie nicht lindern konnten, und Ungerechtigkeiten beizuwohnen, die ſie nicht zu beſſern vermochten. Waren ſie ja genöthigt ihren Aufenthaltsort auf wenige Stunden zu verlaſſen, ſo kehrten ſie oft von ſchmerzlichen Erinnerungen bedrückt heim, und erſt das Lächeln der Freude und Liebe, welches ſie bei ihrer Ankunft ſtets begrüßte, brachte Fröhlichkeit in ihr Herz zu⸗ rück. Und Devereux, wenn er ſeinem ſchönen Knaben zu⸗ blickte, wie er mit den ſchwarzen Kindern Afrika's auf dem Boden umher rollte, pflegte ihn in ſeine Arme zu ſchließen und ihn hoch emporhaltend mit Stolz auszurufen:Dank Gott! er wird nie ein Sclavenhalter werden!

Als alle nöthigen Vorkehrungen getroffen und die Schiffe bereit waren, ſchifften ſich die Neger nach jenem

Uovellen-Zeitung.

[VIII. Jahyrg.

einzigen Lande ein, welches der afrikaniſchen Race zu der Zeit, wo dieſe Ereiguiſſe ſpielen, Freiheit und wirkliche Rechtsgleichheit bot. In ſpäteren Jahren haben ſich meh⸗ rere Republiken gebildet, wo kein Unterſchied der Farbe unter Kindern eines Landes ſtattfindet; wo der ſchwarze Abkömmling Afrika's, der rothbraune Indianer, der dunkelfarbige Spanier und der blonde Nordeuropäer alle gleichmäßig die Segnungen der Freiheit theilen, wo ſich alle als Bürger deſſelben Staats, als Brüder des einen vaterländiſchen Bodens begegnen. Zu der Zeit, wo Deve⸗ reux ſeine Neger nach Hatti ſchickte, ſtand Südamerika noch unter dem despotiſchen Einfluſſe Spaniens.

Der Abſchied zwiſchen Devereux und ſeinen früheren Sclaven war ergreifend; die Bande, welche ſie vereint hatten, waren die der Güte und Dankbarkeit geweſen, und ſolche laſſen ſich nicht ohne gegenſeitigen Schmerz trennen. Auch Mary hatte ſich die Liebe der Neger erworben; die Sanftmuth ihres Weſens, die Holdſeligkeit ihrer Blicke und Worte, die Liebkoſungen, mit denen ſie ihre Kinder überhäufte, alles dies hatte ihre Herzen gewonnen; mit. Innigkeit hingen ſie an ihrem Knaben, und der Stolz der Mutter wurde durch deu einfachen Ausdruck der Bewunde⸗ rung ihres Lieblings befriedigt. Sie nahmen Abſchied auf Nimmerwiederſehen von einander, und erflehten aus aufrichtigen Herzen den Segen des Himmels für ihr gegen⸗ ſeitiges Glück und Wohlergehen. Devereux wiederholte bei ſeinem Abſchiedsſegen einige Worte des ernſteſten Rathes für ihr zukünftiges Leben, und verſicherte, daß er nie aufhören werde, an ihrer guten Aufführung und Wohl⸗ fahrt den innigſten Antheil zu nehmen. Er ſprach wie ein Vater, der ſeiyen ins vielbewegte Leben eintretenden Kin⸗ dern ſeinen eindringlichen Rath ertheilt. Sie umdräng⸗ ten ihn mit ihren Kindern, die ſeine Kniee umklammerten, und nur mit Mühe konnte er ſich von dem Schiffe retten, wo er Abſchied von ihnen nahm.

Feuilleton.

Der Sclavenmarſtt in Conſtantinopel.

Richard Kuniſch gibt in ſeinen Skizzen über die Türkei auch eine intereſſante Schilderung des weiblichen Sclavenhandels, die das Gepräge der Wahrheit trägt.

Ich hatte, ſagt der Reiſende, einem türkiſchen Freunde mei⸗ nen Wunſch mitgetheilt, den Sclavenmarkt zu beſuchen. Eines Abends erhielt ich ein Billet, worin er mir anzeigte, daß er mich Tags darauf abholen werde

Sclavenmarkt! Wer denkt dabei nicht mit Entſetzen an Onkel Toms Hütte, an Geißeln und Foltern, an Neger, die von Bluthunden verfolgt, an Mädchen, die von ihren Gebiete⸗ rinnen als Nähnadelkiſſen benutzt werden! Ein Sclavenmarkt! Macht ein Beſuch an dieſem Orte nicht ſchon in der Erwartung alle Fibern beben?

Zur verabredeten Stunde erſchien mein Freund. Nachdem er mich mit der üblichen Handbewegung nach Haupt und Bruſt gegrüßt hatte, ließ er ſich mit gekreuzten Beinen neben mir auf dem Divan nieder. Kaffee und Tſchibuks wurden gebracht, und während die aromatiſchen Rauchwolken wie Traumgeſtalten um uns ſchwebten und zerfloſſen, erzählte er mir, daß er zwar

keine Sclavin zu kaufen beabſichtige, daß aber der Händler, der ihn genau kenne, uns Alles zeigen werde, was er beſitze. Daß er mich mitnahm, war ein großer Freundſchaftsdienſt und zugleicht ein Beweis ſeiner ſehr freiſinnigen Anſchauungen. Der Beſuch des Bazars, welcher die Harems mit Schönheiten verſorgt, iſt jedem Nichttürken bei Todesſtrafe unterſagt, und wer einen Un⸗ gläubigen einſchmuggelt, ſetzt ſich ſchwerer Verantwortung aus.

Vorher werde ich Ihnen den minder intereſſanten Markt zeigen, auf welchem die zur Arbeit beſtimmten Sclaven und Scla⸗ vinnen feilgeboten werden. 4

Auch dieſen Ort, den Jeſſir⸗Bazari, dürfen eigentlich nur Rechtgläubige beſuchen; doch kann man den Zutritt durch einen Bakſchiſch erlangen.

Nachdem ich, um als Bekenner des Propheten paſſiren zu können, den Anzug der Reformtürken, Feß und ſchwarzen, mili⸗ täriſch geſchnittenen Rock, angelegt hatte, machten wir uns auf den Weg und erreichten glücklich unſer Ziel.

Der Jeſſir⸗Bazari, nicht weit vom großen Bazar entfernt, iſt ein großer, ziemlich unregelmäßiger, durch Mauern abge⸗ ſchloſſener Platz. In zahlloſen kleinen Zimmern, welche größten⸗ theils an die Umfaſſungsmauern angebaut ſind, befinden ſich die

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