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Schritt war leicht und gaukelte mit der Federkraft der Luſt dahin. Die Grübchen ihrer ſeidenen Wange lächelten von dem Glücke ihres Herzens; ihre Stimme hauchte Worte der Fröhlichkeit. Keine krankhaften, aufgedrungenen Mode⸗ anſchauungen hatten die natürliche Anmuth ihres Weſens verfälſcht; ihre Gefühle waren rein, und man hatte ſie nie gelehrt ſie zurückzuhalten; ihre Gedanken waren ſchuldlos, und man hatte ihr nie geſagt ſie zu verheintlichen. So war Mary in ihrem achtzehnten Jahre, erglühend in der
Dämmerung der Jungfräulichkeit und noch im Beſitze der
ſpielenden Unſchuld ihrer glücklichen Kindheit.
Dr. Temple wohnte in der Nähe des Städtchens Mor⸗
ristown, im Staate New⸗Jerſey. Das freundliche Pfarr⸗ haus, auf einem ſanft anſteigenden Hügel gelegen, ge⸗ währte eine herrliche Ausſicht auf jene Kette des Alleghany⸗ Gebirges, welche die blauen Berge genaunt wird. Die Umgegend war fruchtbar und waldreich. Die Pachtung hieß„der Lorbeerhügel“, nach einer in der Nähe ſehr häu⸗ figen,„Jerſey Lorbeer“ genannten Blume. Als der Ruf von Mary's Schönheit ſich verbreitete, wurde auch ihr der Name jeuer Blume beigelegt, und ſie hieß nicht nur in den Grenzen des Staats, deſſen Stolz ſie war, ſondern auch in den Nachbarſtaate New⸗York der, Jerſey⸗Lorbeer“. Ihre Hand wurde von manchen Freiern begehrt, Mary aber verwarf jeden Autrag; ſie wünſchte keine Veräuderung ihrer Lage, denn ſie war glücklich und das Gefühl der Liebe in ihrer Bruſt noch nie erweckt worden. Auch war es ihr nicht entgangen, daß Dr. Temple lebhaft wünſchte, ſie mit ihrem Vetter William verbunden zu ſehen, und wenn ſie dieſen mit ihren anderen Bewerbern verglich, mußte ſie die Ueberlegenheit ſeines Charakters und ſeiner perſönlichen Vorzüge einräumen. Sie wußte auch, daß er ſie liebte, freilich in ſeiner ruhigen Weiſe, denn er war em pfindend, ohne dabei Schwärmer in ſeinen Gefühlen oder Romantiker in ſeinen Anſchauungen zu ſein. Doch die Stimme der Leidenſchaft hatte noch keinen Wiederhall in
Uovellen-
Zeitung.[VIII. Jahrg. (Mary's Herzen gefunden, und ſie wußte nicht, daß eine ſtärkere Liebe darin erweckt werden könne als die, welche ſie für William empfand. Schon während ſie als Kinder zuſammen ſpielten, hatte Frau Temple Träume ihrer künftigen Vereinigung genährt, und ihr Gatte hatte oft über die Beſtimmtheit, mit der ſie auf ein doch ſo manchen Zwiſchenfällen unterworfenes Ereigniß rechnete, ge⸗ lächelt; doch anch er ſah mit Vergnügen, wie Mary bei ihrem Eintritte in die Welt andern Bewerbern ihr Ohr verſchloß, und daß William ihr mehr als Bruder zu ſein begehrte. Aber dieſer beſaß die Klugheit einer auf Selbſt⸗ ſtändigkeit angelegten Erziehung und vermochte ſeine Ge⸗ fühle leicht durch die Stimme der Vernunft im Zaume zu halten; gern fügte er ſich daher den Rathſchlägen ſeines Vaters, keinerlei Verbindlichkeiten Mary gegenüber einzu⸗ gehen, bis er in der Lage ſein würde eine Frau zu ernäh⸗ ren. Die Vermögensverhältniſſe ſeines Vaters waren günſtig oder galten wenigſtens dafür; aber dieſer hielt es für Pflicht ſeines Sohnes, ſich zuvor eine Berufsſtellung zu ſichern, ehe er die Verantwortlichkeit eines Gatten über⸗ nähme; ſo dachte auch William, deſſen eifriges Studium des Rechts, der von ihm gewählten Berufsthätigkeit, durch die Liebe zu Mary noch mehr augeſpornt wurde; jede, über⸗ wundene Schwierigkeit brachte ihn, wie er ſich ſagte, dem zur Vollendung ſeines Glücks angeſtrebten Ziele— der Vereinigung mit ſeiner ſchönen Couſine— einen Schritt näher..
Solches war das Verhältniß der Geſchwiſterkinder, als Mary die Einladung einer Freundin, einige Wochen bei ihr in New-York zu verleben, annahm. Ihre Tante gab bereitwillig ihre Zuſtimmung zu dieſem Beſuche, denn ſie bereitete gern ihrer Nichte ein Vergnügen und freute
ſich über die Bewunderung, welche jene überall zu erregen
nie verfehlte. Sie fürchtete keinen Nebenbuhler für Wil⸗ liam, und das Einzige, was ſie Mary einſchärfte, waren häufige und ausführliche Briefe. Mary fand es ſchwieri⸗
Feuil
leton. 1
— e
Ein Prediger der Mormonen.
Die Mormonenſecte mit all ihren verdächtigen Sonderbar⸗ keiten wird faſt täglich in den Zeitungen genannt. So iſt es intereſſant einmal das Portrait eines ſolchen menſchheitbeglücken⸗ den Fanatikers zu ſehn.
Wie ſeltſam ſich oft die Extreme berühren, zeigen recht deut⸗ lich die nordamerikaniſchen öffentlichen Zuſtände, wo neben der tollen Jagd nach Gewinn und Genuß die lächerlichſten Aus⸗ wüchſe religiöſer Ueberſpannung ſich geltend zu machen ſuchen. Die Geſellſchaft der Mormonen, welche, von Jonathan Smith geſtiftet, eine Art himmliſchen Staates mit Gütergemeinſchaft und Vielweiberei bilden ſoll, gibt hierfür den beſten Beweis. Ein komiſches Zuſammentreffen mit einem Miſſionsprieſter ſchildert Me. Kay in ſeinem neuen von Heine in's Deutſche übertragenen Buche.
1 Der Wagen, in welchem ich ſaß, ſo erzählt er, war nur theil⸗ weiſe beſetzt und bald wurde mir zugeflüſtert, daß ſich unter den Inſaſſen auch ein Mormonenprieſter befinde, doch wiſſe man nicht ganz genau, welcher es ſei.„Wenn wir ihn nur ausfindig machen
——
könnten, ſollte er uns zum Stichblatt dienen,“ bemerkte ein Paſ⸗ ſagier hinter mir zu ſeinem Gefährten. 1 „Iſt wirklich ſo ein Fiſch an Bord, will ich ihn ſchon an⸗ geln,“ fügte ein Anderer hinzu und begann hierauf mit einer Stiwme, die im ganzen Waggon hörbar war, über den Schwind⸗ ler und Vagabonden Joe Smith, den Mormonenpropheten, her⸗ zuziehen. 4 4 Ich beobachtete eine Zeit lang alle Paſſagiere, um zu ſehen, auf wen jene Rede die erwartete Wirkung hervorbringen würde, und war ſchon zu der Ueberzeugung gekommen, es könne keine ſolche, Perſon„an Bord“ ſein, als ich durch einen tiefen Seufßer aufgeſchreckt wurde, den ein Mann unmittelbar zu meiner Linken ausſtieß, während er das Geſicht in beiden Händen vergrub. Faſt unwillkürlich erhob ich mich und nahm den gegen⸗ überliegenden Sitz ein, der glücklicherweiſe frei war. Aller Augen waren auf den Mann gerichtet, welcher einen ſo unzwei⸗ deutigen Beweis eines unruhigen Gemüthes gegeben hatte und ſich jetzt auf ſeinem Platze hin und her wiegte, wobei er das Geſicht noch immer in den Händen barg und aus dem Innerſten ſeiner Stele heraus ſeufzte.. 9 „Vermuthlich ſind Sie verdrießlich,“ ſprach derjenige, deſſen
Rr. 5
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