Jahrgang 
01-14 (1862)
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V zehnten Jahrhunderte, von welchem ein Exemplar in der

Urſprache noch zu Toulouſe vorhanden iſt, wird von Manchen für den erſten Roman gehalten; Andere ſetzen den Anfang derſelben erſt in das zwölfte Jahrhundert und ſehen die Geſchichte der Herzoge der Normandie für die Quelle derſelben an. So viel iſt indeß gewiß, daß die erſten Romane aus wahren und erdichteten, meiſt aber höchſt unwahrſcheinlichen Geſchichten, aus Liebeshändeln und allerlei Erzeugniſſen einer ausſchweifenden Einbil⸗ dungskraft gemiſcht waren. Ihre Abgeſchmacktheit wurde wohl in vielen Kreiſen ſchon gefühlt, als Cervantes ſie und ihren Inhalt in ſeinem Don Quixote für imnier lächerlich machte.

Um dieſelbe Zeit bereitete ſich aber auch ſchon eine Reform dieſes ſchriftſtelleriſchen Faches und eine dritte Hauptperiode für daſſelbe vor, in der die Romane im Weſentlichen ihre heutige Geſtalt annehmen. Der frau⸗ zöſiſche Schriftſteller d'Urfe, unter der Regierung Heinrich's IV.(um 1600), brach hierzu die Bahn mit ſeinerAſträa, die ſich vor früheren Werken durch eine lebhafte und blühende Sprache, durch ſinnnreiche Erdichtungen und durch wohl erfundene, gut ausgeführte und dabei gehörig von einander abſtechende Charaktere auszeichnete. Auch einige etwas ſpäter geſchriebene Romane, wieder erlauchte Baſſa,der große Tyrus undClölia, machten ihre Verfaſſer berühmt. Doch möchten alle vier dem heutigen Publicum weitſchweifig und die darin erzählten Begeben⸗ heiten nicht ſelten abgeſchmackt vorkommen. Erſt die Ro⸗ maneZarde unddie Prinzeſſin von Cleve, von Frau de la Fayette und von Segrais, waren von der Art, daß ſie ſelbſt einer ſpäteren Zeit noch für Meiſterwerke gelten konnten.

Der junge Zweig der Literatur hatte kaum zu ſproſſen begonnen, als er auch ſchon ſeine Widerſacher fand und Gegenſtand eines heftigen Meinungskampfes wurde. Be⸗ ſonders der berühmte Schriftſteller Boileau und der ge⸗

Folge.

lehrte Huet, Biſchof zu Avranches, traten ſchon zu Ludwig's XIV. Zeit als Gegner der Romane auf und fanden die⸗ ſelben eben ſo ſehr den guten Sitten, als dem Gedeihen der Wiſſenſchaften gefährlich; ja Pater Porée faßte in einer 1736 gehaltenen Rede von dem Standpunkte des Gelehrten, des tugendhaften Mannes und des Bürgers Alles, was ſich gegen ſie ſagen ließ, in beredter Weiſe zu⸗ ſammen, forderte die Obrigkeiten auf, ſich ihrer Ausbrei⸗ tung und namentlich der Einführung ausländiſchen Stof⸗ fes zu widerſetzen, und hielt den Geſchmack an ihnen für gefährlicher als die Peſt. Doch die Empfindungen des Herzens waren ſtärker, als die Schlüſſe der Vernunft. Die Romane behaupteten ſich, und um manchen gegen ſie gerichteten Vorwürfen zu entgehen, änderten die Verfaſſer theils den Stoff, indem man ſtatt der Helden vom Throne Leute geringeren Standes, ja aus dem Pöbel auftreten ließ, theils den Titel, indem man die Schrift als Geſchichte, Erzählung, Leben und dergleichen bezeichnete. Bald wur⸗ den allerdings auch Ueberſchriften dieſer Art verdächtig, doch traten andererſeits auch Vertheidiger der Romaue auf, die zwiſchen deuſelben Unterſchiede gemacht wiſſen wollten und es für möglich erklärten, daß ein Romau gut ge⸗ ſchrieben und, indem er in der Handlung eine wichtige Lehre vortrage, den Sitten ſogar förderlich ſein könne. Man berief ſich in dieſer Hinſicht beſonders auf den Gil Blas. Zu ſolchen Vertheidigern gehörten namentlich der Abbé Langlet du Fresnoy und der Ritter Mouhi, welcher Letztere ſie für nicht gefährlicher, als Bälle, Luſtſpiele und ähnliche Ergötzlichkeiten hielt, ja in ihnen den kürzeſten und ſicher⸗ ſten Weg, die Jugend zu unterrichten, finden wollte, indem dieſelbe durch angenehme Bücher Geſchniack an gründlichen Wiſſenſchaften bekomme und in den Romanen immer die Tugend belohnt und das Laſter beſtraft ſehe(2), während die Geſchichte nur zu oft das Gegentheil aufweiſe. Der Abbé Langlet du Fresnoy widerrief jedoch ſpäter ſeine Meinung und gab der Geſchichte den Vorzug.

Was unſere nordiſchen Verwandten bisher von Aufnahme der Auerbachſchen Werke in ihre Sprachen abgehalten hat, ſcheint wohl hauptſächlich die Schwierigkeit geweſen zu ſein, eine treue und zugleich ſchöne Ueberſetzung derſelben liefern zu können. Gekannt und viel geleſen waren die Auerbachſchen Schöpfungen ſchon lange Zeit von den gebildeten Ständen der drei Reiche;

ins Volk waren ſie aber begreiflicher Weiſe noch nicht gedrun⸗

gen. Das Verſäumte wird man hoffentlich jetzt nachholen.

Für den Verſuch, unſere ſo populären Schriftſteller in Scandinavien einzuführen, kann man den Ueberſetzern nur Dank wiſſen; doch dieBearbeitungsfreiheit, welche ſich einige der Herren in ſo ausgedehntem Maße erlaubten, iſt, kurz geſagt, tadelnswerth.

Joseph uti snön läßt ſich weniger etwas ſagen, obſchon die

Umtaufungen der Hauptperſonen in Olof Bengtſon ꝛc. auch eben ſo gut hätten unterbleiben können; indeſſen die Auslaſſung ganzer ſeitenlanger Stellen und ſtatt ihrer Hineinſchiebung eigener Com⸗ poſition, um etwasVerſöhnung hineinzubringen, wie im

Storbonden og hans Sönner geſchehen, das ſcheint denn doch etwas zu weit gegangen, auch wenn der Autor eine vorgängige Erlaubniß zu Aenderungen ertheilt haben ſollte. In den Auer⸗ bachſchen Sachen iſt ja gerade die Zeichnung der Perſonen und Charaftere, die Entwickelung der Handlungen das Meiſter⸗ hafte; die Menſchen ſind keine Ideale, ſondern wirkliche Men⸗

ſchen mit Fleiſch und Bein, ihre Charaktere ſind oft der Spiegel

ſo mancher geheimen Falte des eigenen Herzens, die Handlungen ſind nicht geſchraubt, ſondern ganz alltäglich natürlich, und eben durch ihre Natürlichkeit überraſchend. Die ſog. Verbeſſerungen, die der Großknecht Dominik und der ſtarre Lehnhold ſelbſt erlei⸗

Gegen die Namen⸗Veränderungen, z. B. in

A den mußten, verpfuſchen dieſe Schöpfungen tiefen Nachdenkens und rauben an Originalität und Wahrheit. Das Hauptziel der Auerbachſchen Erzählungen iſt Belehrung, und dieſe gibt er ſpannend und unterhaltend; er weiß aber auch genau, wie weit er mit dem Schönen und Gemüthlichen und wie weit er mit dem Gräßlichen und Abſtoßenden zu gehen hat. Die vorgenommenen Abſchleifungen zeugen daber, gelinde ausgedrückt, von Mangel an Pietät; ſtreng genommen müßte man ſie ſchärfer bezeichnen, trotz der carte blanche und der ſchwer zu rechtfertigenden An⸗ nahme,daß der Leſer das Buch in dieſer Faſſung befriedigter fortlegen wird, als ſonſt vielleicht geſchehen wäre. Es wäre daher rathſam, bei Ueberſetzungen auch genau den Geiſt des Au⸗ tors wiederzugeben, ſo wie er ihn in ſein Werk hineingelegt hat; der BegriffHärte, Unzartheit oder Verſtoß gegen den guten Geſchmack iſt ein ſehr dehnbarer, worüber uns die Franzoſen in ihren oft ſchaudererregendenBearbeitungen deutſcher Autoren belehrt haben; ſo etwas wäre von unſern ſcandinaviſchen Bluts⸗ verwandten freilich nie zu beſorgen, aber beſſer iſt doch beſſer.

(Mag. f. d. Lit. d. A.)

Literatur.

Erinnerungen eines Rothhemdes, von Durand⸗ Brager. Deutſch von E. Burckhadt. Gotha, Opetz 1862.

Es tauchen jetzt nicht wenige Bücher und Broſchüren über dieſen Gegenſtand auf, der natürlich kein anderer iſt, als die Schilderung der Thaten Garibaldi's.

Der Verfaſſer iſt wie die Meiſten, die dergleichen beſchreiben, natürlich auch ein Augenzeuge geweſen und bat den gefeierten

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