Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
60
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Colcheſter gefunden, der ſich bereit erklärte, den Bock zu ſich zu nehmen; man ſah ſich den Mann an und entſchloß ſich, ihm den Liebling der Jäger anzuvertrauen. Hans wurde zum letzten Male reichlich mit Brod und Thee ge⸗ füttert, bekam wieder einen grüuen Kranz um die Hörner gelegt und wurde dann am Stricke aus dem. Lager geführt; er ſah ſich traurig um, als fühle er recht gut, daß es ſich um eine ewige Trennung von ſeinen alten Freunden handle, und ließ dann den Kopf ſinken.

Wer weiß, wie es ihm nachher ergangen iſt? Armer Hans, Du warſt nicht der Einzige, deſſen frohe Zukunftsträume in jenen Tagen zu Grabe getragen wurden!

Der Urſprung der Romane.

Die Leſer und Leſerinnen der jetzt ſo zahlreich auftauchen⸗ den Bücher, die durch eine beſonders um die Liebe zweier Per⸗ ſonen gruppirte Darſtellung der Lebensformen unſerer Zeit zur Unterhaltung und Auregung des Publicums dienen ſollen, ſind wohl meiſt geneigt, dieſen Zweig der Literatur für ein Product der Neuzeit zu halten und in entfernten Jahrhunderten nur Chroniken und ernſte⸗Geſchichtswerke zu ſuchen. Dennoch dürfte auch das freundlichſte Kind der Muſe Klio in ſeinem erſten Entſtehen bis in die Blüthe⸗ zeit des griechiſchen Alterthums zurückzuführen ſein. Däarchos, ein Schüler des Ariſtoteles, kann als der Erſte bezeichnet werden, der durch ſeine Geſchichten von Leukip⸗ pos und Klitophon, von Simonides und Rhodanis, von Daphnis und Chlye ſich in Schriften dieſer Art übte. Mit einem größeren und mehr Aufſehen erregenden Werke, Theagenes und Chariklea, trat zuerſt Heliodorus, Biſchof

Uoveillen-Zeitung.

(VIII. Jahrg.

von Tricca in Theſſalien, im vierten Jahrhunderte hervor, und ſeine Schrift zeichnet ſich durch die Art, wie die menſch⸗ lichen Leidenſchaften darin angewendet werden, und durch die mannigfachen Epiſoden, die geſchickt mit der Haupt⸗ handlung verknüpft ſind, eben ſo ſehr, als durch die ange⸗ nehme und natürliche Schreibart aus. So vorſichtig und beſcheiden indeß auch die Form des Werkes war, ſo hielt man doch den Stoff deſſelben für unverträglich mit dem Stande des Verfaſſers und glaubte, daß das Leſen einer ſolchen Erzählung jungen Leuten gefährlich ſein werde. Heliodorus ſah ſich durch eine Kirchenverſammlung genö⸗ thigt, entweder ſein Buch zu unterdrücken oder ſein biſchöf⸗ liches Amt niederzulegen; er wählte, wie man ſagt, das Letztere.

Die eiſerne Zeit der Völkerwanderung mag, wie alle Wiſſenſchaften unter ihrem Drucke darniederlagen, auch der ohuehin erſt im Werden begriffenen ſchönen Literatur um ſo weniger günſtig geweſen ſein, als die Formen der Ge⸗ ſellſchaft, deren Behandlung ihre Aufgabe war, durch die chriſtliche Kirche, wie durch die Herrſchaft germaniſcher Völker, in einer vollſtändigen Zerſetzung und Neubildung begriffen waren. Dem Mittelalter, der Zeit, in der das Ritterthum und der Cultus der Frauen blühte, war es vorbehalten, neben kirchlichen Schriften und den⸗Chroniken über Weltereigniſſe eine Gattung der Literatur hervorzu⸗ bringen, die ſich in den engeren Grenzen des Lebens Ein⸗ zelner bewegte und auf die Gefühle der Herzen einging. Südfrankreich, das Vaterland der Troubadours, gab neben poetiſchen auch proſaiſchen Ergüſſen über die Freuden und Leiden der Liebe den Urſprung, und von der romaniſchen Sprache, in der ſie geſchrieben waren, der provengaliſchen oder gasconiſchen, ähnlich auch in Catalouien geſprochenen Mundart, pflegte man derartige Schriften Romane zu nennen. Die unter dem Titel Philomena abgefaßte Be⸗ ſchreibung der angeblichen großen Thaten Karls des Großen vor Narbonne und Notre⸗Dame de la Graſſe, aus dem

braucht es keiner Beiſpiele. Daß es im Alterthum und im Mit⸗ telalter oft ſehr kalt geweſen, wird überhaupt nicht bezweifelt, wir

beſtreiten bloß, daß jene Fälle auf ein ungemein kaltes früheres hhe des d 3 G) Strabo leſen. Die Erde iſt alſo ſeit Menſchengedenken nicht käl⸗

Klima ſchließen ließen. 1594 gefror das Meer bei Marſeille und Venedig; von 1621 22 war die venetianiſche Flotte in den Lagunen eingefroren; 1658 ſetzte König Karl der Zehnte von

Schweden mit ſeiner ganzen Armee, ſeiner Artillerie und der Ba⸗

gage über den kleinen Belt; 1709 waren das adriatiſche und das Mittelmeer bei Genua und Marſeille gefroren; 1716 gefror die

Themſe bei London, man errichtete eine Menge Buden auf dem

Eiſe, wie man es ſonſt wohl auf der Newa in Petersburg thut; 1726 fuhr man auf Schlitten von Kopenhagen nach Schweden. Daß einigemale auch die Flüſſe in Calabrien gefroren, iſt kein Be⸗ weis einer ehemals größeren Kälte. Ungewöhnliche Kälte kommt auf Tage und Wochen zuweilen ſelbſt in noch wärmeren Ländern vor. Man weiß, daß in Afrika das Waſſer in den Schläuchen des Capitän Clapperton über Nacht gefror, und zwar in der Nähe von Murzuk in einer Ebene, welche wenig über die Meeresfläche erhaben iſt. Abd⸗Allatif berichtet, daß im Jahr 829, als der Pa⸗ triarch der Jakobiten zu Antiochien mit dem Kalifen Mamoun nach Aegypten ging, ſie den Nil zugefroren fanden. Sehr kalte Nächte ſind in warmen Ländern nichts Unerhörtes. Bruce verlor auf ſei⸗ ner Reiſe durch die Wüſte in einer Nacht alle Kameele, da der Temperaturunterſchied in 24 Stunden 30 Grad betrug. Daß

Süditalien nicht kälter geweſen, geht ſchon daraus hervor, daß die

Zwergpalme auch vor Alters große Strecken in Calabrien bedeckte. Dieſe Palme verträgt zwar einzelne zufällige Fröſte, aber keine ſtrengen Kältegrade von langer Dauer. In Frankreich liefert der Oelbaum einen Beweis, daß die Kälte ehemals nicht merklich

die ſo allgemein beliebte Erzählung vom

größer geweſen ſein kann. Er gedeiht nicht nördlich über die Ce⸗ vennen hinaus; bis dahin aber fand man ihn auch vor 1800 Jah⸗ ren, wie wir in dem Buche des damals lebenden Geographen

ter geworden, aber auch nicht wärmer. Zur Literaturgeſchichte.

Berthold Auerbach in Scandinavien. Seit einiger Zeit hat man in den ſcandinaviſchen Ländern

angefangen, dieDorfgeſchichten von Berthold Auerbach zu

überſetzen, und ſo ſind in nicht zu langen Zwiſchenräumen von den Werken unſers weit und breit bekannten Landsmannes Ueberſetzungen in's Däniſche, Schwediſche und in die norwegiſche Schriftſprache erfolgt. Den Anfang machte die norwegiſche Geſellſchaft zur Beförderung der Volksaufklärung, indem die⸗ ſelbe im Jahre 1858 denLehnhold unter dem angepaßten TitelDer Großbauer und ſeine Söhne(Storbonden og hans Sönner), überſetzt von Oeſtgaard, herausgab. In Dänemark brachte im erſten Quartal dieſes Jahres dieBerlingſke Tidende Joſeph im Schnee (Joſeph i Sneen) in vortrefflicher Ueberſetzung. Dieſelbe kam auch, bald nachher, in Buchform gebracht, in den Buchhandel. Im letzten Quartal dieſes Jahres erſchien in Kopenhagen die Ueberſetzung vonIvo, das Heirla(Ivo, den lille Theolog), vonBarfüßle(Barbena) und in Stockholm eine Bearbeitung

desJoſeph im Schnee in ſchwediſcher Sprache(Joseph uti

snön, eller olyckan skifta om till lycka).

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