Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
58
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58 Uovellen-Zeitung.

und ihn zu bitten, daß er ihn der ſchönen Engländerin vorſtelle.

Geſagt, gethan! Der Doctor zog zwar ein eſſigſau⸗ res Geſicht, aber es blieb ihm nichts übrig, als den laut ausgeſprochenen Wunſch des zudringlichen Störers ſeiner Entzückung zu erfüllen. Unſer Lieutenant ſprach eben ſo gut Engliſch als der Doctor, war ohne Zweifel geiſtreicher und liebenswürdiger, und bald konnte man deutlich be⸗ merken, daß Miß Sarah mehr mit ihm converſirte als mit ihrem mehr berechtigten Aubeter, der, da er wohl dieſelbe Benierkung machte, ganz ſtumm wurde.

Bei jedem Ereigniß, welches unſer Lager nur einiger⸗ maßen in Bewegung ſetzte, durfte auch Haus nicht fehlen; auch an dieſem Tage promenirte er wieder mit vielem Selbſtgefühl um den Kreis herum, den die Muſik und die eifrigſten Zuhörer geſchloſſen hatten, drängte ſich ungenirt durch die Menge und ſchnüffelte an den Taſchen ſeiner guten Bekannten; es muß dahin geſtellt bleiben, ob er be⸗ reits ein Auge auf den Doctor hatte.

Unglücklicherweiſe kam er wenigſteus dem galanten Lieutenant zu Geſicht, und mochte dieſer nun gerade der jungen Dame nichts Beſſeres zu ſagen wiſſen oder lag wirk⸗ lich eine kleine Malice gegen ſeinen Nebenbuhler vor, deſ⸗ ſen Abneigung gegen den Bock er gut genug kannte, er machte die Erſtere auf das ſtattliche Thier aufmerkſam, und, wie Frauen einer ſolchen leiſen Anregung nur bedürfen, wollte Miß Sarah unſern Hans näher kennen lernen; der Lieutenant rief ihn alſo bei Namen, und der Bock näherte ſich langſam und mit mißtrauiſchen Blicken auf ſeinen Erzfeind, den Doctor.

Miß Sarah war entzückt, wahrſcheinlich weil das Ent⸗ zücken jungen, hübſchen Mädchen immer gut ſteht, ſtrich dem Thiere, das ſie mit ſeinen großen klugen Augen fra⸗ gend aublickte, die Wolle aus denſelben, der Bock leckte ihr den gelben Glacéhandſchuh, aber ſie kümmerte ſich nicht darum und fuhr in ihren Liebkoſungen fort. Ihre Eltern

ließen auch ein paar Worte fallen, die Hans ſchmeichelhaft geweſen ſein müßten, wenn er Engliſch verſtanden hätte, und da der Doctor ganz paſſiv blieb, denndie Hölle wüthete in ſeinem Herzen, fragte ſie ihn, ob er denn das liebe, verſtändige Thier nicht leiden könne. Nothgedrungen ſtammelte er eine Verſicherung ves Gegeutheils, legte die Hand, nachdem er den Handſchuh abgezogen hatte, auf das Haupt ſeines erbittertſten Feindes und fragte dann, ob es Miß Sarah und ihren werthen Eltern nicht vielleicht intereſſant ſein würde, die Lazaretheinrichtung in Augen⸗ ſchein zu nehmen, da ſie deſſen werth ſei.

Man ſagte aus HöflichkeitJa, und der Bock wurde vergeſſen.

Die Gellſchaft, immer noch von dem aufdringlichen und dennoch liebenswürdigen Lieutenant begleitet, obgleich der Doctor nicht daran dachte, den Arm der Schönen, den er gewiß kraupfhaft drückte, zu laſſen, nahm alſo ihren Weg nach den Lagergaſſen und plauderte harmlos weiter. Haus, dem man ſo kurz den Rücken gewandt hatte, blieb ſtehen, blickte ihr bedächtig nach und folgte dann behutſam, ohne daß man ihn bemerkt hätte.

Plötzlich ſenkt er den Kopf, tritt, als er dicht hinter den Doctor gekommen iſt, ein wenig zurück und macht einen ſo gewaltigen Satz vorwärts, daß der Stoß ſeiner Hörner eine feſtgewurzelte Eiche hätte erſchüttern können. Er hat ſein Ziel nicht verfehlt, und triumphirend ſteht er ſtill. Der dicke Doctor ſchießt, noch gewaltſamer als da⸗ mals der Capitain aus der Paradeaufſtellung, vorwärts, reißt ſeine holdſelige Begleiterin, da er, wie leicht verzeih⸗ lich, durch den heimtückiſchen Anfall ganz außer Faſſung gerathen iſt, mit ſich fort, und o Jammer! beide küſſen wider Willen den rauhen Kies; der Doctor war bei ſeiner körperlichen Schwere auf den Boden niedergeſtürzt, daß er zitterte, die Dame war wenigſteus mit ſich nie ver⸗ leugnender Grazie gefallen.

Ein donnerndes Gelächter, denn unſere Soldaten ſind

der Menſchen, kürzere Dauer des Lebens, Verſchlechterung des Kli⸗ mas nordiſcher Länder ꝛc nicht bloß übertrieben, ſondern, ſo weit unſer Blick über geſchichtliche Zeiten reicht, ganz ungerechtfertigt ſind. Schon vor zwei-und dreitauſend Jahren verſicherten alte Leute, die Menſchen wären nicht mehr ſo ſtark, geſund und recht⸗ ſchaffen, wie in ihren jungen Tagen. Was für ein Jammerthal müßte die Erde geworden ſein, wenn von einem Geſchlecht zum andern wirklich Alles immer ſchlimmer geworden wäre! Vergleicht man aber z. B. ägyptiſche Mumien mit jetzigen Aegyptern, ſo ſieht man nichts von einem Kleinerwerden der Menſchen, und ver⸗ gleicht man alte Kirchenbücher mit unſern jetzigen, ſo zeigt ſich ſo⸗ gar etwas Unerwartes: die Sterblichkeit iſt geringer, d. h. die Menſchen leben länger, weil die Reinlichkeit gewachſen, die Er⸗ nährung beſſer iſt und die Arzneikunſt Fortſchritte gemacht hat. Wollen wirezur Gewißheit kommen, ob ein Land im Laufe der geſchichtlichen Zeit wärmer oder kälter geworden ſei, ſo müſſen wir uns an die Erſcheinungen in der Pflanzenwelt halten. So bieg⸗ ſam die Natur der Pflanzen zu ſein ſcheint, ſo ſtarr iſt ſie doch; die Pflanzen acclimatiſiren ſich nicht, ſondern ſie erfrieren. Dieſer Thermometer iſt alſo zuverläſſig. Paläſtina gibt uns hier nach Show's Beobachtung ein merk⸗ würdiges Beiſpiel an die Hand. Um ihre Früchte zur Reife zu

bringen, erfordert die Dattelpalme 17⁰ R. als mittlere Tempe⸗

ratur. Sie wächſt noch in Palermo bei 13 ½°, auch bei Genua bei 12 ½°, aber ihre Früchte reifen nicht. Zu Catanea ſind die Datteln bei einer mittleren Temperatur von nahe 150 R. nicht ge⸗ nießbar; ſüdlich von Algier dagegen bei 17⁰ R. kommen ſie voll⸗ kommen zur Reife und weiter im Innern des Landes gedeihen ſie noch beſſer. Iſt dies die niedrigſte Mittelwärme für die Datteln,

ſo iſt 18° R. die höchſte für das volle Gedeihen der Weintraube. Der Weinſtock hat ſeine ſudlichſte Grenze auf der Inſel Ferro bei der angegebenen Temperatur, auch bei Cairo hat man noch Wein⸗ lauben, in Abuſcheher in Perſien aber, wo die mittlere Temperatur 200 R. beträgt, kann der Weinſtock bloß in Gräben, oder wo er gegen die unmittelbare Einwirkung der Sonnenſtrahlen geſchützt iſt, ge⸗ zogen werden. Aus dieſen Beobachtungen geht hervor, daß ein Land, das zwiſchen 17 und 180 R. als mittlere Temperatur hat, Datteln und Weintrauben vereint hervorbringen wird, und ſolange dies geſchieht, kann das Klima ſich nicht bedeutend und im Großen verändert haben, mögen auch einzelne Landſtriche dürr und verö⸗ det geworden ſein. Beides trifft bei Paläſtina zuſammen. Die Stadt Jericho wurde Stadt der Palmen genannt; die Bibel ſpricht von den Palmbäumen der Deborah zwiſchen Rama und Bethel und von jenen, die längs dem Jordan ſtanden. Die Juden aßen die Datteln, dorrten ſie ab, bereiteten auch eine Art Honig und einen gegohrenen Saft aus denſelben, Die hebräiſchen Münzen weiſen deutlich Palmen mit Früchten bedeckt. Ebenſowenig fehlt ees uns an Nachrichten über den Weinſtock. Er wurde gezogen, I nicht nur um die Trauben zu eſſen, ſondern auch um Wein zu er⸗ zeugen. Jedermann erinnert ſich der großen Weintraube, welche die Kundſchafter Joſua und Kaleb aus Canaan brachten.

An vielen Stellen der Bibel iſt die Rede von Weinbergen, auch von Weingärten im Thal Engeddi, und ſowohl in der Bibel, als bei Strabo und Diodor, den alten Geographen, werden die Weinberge von Juda gerühmt. Auf den hebräiſchen Münzen kommt die Weintraube gleich der Dattelpalme als Sinnbild vor. Datteln und Weintrauben gedeihen noch heut vereint in Paläſtina. Auf dem fruchtbaren Küſtenſtrich, der nördlich bis zum Vorgebirge

VIII. Jahrg.