Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
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Uovellen-Zeitung.

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unterlief. Uebrigens war er ſehr geſetzt geworden, und man ſah niemals von ihm die ſogenunnten Bocksſprünge; ſtill und nachdenklich wandelte er in den Lagergaſſen um⸗ her, als theile er auch das allgemeine Mißvergnügen über den ſo ſchnell zu Stande gekommenen Friedensſchluß, der manchen derer, die unter Englands Fahnen getreten waren, ſeiner liebſten Hoffnungen beraubt hatte. Er wich dann keinem Menſchen aus, ließ ſich von Jedem anfaſſen und füttern, ſo lange er Appetit hatte, ertheilte, wenn man mit ihm ſpielte, auch zuweilen ſanfte, freundſchaftliche Stöße mit ſeinen Hörnern, nahm aber jede üble Behandlung ſehr böſe auf und ſetzte ſich dann entſchieden zur Wehr; dies kam aber ſelten vor, denn die Jäger, aus deren Quartiere er ſich nie weit eutfernte, waren ſtets zur Hand und nah⸗ men Partei gegen jeden Fremden für ihn, ſie ſelbſt ſchlugen oder ſtießen ihn aber nie. Die Uniform war für ein ſo kluges Thier leicht zu unterſcheiden, denn die Jäger trugen dunkelgrüne Röcke und Jacken, die Infanteriſten hochrothe; Hans ſetzte einen gewiſſen Stolz auf ſeine Waffe, denn während er ſjeden Grünen freudig blökend begrüßte, küm⸗ merte er ſich um die andern Truppentheile ſſehr wenig. Die Engländer, die als Beſucher in das Lager kamen, konnten ſich nicht genug über die Idee der deutſchen Sol⸗ daten wundern, ſich einen Schafbock zu halten, und lieb⸗ koſten das zahme Thier gern; Hans hatte die große Ge⸗ nugthuung, der ſtarren und gelangweilten Miene manches namhaften Lords ein Lächeln abzulocken und aus ſchönem Munde zärtliche und lobende Worte zu hören. Als das Jägercorps aus dem Lager von Shorncliffe in das von Alderſhott übergeſiedelt war, wobei er es natürlich auf der Eiſenbahn begleitet hatte, und die königliche Familie, von einer glänzenden Suite gefolgt, die Truppen beſuchte, ge⸗ langte er auch zur Vorſtellung und zeigte ſich durchaus courfähig, was beſonders die königlichen Kinder amüſirt haben ſoll.

Auch wir rückten Mitte Juli 1856 in das Alderſhotter

VIII. Jahrg.

Lager ein, als wir in Portsmouth wieder ausgeſchifft waren; da es hier aber ſchon am erſten Abende zu einer förmlichen Schlacht zwiſchen Deutſchen und Irländern kam, wobei man ſich der Waffen bediente und mehrere Opfer fielen, wurden wir in der zweitnächſten Nacht in das Barackenlager zu Colcheſter geſchickt, wo ſich alle deutſchen Regimenter vereinigten. Die zweiten Jäger folgten uns ein paar Tage ſpäter, und als ſie in Colcheſter mit Spiel und Klang einrückten, ſahen wir den ſchwarzen Bock, der uns von Helgoland her noch wohl bekannt war, zu unſerm großen Ergötzen zum erſten Male wieder; er ſchritt ganz gravitätiſch und ſich nicht im Mindeſten an das Geſchrei und Gelächter des Publicums, das ihm galt, kehrend, dicht hinter dem Muſikcorps her und ſetzte die Füße ſo taktmäßig, als es gehn wollte.

Da unſere Regimenter von gleicher Uniform nun dicht bei einander lagen und es ſeinem Begriffsvermögen wohl zu ſchwer werden mochte, die beiden Corps von einander zu trennen, wurde er auch unſer Freund und verkehrte dald in dem einen, bald in dem andern Regimente.

Unſer Bock begnügte ſich aber nicht, uns ſeine Anhäng⸗ lichkeit allein im Lager zu zeigen, ſondern war auch gar nicht abzuhalten, die Regimenter auf ihren Märſchen zu begleiten; hätten wir ein Gefecht gehabt, ſo würde er ſich ohne Zweifel unſterbliche Lorbeeren erworben haben, indem er getreulich mit uns tiraillirte. Er wurbe eingeſperrt, wenn wir das Lager verließen, aber entweder entkam er dann durch die Nachläſſigkeit der zurückbleibenden Leute, oder dieſe machten ſich einen Scherz daraus, ihn freizulaſ⸗ ſen, worauf er dann jedesmal in langen Sätzen unſern Weg verfolgte und, vor Freude laut blökend, bei der Colonne eintraf. Da die höheren Vorgeſetzten nichts dazu ſagten, höchſtens über das Thier lachten, ſo hielt es bald Jeder auch bei den Exercir⸗ und Manöverübungen für ganz an ſeinem Platze. Zuweilen wurde er dabei aber auch ein wenig läſtig, beſonders bei dem Parademarſche,

jenes Ortes nach dem Pfropfen für 100 Dollars Birnen, obſchon jene Früchte bei der Menge derſelben ſpottwohlfeil ſind. Man erzählt von Aepfeln, die 1 Pfund 14 Loth ſchwer geworden, von Birnen, die 2 Pfund 24 Loth, ja 3 Pfund 14 Loth wogen. Ein Apfel der Sorte Gloria mundi, von 2 Pfund 7 Loth Gewicht, hatte 17 Zoll im Umfange, war alſo ziemlich ſo groß wie der Kopf eines 12 jährigen Knaben. Von einer Farm(des Herrn Thomſon) wird berichtet, daß ſie 1853 begonnen worden, 900 Morgen umfaßte und bereits Ende 1856 allein für Früchte 200,000 Dollars eingebracht habe. Sie enthielt zu letzterem Zeit⸗ punkte 4000 Aepfel⸗, 10,000 Pfirſich⸗, 1000 Birn⸗, 1000 Pflau⸗ men⸗, außerdem Nectarin⸗, Kirſch⸗, Quitten⸗, Feigen⸗, Oliven⸗ und Pomeranzen⸗Bäumie, dazu Beerengeſträuch, im Ganzen 18,000 Fruchtbäume in 250 Sorten, ferner 1600 verſchiedene Nußbäume, Einfaſſungen von 3600 Zierbäumen, 8000 Weinſtöcke in 30 Spielarten, in Summa 31,000 fruchttragende Bäume auf 140 Morgen. Ueber 50,000 junge Bäume ſind in der Baumſchule zum Verkauf. Ein anderer Pflanzer löſte 1857 allein aus dem Verkauf der ſelbſterzeugten Pfirſichen 70,000 Dollars.

So geringfügig unſere Beerenfrüchte nebſt den Obſtbäumen und Weinpflanzungen auch auf den erſten Anblick eerſcheinen mögen, ſo wichtig werden ſie doch für manche Gebirgsgegenden, in denen die beſſeren Fruchtbäume nicht mehr fortkommen. Erd⸗ beeren, Himbeeren, Stachel⸗ und Johannisbeeren werden in den Gärten gezogen, und zwar iſt die Zucht der erſtgenannten Pflanzen⸗ frucht beſonders in England zu vorzüglicher Ausbildung gediehen; man erzeugt dort Erdbeeren von faſt Fauſtgröße. Die Schönheit der aus den Früchten der Himbeere dar eſtellten Fruchtſäfte wird ſelten durch eine andere Frucht übertroffen.

Im Erzgebirge ſtellen ſich die Preißelbeerſammler in langge⸗ ſtreckter Colonne auf und rücken langſam gleichmäßig vor, um nichts zurückzulaſſen. Sie ſtreifen die Beeren von den Sträuchern mittelſt eines Kammes ab, der ſich am Rande des zum Sammeln beſtimmten Gefäßes befindet; dabei geſchieht das Einbringen der Preißelbeeren bereits, wenn dieſe noch halbreif und hell ge⸗ färbt ſind, da ſie dann mehr Härte haben. Man ſchüttet ſie dann in Kellern auf luftige Siebe und läßt ſie ſo nachreifen. Die Heidelbeere iſt wegen ihres maſſenhaften Vorkommens noch wich⸗ tiger als die ebengenannte. Als Beiſpiel, welchen Werth ſie ſtellenweiſe erhält, führen wir an, daß in St. Andreasberg am Harz ein Kaufmann von denſelben(einſchließlich der wildwach⸗ ſenden Himbeeren) jährlich für 500 bis 600 Thlr. aufkauft, um ſie auszupreſſen und den Saft nach dem Auslande zu verkaufen. Im Jahre 1850 verſandte er 50 Oxhoft ſolchen Saftes. Eine wenig⸗ ſtens gleiche Menge lieferten aber die Bewohner jenes Gebietes nach Wernigerode und Harzburg, ſo daß dem kleinen Orte von 4000 Einwohnern ſchon durch die nach außen gehenden Beeren etwa 1000 bis 1200 Thlr. zufließen, während der Verbrauch im Orte ſelbſt ein nicht viel geringerer ſein dürfte. In dem Flecken Lauterberg werden mindeſtens für 500 bis 600 Thlr. Beeren aller Art geſammelt, den eignen Verbrauch nicht mitgerechnet. Schaaren von Weibern und Kindern ziehen zur Beerenzeit luſtig und ſingend zum Walde, und manche arme Familie erübrigt ſich auf dieſe Weiſe in einem Sommer 10 Thlr. und mehr. Nach einer mäßigen Be⸗ rechnung dürften in den Forſten des Königreichs Hannover jähr⸗ lich für 145,000 Thlr. Waldbeeren eingeſammelt werden.

In den Gebirgen und Heidegegenden der andern deutſchen

Länder iſt der Gewinn durch Beerenſammeln nicht geringer. So