Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
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52 Uovellen-

men Staunen der Erwachſenen commandirt und exercirt, und zum Beſchluß des auf einmal ſo bewegten Lebens ſchmetterte Abends der Zapfenſtreich ſeine melancholiſchen Töne in die weite See hinaus. Die Helgoländer ſind uie Freunde von Kriegsgeräuſch und Soldaten geweſen, aber ſie wurden es, als die anſehnliche Beſoldung der letzteren in ihre Taſchen floß und ihre Befürchtungen einer ſchlech⸗ ten Badezeit beſchwichtigte, und da die ungebetenen Gäſte ſie übrigens nicht ſo beläſtigten, wie ſie gefürchtet hatten; die rothröckigen Mädchen tanzten ebenſo gern mit deu ſchmucken Soldaten als mit ihren ehemaligen Cavalieren in blauen Seemannsjacken. So bildete ſich ein im Gan⸗ zen recht gutes Verhältniß zwiſchen den Einwohnern, die von Natur gutmüthig ſind, und den Fremden, die froh waren, das Leben noch einmal von der heitern Seite neh⸗ men zu können, bever ſie zu ſehr ernſten Pflichten gerufen würden; und wenn die letzteren, ſobald ein geſchloſſenes Corps formirt war, nach England eingeſchifft wurden und mit den Regimentsmuſikeorps an der Spitze auf das Unterland zu den ihrer harreuden Booten hinabzogen, fehlte es nie an einer großen ſie begleitenden Menge, mit

der herzliche Abſchiedsworte gewechſelt wurden; mancher

der jungen Männer, die von weichherzigen Helgoländerin⸗ nen ſchon im Voraus als Kanonenfutter beweint wurden, flüſterte wohl auch ſeiner Herzliebſten denn ſolche gibt es überall, wo Soldaten nur drei Tage lang im Quartier gelegen haben, tröſtende Hoffuungen auf ein Wieder⸗ ſehn zu odererbürgte dem bedenklich blickenden Vater mit biederem deutſchen Handſchlage die Rückkehr,falls ihm nicht die Ruſſen den Kopf abbiſſen. Beiläufig bemerkt, haben nicht Wenige ihr Wort gehalten.

Unſer Regiment war das erſte, welches eingeſchifft wurde; nach einem kurzen Aufenthalte au der Südküſte Englands ging es zu Schiff mit der Beſtimmung nach Balaklawa weiter, erhielt aber in Conſtantinopel Contre⸗ ordre und blieb bei dem Corps in Kleinaſien; dort ſam⸗

(VIII. Jahrg.

Zeitung.

melte ſich die eine Infanteriebrigade, während die zweite und die Cavallerie wegen des im März 1856 erfolgten Friedensſchluſſes in England zurückblieben, denn ſie war n um jene Zeit ungefähr erſt vollſtändig formirt und ausge⸗ bildet; Helgoland ſah die Soldatenwirthſchaft aber noch bis in den Mai hinein, da hier nacheinander vier Regimenter gebildet wurden.

Bei dem Auszuge des zweiten Jägercorps nach Eng⸗ land beginnt nun unſer Bock ſeine Rolle zu ſpielen. Er war damals in ſeinem vierten Lebensjahre und ſtand in der Blüthe ſeiner ganzen Schönheit und Kraft; da wir ihn zum Helden unſerer Geſchichte gemacht haben, wollen wir ihn auch zu ſchildern verſuchen. Bei einer Höhe von drei Fuß hatte er eine ſo impoſante Geſtult, wie ſie nur immer ein Schafbock haben kann, ſehr ſchlanken, wohlgefälligen Bau der Beine und einen wohlgerundeten Rumpf mit brei⸗ tem Kreuze; ſein Haupt, das in ſelten ſchöner Verbindung mit dem letzteren ſtand, trug er ſtolz und würdevoll, und weun er's kampfbereit ſenkte, ſo lag in ſeiner Erſcheinung viel ſelbſt⸗ bewußte Größe und eine herausfordernde Kühnheit, die zweifellos alle Lämmer bezaubert haben würde ſein Pelz war ſchwarz wie die Nacht und ſo kraus wie der Kopf eines Guineanegers; nur zwei ſchneeweiße Flecken hoben ſich wie leuchtende Geſtirne daraus hervor, der eine, nicht viel größer als eine Schneeflocke, gerade zwiſchen den verſtän⸗ digen, ſtets ernſten Augen von leuchtendem Kaſtanienbraun, der andere anſehnlichere an der Spitze des langhaarigen breiten Schwanzes; ſeine Hauptzierde waren aber jeden⸗ falls die in graziöſem Schwunge nach vorwärts gewunde⸗ nen Hörner von fein geringeltem Graugelb, die ſich über der genial gewölbten Stirn erhoben.

Dieſer Apollo des ganzen Bockgeſchlechts hatte das Licht der Welt auf Helgoland erblickt, und da ſeine körper⸗ lichen Vorzüge denn von den geiſtigen hatte man in ſo zarter Jugend noch keine Ahnung, in die Augen fallen

mußten, war er dem grauſamen Schickſale entgangen, dem

Feuilleton.

San

Aböſtammung und Caltur einiger Oöſtarten.

Nächſt dem Anbau des Getreides gibt es wohl keinen andern, der ſo eifrig von Dilettanten und Fachleuten betrieben würde, als der des Obſtes. Keiner iſt aber auch ſo intereſſant. Dennoch ſind die meiſten Leſer über die Geſchichte vieler Früchte, die ſie ſo gern eſſen, im Dunkeln.

Beziehung ein bei Spamer erſchienenes populäres WerkSchilde⸗ rungen aus dem Leben der Gewächſe, aus welchem wir als em⸗ pfehlende Probe d' aachfolgenden Notizen entnehmen. Zu Folge derſelben ſind Apfelbaum und Birnbaum, ſo wie die Vogelkirſche und die Schlehe einige von den wenigen urſprünglich in Deutſch⸗ land einheimiſchen Früchten; die beſſern Sorten derſelben ſind aber von Südeuropa und Kleinaſien her eingeführt worden. In Deutſch⸗ land ſcheint vor dem Jahre 800 kaum von einer Obſtbaumzucht die Redegeweſen zu ſein und dieſelbe vorzüglich den Bemübungen Karl's

des Großen ihr Entſtehen zu verdanken. Wie für viele andre dem Volkswohl heilſame Einrichtungen, gab er auch weiſe Verord⸗

nungen in Bezug auf die Pflege der Obſtbäume. Im Jahre 1621 erſchien in Deutſchland das erſte pomologiſche Werk von Bedeu⸗

Eben ſo geht es bei vielen beliebten Pflanzen und Blumen. Unterhaltend und belehrend zugleich wirkt in dieſer

tung, nämlich Knabe's Hortipomologia. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts machte ſich um den Aufſchwung der Obſtcultur der Kurfürſt Auguſt von Sachſen ſehr verdient. Er befahl unter anderm. daß jedes junge Ehepaar bei ſeiner Verheirathung 6 junge Obſtbäume und 6 Eichen pflanzen ſollte, und da ihm trotz⸗ dem die Vermehrung der nutzbaren Bäume noch zu langſam von ſtatten ging, ſuchte er das allgemeine Intereſſe daran durch ein Werk zu wecken, das unter dem Titel:Auguſti Sax Electoris künſtlich Obſtgartenbüchlein erſchien und 1636 in der zweiten Auflage ausgegeben wurde. Man erzählt auch von demſelben Kurfürſten, daß er ſtets ein Säckchen mit Obſtkernen bei ſich ge⸗ tragen und aus demſelben vertheilt habe, wo er es für zweckmäßig fand. Dem finſtern Geiſte des Zeitalters entſprechend ward Baum⸗ frevel mit dem Abhauen der Hand beſtraft.

Gegenwärtig iſt die Obſteultur bis Norwegen zum 630 n. Br. und an den ſüddeutſchen Alpen bis zu 3000 a. H. hinauf ver⸗ breitet und in manchen Gegenden die Quelle eines anſehnlichen Einkommens geworden. In Thüringen und in der goldenen Aue gibt es kleine Dorfgemeinden, die nicht ſelten mehrere Hundert Thaler aus dem Verkauf einer einzigen Obſtart, z. B. der Kirſchen, löſen. Nicht wenige Volksfeſte knüpfen ſich an die Ernte ſolcher

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