Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
46
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46 Uovellen-Zeitung.

(VIII. Jahrg.

ewig in der Poeſie leben, weil er von nichts lebt, ganz iveal iſt und das gute Recht und weite holde Reich des Traumes für ſich hat.

In den verſchiedenſten Epochen unſerer Literatur fin⸗ den wir, je nach dem Zeitgeiſt gefärbt, die begabteſten Na⸗ turen der Ausſprache ſentimentaler, tändelnder, heiterer und klagender Empfindungen ein Opfer bringen. Es iſt ein Tribut, welchen von den Bedeutenden die Schwärmerei des unbefriedigten Herzens, von den Kleinen ſchon die Sirenenlockung'Riſſerer ſelbſtdichtenden Spkachglätte ein⸗ treibt. Wie Sommerfäden wirft ſie die Endreime in der Luft umher und mit dem Reiz des Echos zieht ſie die Ant⸗ wort darauf aus des Dichters Seele hervor, und mit dem Reime kommt, wie ſich von ſelbſt verſteht, auch der Ge⸗ danke als Zugabe. So entſtehen Lieder, die auch wie Sommerfäden, wie Mariengarn wieder verſchwinden und zuweilen ſogarMariengarn heißen. Doch wir haben es hier nicht mit ſolchen Poeten zu thun, denen vom Ueber⸗ ſchuß der modernen Bildung gedichtet wird, ſondern mit einem derjenigen, welche ſelbſt dichten, indem ſie ſelbſt empfinden und ſelbſt denken und ſomit den Ueberſchuß der modernen Bildung für Andere, die mit leerem Schädel und hoher phrenologiſcher Stirnwölbung ausgerüſtet ſind, zur beliebigen Auffüllung ſchaffen helfen.

Zu dieſen individuellen Poeten voll lyriſcher Sinnig⸗ keit und Anmuth des Gefühls gehörte Albert Traeger ſchon immer, ſo lange wir Dichtungen von ihm kennen. Er adelte die Träumereien ſeiner erotiſchen Phantaſie durch geiſtige Schattirungen und durch jene Streiflichter, die nur die Reflexion eines Kenners über das Stillleben des modernen Gemüths ausgießen kann.

Der Verfaſſer hat nun in der zweiten Auflage viele Einzelnheiten einer zu vorwaltenden Subjectivität beſeitigt oder veredelt und, aus ſich in die Mitleidenheit der Welt hinaustretend, ſeiner Sammlung eiuen objectiven Farben⸗

ton durch viele neue treffliche Gemälde hinzugebracht. So zeigt ſich auch, was der Verfaſſer in ſeinem übrigen Lebensberuf ſo warm, geiſtreich und beredt bewährt hat, ein ungewöhnlich empfängliches Herz für die Noth des Volkes, eine ſchöne Sympathie für die ſittlich nationalen Intereſſen, welche man im höheren Sinne die ſocialen nennen könnte.

So malt er uns:

Tuke.

Ein Frühli ngsbitd a2 Fri yli nssb12,Sh,7, 2.

Ein Frühlingstag welch' wogend Drängen)

Kein leerer Fleck, kein ſtiller Ort;

Welch' froh Gewühl auf allen Gängen, SA.

Gleich einer Wallfahrt wälzt ſich's fort. 7.

Der Winter aus, der ſchwer und bleiern,

Ein Alp, auf jedem Herzen lag,

Die ganze Menſchheit ſcheint zu feiern

Der Er de Auferſtehungstag.

Nur du allein rührſt dich geſchäftig Inmitten all der müß'gen Welt,

Mit nackten Armen, braun und kräftig, Stichſt du den Spaten in das Feld;

Du darfſt nicht freudig um dich ſchauen, Nicht ſproßt für dich das junge Grün, Den ſtein'gen Acker mußt du bauen, Drauf Blumen nur als Unkraut blühn.

f Nr. 3

Die Keime zu dem künft'gen Mahle

Düngſt du mit deiner Stirne Schweiß, Die Früchte, dampfend in der Schale, Sind einſt der ſchweren Arbeit Preis; Mit ſaurer Mühe zu erringen,

Was Andern wächſt in ſüßer Ruh, Das iſt im Frühling dein Vollbringen, Des Volkes arme Tochter du!

Dein Himmel iſt ein kalter, trüber, Den Andern lacht der Sonnenſchein, Gleichgültig ziehn ſie dir vorüber, Achtlos ſtichſt du den Spaten ein.

Jemand ein Schimpfwort gegeben.Wie, verſetzte er darauf, dieſer Kerl da kann eine Laſt von tauſend Pfund tragen und hat nicht die Kraft, ein einziges Wort zu erkragen?.

Literatur.

Für das Haus. Liedergabe von Julius Sturm. Leipzig, Brockhaus. 1862. Der Verfaſſer hat einen guten Namen, und wenn dieſer auch

weniger durch den Geſammtanklang ſeiner Gedichtbücher hervor⸗ gerufen iſt, ſo haben doch die wielen ſich von Diebſtahl nährenden Gedichtſammler ſehr hübſche Producte aus ſeinen Sachen ausge⸗ wählt und mit verdientem Glück im Publicum verbreitet.

Hier liegt nun wieder ein neuer Band vor⸗ Wenn man darin lieſt, ſo findet man manches recht wohl anſprechende Lied, manche angenehme Schattirung inniger Gemüthsſtimmungen. Im Herzen wird man aber vom Eindruck der Mattigkeit beſchlichen, welcher anfangs lähmend, endlich peinlich wirkt. Wenn man aber die bedenkliche Thatſache bedenkt, daß Julius Sturm bereits ſechs, ſage ſechs Bände Gedichte erſcheinen ließ, ſo wird es klar: wie eine höchſt mäßige Productionskraft, auf ſo zahlreiche Stoffe ver⸗ theilt, gleich einer verdünnten chemiſchen Materie nur noch ſehr ſchwach reagiren kann. In homöopathiſcher Salpeterſäure ver⸗ färbt ſich das Lackmuspapier nicht mehr, ſondern die Couleur bleibt Lackmus, nichts als gewöhnliches Lackmus.

So auch hier. Wenn man auch weiß, daß Sturm bei ſeiner löblichen Seelenreinheit und Selbſtharmonie ohne größere Ge⸗ danken und Leidenſchaften iſt, was eben ſehr die Reinheit und

zufriedene Harmonie erleichtert, ſo muß man doch die chriſt⸗ liche Geduld bewundern, die der Verfaſſer mit all ſeinen kleinen poetiſchen Einfällen bat. Durch einen gefälligen Wortreichthum ſtreckt er ſie rhythmiſch zu Gedichten aus, die mehr für ihn als für Andere ein Intereſſe haben dürften. O. B.

Kunſtlerbilder. Von A. von Sternberg. Leipzig, Coſtenoble. 1862. 4

Die deutſche Literatur iſt ſowohl über die fließende, anzie⸗ hende Erzählungsweiſe und den früher ſo ſchönen, einfach leichten Styl, als über die bekannten äſthetiſch⸗ethiſchen Schattenſeiten des vielſchreibenden Verfaſſers einig..

Als ein Product ſeiner lebendigen Phantaſie und ſeines leich⸗ ten Vortrags ſind auch dieſe Künſtlerbilder anzuſehen, die mit dem vorherrſchend biographiſchen Element das novelliſtiſche in ſehr gemeſſener Weiſe verbinden, nirgend aber auf Ermüdung des Le⸗ ſers hinwirken.*

Der erſte Band bietet eine Schilderung der berühmten Sän⸗ gerin Mara, der zweite das Leben Winkelmann's und der dritte endlich erzählt von Rafael Mengs, Iffland und Watteau. Die Perſönlichkeiten ſind alſo mit Rückſicht auf das allgemeine Inter⸗ eſſe, das ſie einflößen, geſchickt gewählt. Winkelmann's Biographie war allerdings peinlich zu behandeln, doch kann dies die Art nicht entſchuldigen, mit welcher der Verfaſſer die griechiſchen Liebhabe⸗

reien und plaſtiſchen Neigungen des ruhmvollen, aber charakter⸗

ſchwachen Archäologen ausmalt und widerlich umſchreibt.. In den übrigen Erzählungen finden ſich ſolche Scenen nicht

vor, und jener Theil des Publicums, welcher niemals Kunſtge⸗

ſchichte lieſt, wird trotz der wenig ſcrupolöſen Art des Verfaſſers,

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