Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
45
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Han zu weinen

zund ſo ſehr konnte er doch hrei des Kna⸗

mſelben abzu

Schiff

sur der

genießt, tennen.

ſen Meiſter:Solche Kleinigkeit

Nr. 3.] Dritte Mich grüßet kein Willkommen mehr Am alten, mooſ'gen Platz! Mein Aug' iſt naß, mein Herz iſt ſchwer Leb' wohl, herzliebſter Schatz!.

Der alte Hund.

Mein Vater hatt' einen alten Hund, *So häßlich, wie ich nur einen wüßt',

Den hab' ich als Kind in mancher Stund'

Mitten auf ſeine Schnauze geküßt.

e*

Und jeden Abend es ſo geſchah,

Dann ſprach ich:Lieber Herr Jeſus mein, Behüt' mich und Mania und Papa

Und unſern Spitz und die Anna Kathrein!

War ich mal müde und ſchläfrig ſehr, Nun, ich geſteh' es, dann geſchah's:

Ich betet' für Auna Kathrein nicht mehr, Doch nimmer ich unſern Spitz vergaß.

Oft wurden auch Prügelſuppen gebraut

Wir ſchloſſen im Schmerze nur euger den Bund! Empfing er die Schläge, dann weinte ich laut,

Und ward ich geprügelt, dann heulte der Hund!

Der Spitz ward alt und ich ward groß, Doch unſre Herzen blieben ſich nah'.

Ich nahm ihn nur heimlich auf den Schooß; Ich ſchämte mich, wenn es Einer ſah!

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Zuletzt, da ſtarb unſer alter Hund;

Er lag verendet am Treppenſtein,

Der Gärtuer grub in den Wieſengrund Ein Loch und ſcharrte den Spitz hinein.

Und wie ich den Hund verſcharren ſah,

'S iſt Wahrheit, aber, weiß Gott, ich litt

Und fühlte, ſie begruben mir da

Ein Stück von meinem Herzen mit!7f o.

Kiterariſche Zriefe

Otto Banck.

Gedichte von Albert Traeger. Zweite vielver⸗ mehrte Auflage. Leipzig, Verlag von Ernſt Keil. 1862.

Sie ſehen in Traeger's Bändchen eines der wenigen modernen Gedichtbücher, welches bei den Freunden der Lyrik Glück gemacht hat. So haben wir denn jetzt bereits die zweite Auflage vor uns.

In der erſten empfahl ſich der empfindungsreiche und formgewandte Dichter vorzüglich als Vertreter derjenigen Richtung, die im zarten Schmelz moderner Minnelieder in den romzantiſchen Waldgründen der Phantaſie den ver⸗ borgenen Quell der Sehnſucht und des unbeſtimmten ju⸗ gendſeligen Verlangens aufſucht und mit liebenswürdigen Worten alle diejenigen Schmerzen und Seufzer ausſpricht, die keine Urſache haben, ſoudern ſich Selbſtzweck ſind. Dieſer ſchwärmeriſche Cultus der Wehmuth wird deshalb

ſtändig, denſelben zu lehren. Dieſer junge Menſch erlangte alſo eine außerordentliche Kunſtfertigkeit, und dabei war er ſo ſtark, daß ſich kein Anderer mit ihm meſſen konnte. Dadurch übermüthig geworden, ſagte er nun einmal vor dem Sultan:Mein Meiſter ſteht zwar über mir, weil er älter iſt und mein Lehrer; übrigens bin ich, was die Stärke anbetrifft, nicht weniger als er, und in der Kunſtfertigkeit bin ich ihm gleich. Der König, dem dieſe unehrerbietige Aeußerung des jungen Ringers ſehr mißfiel, gab nun den Befehl, daß er mit ſeinem Meiſter kämpfen ſollte. Man heſtimmte einen großen, weiten Platz zu dem Kampfe, und die Großen des Reichs wie die vornehmſten Höflinge fanden ſich als Zuſchauer ein. Der junge Ringer tritt auf den Kampfplatz, einem trunkenen Elephanten gleich, mit Gebehrden, als wollte er einen ehernen Berg von ſeiner Stelle heben. Sein Meiſter aber, der wußte, daß der Jüngling ihm an Stärke überlegen ſei, griff ien mit jenem Griff an, den er demſelben vorenthalten hatte. Der Jüngling wußte dieſen Griff nicht abzulenken. Da hob ihn jenn ſein Meiſter mit beiden Händen von der Erde und über ſei⸗ ſen Kopf hinaus und warf ihn dann zur Erde, ſo daß die Zu ſchauer ein Schreckensgeſchrei erhoben. Der König hieß dem Meiſter ein Ehrenkleid und Geld geben, dem jungen Ringer aber gab er Vorwürfe und Scheltworte, indem er ſprach:Du haſt die Anmaßunzg gehabt, mit Deinem Lehrmeiſter Dich meſſen zu wol⸗ lin; nun hat man geſehen, was Du vermagſt. Der junge Rin⸗ ger entgegnete:D. mein Gebieter, mein Meiſter hat nicht durch ſine Kraft und Stärke den Sieg über mich gewonnen, ſondern iſt eine Kleinigkeit in der Ringkunſt, die er mir vorenthalten itte, wodurch er beute mich beſiegt hat. Hierauf entgegnete habe ich eben von wegen eines

die Laterne nicht ſiehſt

b

ſolchen Tages mir vorbehalten, denn die Weiſen haben geſagt: Räume Deinem Freunde nicht ſo viel Macht ein, daß, wenn er eines Tages Dein Feind würde, er Dir Schaden zufügen kann.

Die harte Antwort. Ein tyranniſcher Fürſt ſagte einmal zu einem frommen Mann:Gedenkſt Du auch bisweilen meiner?Ja, erwiderte dieſer,ſo oft ich meines Gottes vergeſſe.

Die Prediger.

Ein junger Mann ſagte einmal zu ſeinem Vater:Keine von den erbaulichen Reden der Prediger macht einen Eindruck auf mich, weil ich ſehe, daß derſelben Handlungsweiſe mit ihren Wor⸗ ten nicht übereinſtimmt.

Sein Vater entgegnete ihm:O mein Sohn, Du haſt hier ganz und gar Unrecht; denn es geziemt ſich nicht, den guten Leh⸗ ren der Prediger das Gehör zu verſagen, weil ſie ſelber nicht ohne Irrthum ſind, oder der Vortheile der Wiſſenſchaft ſich zu berau⸗ ben, weil die Männer der Wiſſenſchaft ſelber nicht untadelig find. Das hieße es machen wie jener Blinde, der bei Nacht in einen Sumpf fiel und dann rief:O, bringt mir doch eine Laterne ber⸗ beil, dem aber ſofort ein gemeines Weib entgegenrief:Der Du was würdeſt Du doch mit der Laterne

Der Zornige.

Ein Verſtändiger ſah einmal einen Mann von großer Leibes⸗ ſtärke, der vor Aerger und Zorn ganz außer ſich war und vor Wuth ſchäumte. Er fragte deshalb:Was iſt doch dem Men⸗ ſchen zugeſtoßen? Da erhielt er die Antwort:Es hat ihm

ſehen?