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Ueberſetzungen von Georg Pertz.
Des Häuptlings Tochter. (Nach dem Engl. des Sanerikauers George Morris.)
Auf gluthgedörrtem Sand Stand ein gefang'ner Mann, Geſprungen kam mit Pfeil und Brand Die Rothhaut aus dem Tann. Gefeſſelt ſeine Glieder ſind, Sein Loos vernimmt er ſchon— In Thränen kniet des Häuptlings Kind Und fleht für ihn Pardon.
Dicht über ihm den Kreis Schon wilde Keulen zieh'n;
Die Maid ſchlingt irr und fieberheiß Die Arme rings um ihn.
Da bebt die Schaar, wie wenn der Wind Durch Espenblätter geht,
Bezwungen von dem Heldenkind, Das Gnade für ihn fleht.
„Zerreißt die Banden dort!“ Gebot des Häuptlings Schrei; Des Kindes Thränen küßt er fort, Und gab den Fremdling frei. So ſtets, wenn finſter ſich bezieht Des Mannes Hoffnungsſtern, In Frauenform ein Engel kniet Und fleht für ihn zum Herrn!
Uovellen-Zeitung.
VVIII. Jahrg
Gedichte von Emil Rittershaus.
Am alten Platze.
Den Berg hinauf zum Tannenhang, Wo Specht und Heher ſchreit,
Das war einmal mein liebſter Gang In ſchöner Frühlingszeit.
Dort iſt ein Plätzchen grün von Moos, Das iſt gar eng und klein,
Doch mit dem Schätzchen auf dem Schooß Hat man auch Platz zu Zwei'n!’
Dort läßt ſich's koſen Mund an Mund, Und keine Lauſcher nah'n;
Es ſchaut herauf nur aus dem Grund Vom Thurm der Wetterhahn.
Der Gockel ſah im Abendlicht, Wie wir uns einſt gefreut, Und wie mein Schatz die Treue bricht, Das ſieht der Gockel heut'!—
Am Kirchplatz ſteht der Fiedelmann; Er geigt zum luſt'gen Tanz.
Mein Schätzlein führt den Reigen an Im ſchmucken Myrthenkranz.
Und fröhlich jauchzet Groß und Klein Und tanzt auf grünem Plan.——
O Schätzel, liebes Schätzel mein,
Was haſt Du mir gethan!
ſelbſt geweſen. Obwohl er unter dem Convent die einflußreich⸗ ſten Stellen bekleidet, war er doch in tiefſter Armuth geſtorben.
erfahren hatte. Dieſer junge Menſch fing nun bald an zu weinen und zu ſeufzen und am ganzen Korper zu zittern; und ſo ſehr
Die Phrenologen gewahrten auf ſeinem Kopfe eine Vertiefung man ihm auch mit freundlichen Worten zuſprach, ſo konnte er doch
an der Stelle, wo bei andern Menſchen der Erwerbstrieb gefun⸗ keine Ruhe finden.
den zu worden pflegt.
Zch habe Lecarpentier's Schädel im anatomiſchen Muſeum geſehen, wo er neben jenem des armen Narren Mathurin Bruno ſteht, der Ludwig XVII. zu ſein prätendirte und den ein bar⸗
bariſcher Kerkermeiſter bei einem langſamen Feuer röſtete, um
einem kleinlichen Rachegelüſte gegen das Königthum Genüge zu thun. 9.
Zur Culturgeſchichte.
Einige Märchen von Sadi.
Dieſer berühmteſte aller orientaliſchen Dichter, der Verfaſſer des Guliſtan(Roſengartens) lebt in Aller Munde, ſo wie jene gefeierte Dichtung ſelbſt. Dennoch dürften nur wenige Leſer einen Begriff vom Weſen jener Poeſie baben, und wir glauben daher, daß es heute, wo der Orient wieder ſo zur literariſchen Mode ge⸗ worden iſt, vielen Literaturfreunden doppelt lieb ſein wird, im
Folgenden eine kleine Probe von jenen Producten des Roſen⸗
Wir theilen hier kleine Erzählungen
Der Arzt. Ein Fürſt machte eine Seefahrt. Unter andern war mit ihm ein junger perſiſcher Sclave auf dem Schiff, der noch nie die See geſehen und die Unannehmlichkeiten einer Seefahrt noch nie
gartens zu empfangen. und Pointen mit.
er ſich dann mit beiden Händen feſt anklammerte. rn wieder im Schiffe war, ſetzte er ſich in einen Winkel und verhielt 1 b
Dem König war das Angſtgeſchrei des Kna⸗ demſelben abzu⸗ iffe war, und ‚will ich den
ben ſehr unangenehm, und doch wußte Niema helfen. Da näherte ſich ein Arzt, der auf der ſprach zu dem König:„Wenn Du es haben Knaben zum Schweigen bringen ⸗Das 1 der König,„äußerſt erwünſcht.“ Der Arzt hieß nun den Knaben ins Waſſer werfen. Nachdem er einige Mal untergetaucht war, ergriff man ihn an den Haaren und zog ihn ans Schiff, an das
ſich ganz ruhig. Der König, dem ſolches ſehr angenehm war,
fragte hierauf den Arzt:„Worin beſteht denn hier die Weisbeit?“ 1
Dieſer erwiderte:„Für's Erſte hatte der Knabe das Unangenehme
des Untertauchens noch nicht gekoſtet gehabt, und ſodann hatte er
vordem den Werth der Sicherheit, die man im Schiff genießt,
nicht gekannt. Den Werth der Ruhe kann aber nur der kennen, 4
der ſchon von Unruhe heimgeſucht worden iſt.“
Die beiden Ringer.
Es war ein Ringer, der es in der Kunſt des Ringens bis auf das Höchſte gebracht hatte. Er verſtand dreihunderkundſechszig treffliche Griffe in ſeiner Kunſt, ſo daß er ein ganzes Jahr lang jeden Tag mit einer andern Weiſe auftreten konnte. fühlte ſich von der Schönheit eines ſeiner Schüler ſo angezogen,
daß er demſelben dreihundertundneunundfünfzig ſeiner Griffe
lehrte; den dreihundertundſechszigſten aber weigerte er ſich be⸗
mir,“ erwiderte 3
Wie er nun
Derſelbe
ſtändi eine a daß ſi geword ſtebt z lin ic der K unehre nund beſtim Große Huſch
einem


