Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
47
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zugebracht. m übrigen dährt hat, Neth des nationalen te ſocialen

och die chriſ⸗ b ſeinen kleinen erteicthen ir ihn als für b0 B.

Leipzig,

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eende, anzi⸗ infach leichten Schattenſeite

d eines lih⸗ n die mitdem ſtiſche in fehr üdung des Le⸗ ihnten Suͤn⸗ und det dunn

Dir

Sie haben ja für deine Leiden,

Für deine Freuden kein Gemüth,

Doch magſt du tröſtend dich beſcheiden, 2 Da neben dir dein Lenz erblüht:

Im duft'gen Gras des nahen Raines, Sorglich gebettet, weich und lind,

Auf groben Windeln liegt ein kleines, Rothwangig, blaugeäugtes Kind.

Es zappelt luſtig mit den Füßen

Der kleine Schelm, dehnt ſich und lacht, Und ſeine hellen Blicke grüßen

Mit frohem Staunen rings die Pracht.

Du gönnſt dir kaum das Athemholen, Hebſt nicht vom Boden das Genick, Doch ſchweift, der Arbeit abgeſtohlen, Zum Rain hinüber mancher Blick.

Dann ſtrahlt's um deine Wangen beiter, Dein Herz ſchlägt munter und geſchwind, Mit friſchen Kräften gräbſt du weiter: Du gräbſt ja Brod auch für dein Kind!

Doch halt! du horchſt; war das nicht Weinen? Den Spaten wirfſt du jach beiſeit,

Hinüber fliegſt du zu dem Kleinen

Und forſcheſt bang nach ſeinem Leid.

Wie willſt der Ruhe du genießen,

Du ſtreckſt dich hin in ſüßer Luſt?

Den durſt'gen Lippen läßt du fließen

Den beil'gen Quell der Mutterbruſt.

Er ſchmiegt an dich die roſ'gen Glieder, Als ließ er nimmer dieſen Platz,

Und ſel'gen Auges blickſt du nieder

Auf deiner Armuth einz'gen Schatz; Noch darf er rubevoll ſich laben,

Der Lenz koſt lieblich um ihn her Bald wird auch er den Acker graben, Und keinen Frühling hat er mehr!

Von Gedichten dieſes Genres hat der Verfaſſer mehrere gegeben, die alle mit gleicher Wärme auf das Elend der geſellſchaftlichen Zuſtände eingehn und ſeinen Stoff mit

poetiſcher Symbolik geſchickt und zum Herzen ſprechend einkleiden. So wirktdas Armenbrod,ohne Crucifix, Maiblumen, ſo wie auch das ſich in weiterer Sphäre anſchließende GedichtHolſtein und Kurheſſen. Auch noch viele einzelne Kleinigkeiten ſtreifen den Geiſt der Zeit auf eine ſinnige Weiſe. Die Liebeslieder ſind zarte Huldi⸗ gungen der Sehnſucht und des Verlangens, verbunden mit der Sprödigkeit des Selbſtbewußtſeins. Hieraus ent⸗ ſpringen jene Reſignationen, welche als verſchiedene Nach⸗ blüthen des Weltſchmerzes durch das lyriſche Glashaus und ſeine Kunſtpflege zu neuen Species entwickelt werden. Versbehandlung und Sprache haben bei Albert Trae⸗ ger viel Eleganz, Harmonie und Sauberkeit, und der Aus⸗ druck iſt frei von modernen Künſteleien und Reimſpielen, die in ihrer Klangmuſik nichts bedeuten, als Mangel au echtem Geſchmack. Dagegen iſt ein einfacher Vortrag, wie der folgende, in ſeiner Reinheit der Form zu loben und wiederholt ſich erfreulich oft in des Verfaſſers Liedern:

Es thut mir weh, du lächelndes Kind, Wenn deine Blicke begegnen den meinen, Weil gar zu ſchön deine Augen ſind: Ach, ſchöne Augen müſſen weinen!

Und brennt ein Feuer ſo heiß und hell, Daß ewig zu lodern die Flammen ſcheinen, Das Waſſer kommt, es zu löſchen ſchnell: Ach, ſchöne Augen müſſen weinen!

Zum Schluß muß ich noch bemerken, daß die Keil'ſche Verlagshandlung den Druck des Liederbuches wit einer im deutſchen Buchhandel ſeltenen Grazie des Druckes ausge⸗ ſtattet und die Eintheilung mit dem gewählteſten Geſchmack arraugirt hat. So iſt die äußerliche Erſcheinung zu einer Muſtervorlage geworden.

die hiſtoriſchen Quellen zu benutzen, doch Gelegenheit genug ha⸗ ben, ſich mit vielen Zuſtänden und Geſtalten der Vergangenheit vrientirend bekannt zu machen. O. B.

Entwürfe zu Vorträgen und Aufſätzen von Fried. Joach. Günther. Freiberg, Reichhard's Verlag.

Hundert Sprüchwörter und hundert Schiller'ſche Sprüche

ſucht hier der Verfaſſer disponirend und abhandelnd zu erklären. Die Arbeiten ſind zum Gebrauch für höhere Lehranſtalten berech⸗ net, und ſo fleißig die Sachen im pädagogiſchen Sinn durchgeführt find, ſo muß man doch die Auffaſſung bedauern, welche der Autor der reiferen Jugend über Schiller's Stellung zum Chriſtenthum plauſibel zu machen ſucht. Er ſtellt Schiller als einen Mann dar, welcher, ſeine Irrthümer bereuend, eben im Begriff war, in den engern Schooß gläubiger Frömmigkeit zurückzukehren, als er zum unglück für den Triumph der Kirche ſtarb. Was der Verfaſſer aaf Seite 133 ſagt, iſt in dieſer Beziehung einzig in ſeiner Art und wird gewiß bei den meiſten Kirchen⸗ und Schulvätern den An⸗ klang einer Predigt finden. O. B.

In der Fremde und daheim. Von Edward Fl y⸗ gare. Leipzig, Kollmann. 1862.

Es iſt der vorliegende Band ein Supplement zu Emilie Fly⸗

grre⸗Carlén's ſämmtlichen Romanen, welchen die Mutter nach

Dieſe einzelnen Blätter, in Reiſeerinnerungen und novelliſti⸗ ſhen kleinen Zwiſchenfällen und Lebenseindrücken aller Art beſte⸗ hnd, ſind mit jener Leichtigkeit erzählt, welcher man die flüchtige

i Tode des Verfaſſers herausgegeben hat.

ingründlichkeit verzeihen kann.

Am angenehmſten ſind die Schilderungen aus Italien und endlich diejenigen Abtheilungen des Buches, welche wirklich in die Novelle übergehn. Erſt hier wird der Autor warm und gibt ſei⸗ nen Arbeiten einen vielſeitigen Farbenton, der dem wirklichen Le⸗ ben entnommen iſt.

Dem großen Publicum wird das Buch anregende Unterhal⸗ tung bieten. O. B.

Miseellen. Worte für Welt und Haus.

Das fortwährende Trachten vieler Dichter nach poetiſcher Gerechtigkeit und Verſöhnung des Tragiſchen durch Schuld und Sühne, das mühſame Abhalten des Häßlichen und Unreinen von der theeſalonfähigen Sauberkeit des Ideals macht die Kluft immer tiefer, die zwiſchen der Kunſt und dem Leben ſtattfindet. Sie wird das Grab für die Natürlichkeit der Darſtellung.

Das Leben iſt ein ſchweres Geſchäft, welches uns Unmündi⸗ gen ungefragt übergeben wird und welches nur bei wenigen In⸗ habern ſeine Koſten deckt.

Den Zweifel, der wie ein glänzendes geiſtiges Panzerhemd den Klugen ſo gut kleidet, kennt der Dumme gar nicht. Bei ihm gibt es nur die dicke ſchafwollene Kutze des Mißtrauens, welche er ſich bei jeder Wetterveränderung wie ein Fuhrmann über die Ohren zieht und tüchtig auf die Pferde ſchlägt, damit er vorüber komme. 5.