Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
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als Albert ſchwieg, aufgebrauſt,oder glaubt Er etwa, in meinen Landen wäre die Blutrache erlaubt? Warum hat Er ſich nicht nach dem Spruch des Breslauer Gerichtshofes ſofort an mich gewandt?

Albert erwiderte darauf, daß er dies vorgehabt habe, von dem dienſtthuenden Kammerherrn aber abgewieſen wor⸗ den und ihm deßhalb nichts Anderes als Selbſthülfe übrig geblieben ſei.

Den König intereſſirte es, die Krebsſchäden Schleſieus, die ihm viel zu ſchaffen machten, gründlich kennen zu lernen, er forderte den jungen Mann auf zu ſprechen, und Albert ſchilderte nun die Gerichtsverwaltung des Grafen, die Eigenmächtigkeit und Grauſamkeit, mit der er gegen ſeine Bauern verfahren war, und kam ſchließlich auch auf den Verdacht der Spionage und des Landesverraths zu ſprechen, den man allgemein gegen ihn hegte.

Der alte Friy hatte ſich inzwiſchen an ſeinen Schreib⸗ tiſch geſetzt und einige Notizen gemacht, dann, als Albert ſchwieg, war er aufgeſtanden und mit den Worten an den jungen Maun herangetreten:-

Ich werde Ihn vorläufig nach Spandau ſchicken, dort kann Er einige Monate brummen, bis es ſich herausge⸗ ſtellt hat, ob Seine Ausſagen wahr oder erlogen ſind, das Uebrige wird ſich finden. Damit war die Audienz zu Ende, und Albert wurde noch au demſelben Tage nach Spandau abgeführt, auf beſonderen Befehl des Königs aber gelinder behandelt, als die übrigen dort büßenden Verbrecher.

Die Unterſuchung, welche der König gegen den Bres⸗ lauer Gerichtshof perſönlich und allein leitete, weil er die Sache möglichſt geheim halten wollte, nahm geraume Zeit in Anſpruch, und bei Beendigung derſelben waren ſechs Monate ſeit der Abführung Albert's nach Spandau ver⸗ ſtrichen.

Schon am Tage nach jener Audienz hatte der König einen Commiſſair nach Schleſien geſchickt, mit dem Auf⸗

Uovellen-Zeitung.

[VIII. Jahrg.

trage, die Hinterlaſſenſchaft des ermordeten Grafen zu ord⸗ nen und deſſen frühere Gerichtsverwaltung zu unterſuchen. Die Berichte deſſelben und die Reſultate, welche die Unter⸗ ſuchung gegen den Breslauer Gerichtshof ergaben, empör⸗ ten den gerechten Monarchen tief, und er war eben im Be⸗ griff, mit ſeiner ganzen gefürchteten Strenge gegen die Schuldigen einzuſchreiten, als ihm ſein Comniiſſair plötz⸗ lich eine Schatulle mit Briefſchaften zuſandte, die in einem zufällig entdeckten Verſteck des gräflichen Schloſſes aufge⸗ funden worden waren.

Weshalb der Graf dieſe Papiere, die ſeinen Landes⸗ verrath deutlich bewieſen und außerdem noch eine Menge hochgeſtellter Beamten Schleſiens compromittirten, nicht vernichtet hatte, konnte ſich der König nicht erklären, doch be ſchloß er, nun auch dieſe Augelegenheit zuvor noch zu unterſuchen, um alsdann mit dem Streiche, den er zu füh⸗ ren gedachte, zugleich eine Regeneration des ganzen Beam⸗ tenperſonals vorzunehmen. Das Erſte, was er that, war, daß er Albert nach Sansſouci bringen ließ, und hier kün⸗ digte er dem jungen Manne ſeine Freiheit und gänzliche Beguadigung unter der Bedingung an, daß er reinen Mund halte und gegen Niemand etwas von dem, was zwiſchen ihm und dem Könige verhandelt worden ſei, ver⸗ lauten laſſe.Ich will Seine Selbſthülfe nicht als ein Verbrechen, ſondern vielmehr als ein Vorgreifen meiner Juſtiz anſehen, hatte der alte Fritz bei dieſer Gelegenheit geſagt,und für dieſes Vergehen hat Er ſeine ſieben Mo⸗ nate in Spandau geſeſſen. In Zukunft hüte Er ſich je⸗ doch vor ſolchen Eigenmächtigkeiten, Er weiß, ich laſſe nicht mit mir ſpaßen! Sein elterliches Gut iſt auf meinen Befehl verkauft worden, die Landescaſſe wird Ihm den Be⸗ trag auszahlen, damit ſiedle Er ſich irgendwo an, und werde Er ein guter Bürger, wie Er früher ein guter Sol⸗ dat geweſen iſt!

Das war zu viel für den jungen Mann, unwillkür⸗ lich ſchoſſen ihm die Thränen in die Augen und er war im

zum Vorſchein. Ich faßte Eva um den Leib, drückte einen Kuß auf ihren Mund und warf mich mit ihr in's Waſſer. Sie hielt

mich feſt umſchlungen, und als wir auftauchten, ergriff ich ein

Stüͤck von einem Balken, an dem ein kleiner Knabe hing. Wir erreichten das Ufer und warfen uns weinend auf die Erde. So gelangte Herr Tütt endlich nach Memphis, und wir be⸗

dieſe Verließe erſt einmal betrat, machte ſie wohl ſelten mehr lebend

verlaſſen. 9. Der Gedanke hat etwas Entſetzliches! In einem Kloſter,

das nur von frommen Liedern und Gebeten hätte wiederhallen

ſollen, brachen ſich die Seufzer und das Gejammer der in lang⸗

halten es uns vor, aus ſeinen höchſt belebten Schilderungen

über die jetzigen politiſchen Scenen und Zuſtände Amerikas noch gelegentlich eine kleine Pièce zuſammenzuſtellen.

Aus der Geſchichte. Das franzöſiſche gefängniß 8t. Michel.

Dieſer Ort, deſſen Kerker ſich in der franzöſiſchen Revolu⸗

tion öffneten, iſt allen Leſern ſchon mehrfach in Romanen vor die Seele gerückt. Immer noch intereſſanter aber als ein phan⸗ taſtiſches Gemälde iſt die Wirklichkeit. Dieſe gibt uns Lucian⸗ Herbert, welcher auf einer Reiſe in der Normandie den Felſen St. Michel beſuchte.

Sanit Michel wurde im Mittelalter eine Abtei, nachdem ſich am Fuße des Berges nach und nach eine kleine Stadt gebil⸗ det hatte, und die frommen Mönche, welche ſie bewohnten, bau⸗ ten gleichſam als nothwendiges Supplement ihrer Zellen eine Reihe von Kerkern. Sie bohrten dieſelben in den Felſen ſelbſt ein, zuweilen in eine enorme Tiefe. Keine Luft, kein Licht dringt in dieſe fürchterlichen Verließe, über deren dicken und feuchten Mauern granitne Wolbungen wie Sargdeckel laſten. Wer

auseinanderſtehen.

ſamer Tortur ſterbenden Gefangenen an geweihten, gottgehei⸗ ligten Mauern. 4

Wie viele Märtyrer haben ihre Seelen in dieſen fürchter⸗ lichen Höhlen ausgehaucht? Wer conſtatirt ihre Zahl? Die Chroniken ſind ſtumm. Aehnliche Gräber wiſſen ihre Geheim⸗ niſſe zu bewahren. Viele jener Unglücklichen, deren Namen ſich erhalten haben, endeten ihr Leben in dieſen Kerkern unter ſo fürchterlichen Qualen, daß es Einen bei der bloßen Erinnerung daran ſchaudert.

Da iſt Noel Beda, der Syndikus der Sorbonne, der ſich erlaubt hatte, das Leben Franz I. einer Kritik zu unterziehen. Der ritterliche König ließ ihn bei Nacht und Rebel aus dem Bette holen und nach Sanct Michel abführen...

Da iſt der ungluͤckliche Dubourg, der in den famoſen Holz⸗ käfig geſteckt wurde. Dieſer Käfig ähnelt auf ein Haar jenem, auf welchen Ludwig XI. den Cardinal La Balue ſo lange Zeit in der Baſtille einſchränkte. Er iſt aus dicken Klötzen zuſammenge⸗ ſetzt, welche in Zwiſchenräumen von je zwei bis drei Finger Breite Er iſt ſo niedrig, daß ein Mann in demſel⸗ ben nicht aufrecht ſtehen kann. 4.

Dubourg, ein Zeitungsſchreiber in Frankfurt, hatte ſich auf eine kritiſche Beleuchtung der Regierungsacte des vierzehnten Ludwig eingelaſſen. Der erboſte König. bemächtigte ſich ſeiner durch einen das Völkerrecht verletzenden Ueberfall und ſteckte ihn

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