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Nr. 3.]
Dritte Folge.
novellen-Zeitung.
Der Wilddieb.
Novelle
von Auguſt König. (Schluß.)
Maria hörte den Bericht des Geliebten ſchweigend an, und ſelbſt als ihr dieſer den ſchändlichen Plan des För⸗ ſters entdeckte, zuckte keine Muskel ihres noch immer roſigen Geſichts. Das Unglück hatte ſie geſtählt, und zu⸗ dem fühlte ſie ſich auch jetzt, in der Nähe des Geliebten, ſtark genug, jeder Gefahr entgegen zu gehen. Sie hatte den feſten Vorſatz gefaßt, am nächſten Morgen die Wald⸗ hütte zu verlaſſen und auf gut Glück hinein in die Welt
zu wandern, in der, wie ſie feſt glaubte, irgendwo doch noch
ein Plätzchen für ſie ſich finden würde. Schon längſt hätte ſie dies gethan, wäre nicht die Ahnung, daß der Ge⸗ liebte wiederkehren müſſe, von Tag zu Tag lebendiger in ihrer Seele geworden. Deshalb hatte ſie den Grafen wie⸗ derholt um Bedentzeit gebeten, nicht weil es ihr ſchwer ge⸗ fallen wäre, das Elternhaus zu verlaſſen, an welches ſich ohnedem für ſie nur wenige freudige Erinnerungen knüpf⸗ ten. Nach kurzer Berathung hielten es die jungen Leute für das Beſte, daß Maria noch an demſelben Abende das Haus verließ und bei Bekannten im Dorfe ein Obdach für die Nacht ſuchte, während Albert hinauf zum Schloſſe wollte, damit in dem Förſter kein Verdacht erweckt werde, der für Maria verderblich werden konnte. Daß und welche Rache er außerdem noch zu nehmen geſonnen war, verſchwieg der junge Mann, um die Geliebte nicht zu be⸗ unruhigen. Nachdem er beim Eintritt der Dunkelheit Maria auf wenig begangenen Seitenwegen bis an's Dorf geleitet hatte, kehrte er zum Förſterhauſe zurück, verſchloß die Fenſter und Thüren deſſelben ſorgfältig und wanderte dann mit ſeinem Hauſirerkaſten auf dem Rücken langſam dem Schloſſe zu.
Der Förſter ſchien ſchon geraume Zeit auf ihn gewar⸗ tet zu haben, er empfing den Juden auf der Zugbrücke des Schloſſes und machte ſeinem Grimm über das lange Ausbleiben deſſelben in barſchen, rohen Worten Luft. „Hoho, gemach,“ fiel ihm Albert in die Rede,„empfängt man ſo einen Boten, der Grüße von dem Liebchen bringt?
Gott Abrahams, habe ich doch Euretwegen ſo lange in
dem Forſthauſe geſeſſen, um die Kleine auszuforſchen, ob ſie einen jungen ſchmucken Förſter gut leiden mag, und wollt Ihr mir's ſo vergelten?“— Der Förſter war bei dieſen Worten aufmerkſam geworden.„Erzählt,“ ſagte
er,„was habt Ihr ausgerichtet? Habt Ihr den Schlaf⸗ trunk beſorgt?“—„So gut“, entgegnete der Jude, „daß die ſchmucke Dirne 24 Stunden danach ſchlafen wird, verlaßt Euch darauf! Ich hoffe, Ihr ſeid mit mir zufrie— den,“ fuhr er fort,„gebt mir meinen Lohn, um den wir übereingekommen ſind, und ein Nachtlager im Schloſſe, das Andere kümmert mich weiter nichts, ich waſche meine Hände in Unſchuld.“—„Den Lohn?“ lachte der För⸗ ſter höhniſch auf,„alter Freund, glaubt Ihr, ich wolle die Katze im Sack kaufen? Die Herberge ſollt Ihr haben, kommt mit, doch das rathe ich Euch, bleibt in dem Win⸗ kel, den ich Euch anweiſe, ſtill liegen und rührt Euch nicht vom Fleck, denn draußen ſind die Hunde los, deren nähere Bekanntſchaft Euch nicht wünſchenswerth ſein wird.“— Mit dieſen Worten war er mit dem Juden in den Schloßhof getreten, hatte dort ſeinem Begleiter in der Scheune eine Ecke angewieſen und eutfernte ſich nun, ohne ſich weiter um den Hauſirer zu bekümmern, der es ſich anſcheinend bequem zu machen ſuchte.
„Gehe nur,“ brummte Albert leiſe,„ich werde Dir eine Fackel anzünden, bei deren Schein Dir grauen ſoll.“ Dann warf er Talar und Bart ab, holte aus ſeinem Kaſten eine Blechdoſe und einen Schwefelfaden und erſtieg, nachdem er zuvor einen Dolch in ſeinen Leibgurt geſteckt hatte, die Leiter, die zu den Heu⸗ und Strohvorräthen führte.——
Die Nacht war bereits angebrochen, als der Förſter das Ziel ſeiner Wanderung, die Hütte im Walde, er⸗ reichte. Ohne lange zu zögern, drückte er im Erdgeſchoſſe eine Scheibe ein, ſchob den Riegel, der das Fenſter von innen verſchloß, zurück und ſtieg vorſichtig über die nied⸗ rige Brüſtung in die Stube. Er hatte gehofft, die Thüren im Innern des Hauſes unverſchloſſen zu finden, ſah ſich aber getäuſcht, und eine peinliche halbe Stunde für ihn verſtrich, bevor er mit ſeinem Jagdmeſſer das Schloß von der Stubenthüre abgeſchraubt hatte. Mit der Einrichtung des Hauſes ziemlich bekannt, wußte er, wo das Schlafzimmer des Mädchens war, und vor demſelben angelangt, drückte er leiſe auf die Schloßkrücke, um ſich vorerſt zu überzeugen, ob auch dieſe Thüre verſchloſſen ſei. Zu ſeinem nicht geringen Aerger fand er ſeine Be⸗ fürchtung beſtätigt und unſchlüſſig zauderte er einen Au⸗ geublick, um mit ſich zu Rathe zu gehen, ob er umkehren oder Gewalt anwenden ſolle. Die Hinderniſſe, die ſo unverhofft ihm in den Weg traten, hatten ſeine wilde Leidenſchaft eher gereizt als beſchwichtigt, und nach kurzem Ueberlegen trat er, im Vertrauen darauf, daß das Mäd⸗ chen hier mitten im Walde hülflos und verlaſſen und ſei⸗ ner Gnade allein anheim gegeben ſei, ſo heftig gegen die


