Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
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Geliebten zu erfüllen, deren Seelenſtärke er bewunderte, und er forderte deßhalb einen der Knechte auf, das Vorge⸗ fallene zu berichten.

Es wird Euch eben nicht angenehm ſein zu hören, wer der Mörder iſt, erwiderte dieſer rauh,doch da Ihr es verlangt, will ich Euch den Hergang der Gſſchichte erzäh⸗ len. Der Förſter und wir vier durchſtreiften heute Nach⸗ mittag den Forſt, in der Hoffnung dem Wilddiebe auf die Spur zu kommen, der ſich ſeit einiger Zeit wieder ſehr be⸗ merkbar gemacht hatte. Ohne an etwas Arges zu denken, ſchritten wir eben über den breiten Fahrweg, der nach dem Schloſſe führt, als wir plötzlich in geringer Entfernung Zweige knicken und das Laub rauſchen hörten. Der För⸗ ſter ſtand augenblicklich ſtill und befahl zweien von uns ſich auf einem Umwege jener Stelle zu nähern, während er mit mir und dem vierten vorſichtig auf das Gebüſch zu ſchritt. Wir mochten etwa funfzig Schritte gegangen ſein, als wir plötzlich hinter einem Baume einen Mann entdeck⸗ ten, der die Mündung ſeiner Flinte auf uns gerichtet hielt und uns zurief, wir ſollten ſtehen bleiben, wenn uns unſer Leben lieb ſei. Der Förſter kannte keine Furcht, ent⸗ ſchloſſen ging er vor, in demſelben Augenblicke krachte auch ſchon ein Schuß, der Förſter wankte und ſtürzte todt nieder. Der Mörder wollte jetzt die Flucht ergreifen, doch wurde eer darau durch meine Cameraden gehindert, die inzwiſchen ſeinem Standpunkte nahe gekommen waren und ihn nun am Kragen faßten. Im Nu war er gefeſſelt, wir ſchlepp⸗ ten ihn auf's Schloß und übergaben ihn dem Grafen, der, nachdem er unſern Bericht gehört hatte, ihn eigenhändig ins Gefängniß brachte.

Und wer war der Mörder? fragte Albert beklommen.

Da mögt Ihr wohl noch fragen, entgegnete der Knecht höhniſch,Ihr werdet's wohl ebenſo gut wiſſen, wie ich, daß hier in der Gegend nur Euer Bruder zu einer ſolchen Schandthat fähig iſt, aber dafür wird ihm auch zu einem Tanze aufgeſpielt werden, den ich nicht mittanzen

Dritte

Folge.

möchte. Ich hörte den Grafen ſagen, er wollte ein Exem⸗ pel ſtatuiren, daran der Förſter im Himmel noch Freude haben ſolle, und Ihr wißt, was er verſpricht, hält er. Ich möchte Euch rathen, die Gegend hier ſo bald als möglich zu verlaſſen, denn von dem Galgengeruch bleibt an den Verwandten des Gehängten immer etwas haften. Mit dieſen Worten ging er hinaus, und Albert blieb mit Marie und dem Todten allein. Er fühlte, daß Worte des Troſtes hier nicht augebracht waren, und wie konnte er, der Bruder des Mörders, ſie auch ſprechen, ohne den Bruder zu verdammen? Verdammen aber konnte er ihn nicht, dazu liebte er ihn zu ſehr, und die Worte:Nothwehr iſt erlaubt und ein Todtſchlag kein Mord! klangen noch immer in ſeine Ohren. Strafbar war die Handlung ſeines Bruders freilich, aber wenn er dagegen auch bedachte, welche Schande der Förſter über ihn gebracht, mit welcher teufliſchen Freude dieſer ſich an den Qualen ſeines Opfers geweidet hatte, mußte er es natürlich finden, daß bei ſeinen Anblicke im Herzen Karl's jede Beſonnenheit dem wilden, leidenſchaftlichen Durſt nach Rache gewichen war. Selbſt der ruhigſte, kaltblütigſte Menſch würde in ſolchem Falle mit der Blutgier einer Hyäne auf ſein Opfer geſtürzt ſein, um wie viel eher ſtand dies bei Karl zu erwarten, der ohne⸗ dies ein reizbares, jähzorniges Temperament beſaß! Das Alles hielt Albert der Geliebten vor, nicht in der Ab⸗ ſicht, den Bruder von jeder Schuld rein zu waſchen, nur entſchuldigen wollte er ihn, ſo gut er dies vermochte. Marie hörte ihm ſchweigend, die Augen auf den Todten gerichtet, zu.Wenn Du mir das Alles nur deßhalb ſagſt, weil Du befürchteſt, meine Liebe zu Dir könne durch das unſelige Ereigniß ſchwächer werden, ſo hätteſt Du die Worte ſparen können, erwiderte ſie endlich leiſe,wenn auch der Mörder meines Vaters Dein Bruder iſt, kann mich das doch nicht beſtimmen, auch auf Dich den Haß zu übertragen, den ich auf den Mörder werfen muß, Deine

Hände ſind ja frei von dem Blute des Erſchlagenen.

Die Dauer jeder Sitzungsperiode iſt auf 8 bis 10 Tage be⸗ ſtimmt. Die meiſten engliſchen Journale theilen tägliche Berichte über die Vorträge und Verhandlungen jeder Seckion mit und ſchenken denſelben die nämliche Beachtung wie den Parlaments⸗ verhandlungen. Dann veröffentlicht aber auch das permanente Bureau der Geſellſchaft einige Monate nach der Jahresſitzung einen Bericht oder richtiger geſagt ein vollſtändiges und ausführ⸗ liches Protokoll über die in der Sitzung zur Verhandlung gelang⸗ ten Gegenſtände. Dieſe Protokolle enthalten eine Maſſe Material, das für die Regierungen und die politiſchen Männer aller Länder ſehr nutzvoll werden kann. In dieſem Berichte werden dann auch die Reden mitgetheilt, mit welchen der Präſident der Geſellſchaft die Sitzung und die Präſidenten der Sectionen die Arbeiten ihrer Section eröffneten. Lord Brougham discutirtein ſeiner diesjährigen Anrede oder address, wie die Engländer ſie nennen, die verſchie⸗ denen Fragen, mit denen die Geſellſchaft ſich ſchon beſchäftigt habe, und ſprach ſein Vergnügen über die Verbreitung wohlfeiler Schriften, die Fortſchritte der Mäßigkeit, die Ausdehnung der Erziehung und andre damit verwandte Reformen aus und kam dann auch darauf zu ſprechen, daß jetzt ſelbit Regierungen ſich zu erleuchteten und freiſinnigen Anſichten zu bekennen anfingen, von denen man es am wenigſten zu erwarten berechtigt geweſen ſei, wie die ruſſiſche und türkiſche Regierung.

. Beſondre Erwähnung verdient es, daß die Geſellſchaft der ſchönern Hälfte der menſchlichen Geſellſchaft das Recht einge⸗ räumt hat, ſich an dieſen Verhandlungen thätig zu betheiligen, und daß dieſelbe davon Gebrauch macht. Bei der Durchſicht des Programms der Noten, welche dieſes Jahr zur Vorleſung gekom⸗ men ſind, findet man, daß viele derſelben von Damen herrühren,

die ſie ſelbſt vorgeleſen haben, und zwar ganz beſonders über Ge⸗ genſtände des Unterrichts, der ſocialen Oekonomie und der öffent⸗ lichen Geſundheitspflege. In einer der Sitzungen der Section für den Unterricht verdankten von den vorgeleſenen neun Noten ſieben ihren Urſprung dem weiblichen Geſchlechte.

Nan kann ſich nicht leicht eine Idee von der Verſchiedenheit der Fragen machen, die in Folge des von der Geſellſchaft ange⸗ nommenen Syſtemes und der dafür feſtgeſetzten Regeln und eben ſo des unveränderlichen Eifers der Mitglieder in einer Sitzungs⸗ periode von 8 bis 10 Tagen in einer nützlichen Art verhandelt werden. Jede der ſechs Sectionen hat ein weites Feld vor ſich. Wieviel gibt es nicht über die Erziehung und den Unterricht zu ſagen! Welche Dienſte können nicht der öffentlichen Geſundheits⸗ pflege erwieſen werden! Wie viele Probleme bietet nicht die ſociale Oekonomie dar, deren Löſung für die gute Ordnung der Menſch⸗ heit und die Wohlfahrt der Bevölkerung unumgänglich nbthwendig iſt! Ganz daſſelbe läßt ſich von den übrigen Sectionen behaupten.

Unter den Fragen, welche dieſes Jahr verhandelt wurden, er⸗ wähnen wir ſchließlich die über die Arbeiten der Frauen und deren Bezahlung; über die Auswanderung, beſonders der Frauenzimmer; über die Schulen für Erwachſene; über die Vortheile der Privat⸗ wohlthätigkeit im Vergleich zur öffentlichen Wohlthätigkeit. Eben ſo war die Baumwollencultur und die Verſorgung der Induſtrie mit dieſem wichtigen Rohſtoff der Gegenſtand wichtiger Mitthei⸗ lungen. Die Annahme eines gleichförmigen Syſtems der Maße, Gewichte und Münzen von Seiten aller gebildeten Nationen bot die Veranlaſſung zu höchſt intereſſanten Debatten, und die Section ſprach ſich in Folge derſelben bejahend dafür aus. Auch die

Geſetzgebung über die Bankerotte und eben ſo die Beziehungen,

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