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Deinem Vater oder dem Grafen ein Leid anthut, ſeine Rache wird ſich damit begnügen, dem Forſte Schaden zu⸗ zufügen. Mir graut, wenn ich an die Folgen denke, die das verwegene Beginnen meines Bruders haben muß, mag er auch noch ſo liſtig und verſchlagen zu Werke gehu, früh oder ſpät wird ihn doch einmal der Arm des Grafen wie⸗ der erreichen. Ich habe ihm dies Alles vorgeſtellt, ihn ge⸗ warut und gebeten, von ſeinem Vorhaben abzuſtehen, aber umſonſt, er hört nicht darauf.„Rache“ iſt der einzige Gedanke, der ihn im Wachen und Träumen beſchäftigt, der einzige Hauch, der ihn belebt.
„Ich kann ihn nicht zurückhalten und muß mit bluten— dem Herzen ihn ſeinem Schickſal überlaſſen.— Die Sorge um mein eigenes Wohl und der Wunſch, den Tag unſerer Verbindung näher zu rücken, haben mich bewogen einen Entſchluß für die Zukunft zu faſſen. Ich bin arm und das Tagelöhnern bei fremden Leuten behagt mir nicht; es iſt hart, einen fremden Acker beſtellen zu müſſen, wenn man früher auf dem eignen ſäen uno ernten konnte. Ich will nun hinaus in die Fremde, will nach Berlin und in die Reihen des glorreichen preußiſchen Heeres wieder eintreten. Ich bin ein erprobter Soldat und werde es bald zum Corporal und darauf zum Wachtmeiſter bringen, dann hat alle Noth ein Ende; wenn Du mir alsdaun noch treu biſt, führe ich Dich als mein herzliebes Weib heim.“—
Marie hatte ſchweigend zugehört, der Entſchluß des Geliebten, ſie nun für lange, lange Zeit wieder zu verlaſ⸗ ſen, kam ihr unerwartet und traf deßhalb ihr Herz um ſo bittrer, doch ſie ſah ein, daß dies das Beſte war, was Albert thun konnte, und mit ſtiller, geduldiger Ergebung fügte ſie ſich darein.
„Welches Leid Dich auch treffen mag,“ ſagte ſie,„um meine Liebe mache Dir keine Sorge, ſie bleibt Dir. Dem Vater wäre es freilich das Liebſte, wenn ich Dich von mir ſtieße und vergaße, ſchon oft habe ich darum harte Worte von ihm hören müſſen, und noch geſtern ſagte er, dem un⸗
Uopellen-Zeitung.
[VIII. Jahrg.
beſcholtenen Albert Foller hätte er die Hand ſeiner Tochter vielleicht gegeben, dem Bruder eines Wilddiebes aber würde er ſie ſtandhaft verweigern.— Doch das möge Dich nicht beunruhigen, ich folge der Stimme meines eigenen Herzens, nicht dem, was Andere reden, und die Zeit wird auch einmal kommen, daß wir ganz und für immer uns an⸗ gehören können, müßte ich darum auch den Vater verlaſ⸗ ſen. Steht es doch im Worte Gottes, daß das Weib Vater und Mutter verlaſſen würde, um dem Manne zu folgen.“—
Albert wollte die Geliebte gerührt in ſeine Arme ſchließen, als dieſe mit den Worten:„Dort kommt der Vater, ich höre ſeine Hunde bellen,“ ſich erhob und an die Thüre eilte. Im nächſten Augenbiick hörte der junge Mann einen markerſchütternden Schrei, er ſah das Mäd⸗ chen wanken, ſprang hinzu und fing die Sinkende in ſeinen Armen auf. Aber auch ihm ſtockte das Blut in den Aderu bei dem Anblicke, der ſich ihm durch die geöffnete Thüre bot. Vier Knechte, die auf einer Bahre von Baumzweigen die mit Blut bedeckte Leiche des Förſters trugen, kamen langſam auf die Hütte zugeſchritten; in dem Wohuzimmer angekom⸗ men, ſetzten ſie die Bahre nieder, und während zwet von ihnen das Antlitz des todten Förſters verhüllten, gingen die beiden anderen hinaus, um die Hunde feſtzulegen.
Inzwiſchen war es den Bemühungen des jungen Man⸗ nes gelungen, die Ohnmächtige ins Leben zurückzurufen, aber der Verſuch ſie aus dem Zimmer zu entfernen, bis die Leiche des Vaters in einen anderen Raum gebracht worden ſei, ſcheterte an dem Muthe und der Faſſung des Mädchens. 1
„Ich will ruhig ſein,“ ſagte ſie,„nur wehre mir nicht, die Pflichten zu erfüllen, die ich dem Todten ſchuldig bin. Ich will denken, er ſchliefe nur, und mich geduldig in den Rathſchluß Gottes fügen, aber wiſſen muß ich, was vorge⸗ fallen iſt, Alles muß ich wiſſen, ſonſt finde ich keine Ruhe.“
Albert ſah ein, daß es das Beſte war, den Willen der
um alle im Lande zerſtreuten Perſonen, die ſich mit einem der verſchiedenen Zweige der ſocialen Wiſſenſchaften beſchäftigen, an ſich zu ketten, und dieſes beſteht darin, daß ſie jedes Jahr eine öffentliche Sitzung in ganz feierlichen Formen halt. In dieſen
Sitzungen werden Arbeiten mitgetheilt, die im Voraus dafür
ausgearbeitet und ſchriftlich eingereicht worden ſind. Vorzugs⸗
weiſe discutirt man in denſelben Gegenſtände der obern Verwal⸗
tung, die beinahe zur Reife gelangt ſind. Da dieſe Verſammlun⸗ gen jedes Jahr in einer andern großen Stadt der Vereinigten Königreiche Großbritannien und Irland gehalten werden, ſo laſſen ſie in allen tiefe Spuren und Elemente der Organiſation, An⸗ hänger und eifrige Mitglieder zurück. die jährliche Sitzung in Bradford, zwiſchen Yorkſhire und Lan⸗ caſhire, im vorigen Jahr in Glasgow in Schottland und dieſes Jahr in Dublin in Irland gehalten, und zwar wurde ſie dieſes Jahr am 14. Auguſt durch den Präſidenten der Geſellſchaft, Lord Brougham, der zu den Stiftern und eifrigſten Beförderern derſel⸗ ben gehört, eröffnet.
Um ihre Arbeiten um ſo nützlicher zu machen, hat die Geſellſchaft ſich in gewiſſe Abtheilungen geſondert, von denen eine jede ihr feſt beſtimmtes Gebiet hat. Bisher gab es nur fünf Sectionen, nämlich die der Geſetzgebung, die der Erziehung, die der Strafgeſetze, beſonders von dem Geſichtspunkte aus, zur Beſ⸗ ſerung der Verurtheilten beizutragen, die der öffentlichen Geſund⸗ heitspflege und zuletzt die der ſocialen Oekonomie.
In Folge des zwiſchen England und Frankreich abgeſchloſ⸗ ſenen Handelsvertrags beſchloß man im vorigen Jahr in Glasgow, denſelben noch eine ſechſte Section für Handel und internationale Geſetzgebung hinzuzufügen.
Vor zwei Jahren wurde
Während die Präſidentſchaft der Geſellſchaft ſeit mehrern Jahren dem Lord Brougham übertragen⸗ iſt, wird jedes Jahr an die Spitze einer jeden dieſer Sectionen eine ſehr geachtete Perſön⸗ lichkeit aus den Vereinigten Königreichen geſtellt, doch in Betreff der neuen ſechſten Seclion glaubte man dieſes Jahr ſchon um ihres Namens willen eine Ausnahme machen zu müſſen und man bot die Präſidentſchaft derſelben dem berühmten franzöſiſchen Na⸗ tionalökonomen Michel Chevalier an, der ſie auch bekleidet hat. Die Sitzungen der Geſellſchaft ſind geſchloſſen, nachdem ſehr verſchiedene Fragen, ſämmtlich von einem wahrhaften Intereſſe und von einem ganz praktiſchen Charakter, verhandelt worden ſind. Dem Gebrauche gemäß hat man ſich beſonders den jetzigen Bedürfniſſen zugewandt und ſich beſtrebt, für ſchwebende Fragen Löſungen aufzufinden, die weſentlich zur Vermehrung der Wohl⸗ fahrt des Volkes beitragen können.
Die Regel iſt, daß ſ
V jede Perſon, mag ſie ein Mitglied der Geſellſchaft ſein oder nicht, welche eine Mittheilung zu machen wünſcht, das Recht hat, dieſelbe vorzutragen, unter dem einzigen Vorbehalt einer vorläufigen Genehmigung, die übrigens nur ſelten verweigert wird, und unter der Bedingung, ſie unter der Form einer geſchriebenen Note vorzulegen, deren Vorleſung nicht mehr als 20 Minuten Zeit erfordert. Dadurch ſieht ſich ein Jeder, der eine Mittheilung zu machen wünſcht, gezwungen, ſeine Ideen recht gut auszuarbeiten und ſie recht bündig auszudrücken. Zugleich iſt das ein höfliches Verfahren, um jene Sorte Zu⸗ dringlicher fern zu halten, welche ſolche Gelegenheiten gern benu⸗ zen, um für Manuſcripte, für die ſie keine Verleger finden konnten, ein gutmüthiges Auditorium zu finden und in dieſer Art von ſich ſprechen zu machen.
——
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