Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
9
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Dritte Glücks und Friedens gehalten haben, ſo traulich und hei⸗ miſch ſah es in demſelben aus. Der große kaſtanien⸗ braune Tiſch mit dem ſchneeweißen Blatt, die glänzenden hochlehnigen Stühle, das kleine Wandſchränkchen, auf dem die Bibel theonte, die alte Wanduhr mit den blankgeputz⸗ ten Meſſinggewichten, die ihr eintöniges, gleichmäßiges Ticktack, unbekümmert um das, was um ſie vorgehen mochte, ruhig fortplauderte, der Meſſingkäfig mit dem gel⸗ ben Kauarienvogel, der an dem rebenumlaubten Fenſter auf dem Nähtiſche des Mädchens ſtand, das Alles machte, als ein harmoniſch zuſammen paſſendes Ganzes, einen ſo lieblichen, wohlthuenden Eindruck, daß man die Bewohner des Häuschens um das Glück hätte beneiden mögen, welches ihnen in dieſen Räumen zu blühen ſchien. Aber der Schein trügt gar oft! Wie manches Menſchenherz verbirgt hinter einer ruhigen, Glück und Friede verkündenden Außenſeite den Blicken Anderer ſeine Stürme und den Schmerz, der langſam, aber ſicher all' ſeine Hoffnungen ver⸗ nichtet, ſeine Blüthen tödtet!

Der Abend dammerte, Marie faltete ihre Arbeit zu ſammen, ſtellte den Nähtiſch beiſeite und kehrte dann ans Fenſter zurück, wo ſie, in träumeriſches Sinnen verſunken, hinausſchaute in die grünen Büſche, in denen ſich dann und wann leiſe ein Zweig bewegte, wenn ein Vogel ſeine Ruhe⸗ ſtätte aufſuchte. Eine ihr ſelbſt unerklärbare Ahnung be drückte ihr Herz, ihr war, als müſſe in der nächſten Stunde ein großes, unerwartetes Unglück eintreffen, und nie hatte ſie ſich ſo ſehr nach der Rückkehr des Vaters geſehnt, als heute. Gewaltſam ſuchte ſie dieſe beunruhigenden Gedanken von ſich abzuwehren, doch gelang ihr dies nicht, und eben wollte ſie hmausgehen, um das Abendeſſen zu bereiten, in der Hoffnung, dadurch ihren Gedanken eine audere Rich⸗ tung geben zu können, als plötzlich Albert vor ihr ſtand. Anfänglich ſchrak ſie zuſammen, als ſie aber in den Zügen des Geliebten nichts bemerkte, was auf die Nachricht von einem Unglücke deutete, beruhigte ſie ſich wieder und ließ

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Folge. 9

ihn eintreten. Albert ſchloß das Mädchen in ſeine Arme, drückte einen Kuß auf ihre weiße Stirne und ſetzte ſich dann in den Seſſel, in welchem der Förſter gewöhnlich ſeinen düſteren Plänen nachſann.

Es iſt mir lieb, daß Dein Vater nicht zu Hauſe iſt, begann er,denn ich habe Manches mit Dir zu beſprechen. Marie ergriff einen Stuhl und ſetzte ſich dem Geliebten gegenüber.

Aber vor Allem eine Frage, fuhr dieſer fort, indem er die Hand des Mädcheus ergriff und ihr forſchend ins Auge blickte,deute ſie nicht übel, mein Herz treibt mich dazu, ſie zu ſtellen. Wirſt Du mir treu bleiben, uner ſchütterlich treu, ſelbſt wenn ich nochmals die Heimath und Dich verlaſſe und hinausziehe in die Fremde auf unbe ſtimmte Zeit?

Ja, erwiderte Marie ohne Zögern,treu bis au das Grab! Und ſelbſt, wenn Du gleich Deinem Bruder ein Verbrecher würdeſt und ich Dir dann meine Haud ver⸗ ſagen müßte, würde mein Herz doch Dein eigen bleiben, Du weißt es ja ſelbſt, daß ich nicht von Dir laſſen kann. 4

Ich hatte dieſe Antwort erwartet, entgegnete Albert, doch danke ich Dir dafür, ſie gibt mir Muth und Freu⸗ digkeit zu dem Schritte, den ich vorhabe. Du weißt, daß der Graf unſer Hab und Gut nach der Beerdigung meiner Mutter für ſein Eigenthum erklärt und gleich dar⸗ auf einen Fremden in Pacht gegeben hat; eine Ausſicht auf Wiedererlangung deſſelben iſt nicht vorhanden, denn bei unſern feilen Richtern erhält der Arme kein Recht. Mein Bruder iſt zu ſtolz, ſich zu demüthigen und für fremde Leute den Pflug zu führen, Tag und Nacht ſinnt er nux auf Rache, und ich kann ihm nicht Unrecht geben, die Strafe, die er erlitten hat, war zu ſchimpflich, zu unmenſchlich, als daß er ſie ſchweigend hinnehmen könnte.

Sei unbeſorgt, fuhr er fort, als er die ängſtlichen (Blicke der Geliebten bemerkte,ich glaube nicht, daß er

wird ſofort vorgelaſſen.Majeſtät, ſagt er zum König,wa⸗ rum haben Sie mir das gethan? Solche Ehre iſt nicht für mich, ich kann ſie nicht gebrauchen.

Der König, den Prachtkerl mit Luſt erblickend:Signor Dolſi, Sie haben große Verdienſte ums Vaterland, ich weiß, was Sie gethan und was Sie verhindert haben! Ich beſitze kein hö⸗ heres Mittel, Ihre Verdienſte zu belohnen.

Meinen Einfluß untergraben Sie, Sie verderben mir die Stellung zu meinen Mitbürgern, Sie machen mich lächerlich, Sire. Nehmen Sie den Orden zuruck!

Der König:Sie haben Recht, an Ihrer Stelle würde ich eben ſo handeln.

Dolſi:Warum haben Sie mich dann zum Cavaliere er⸗ nannt? Gerührt fragt der König:Kann ich Ihnen ſonſt ge⸗ fällig ſein, kann ich ſonſt etwas für Sie thun?Wollen Sie mir einen Gefallen thun, ſagt der kühne Bäcker,ſo machen Sie die Einheit Italiens! Der König lacht laut, gibt dem Popo⸗ lano die Hand und verſpricht:Ich werde Alles thun, was in meinen Kräften ſteht. Wie armſelig ſpitzfindig iſt gegen dieſen Dialog die bekannte Aneldote von Alexander, dem großen Könige, und Diogenes, dem kleinen Lump!

Im Borgo San Lorenzo ging es mittlerweile mindeſtens ebenſo dramatiſch zu. Es war Feſttag, der Bäckerladen mit⸗ hin geſchloſſen, als ſich ein dichter Haufe Volkes herandrängte und lärmend an der Thür pochte. Giuſeppe's würdige Gattin erſcheint im Fenſter des oberen Wohnzimmers und fragt nach dem Begehr. Cavaliere Dolfi zu Hauſe? Die Frau aber ruft heroiſch her⸗

unter:Es gibt keinen Cavaliere Dolſi, hier wohnt Giuſeppe

Dolfi, Bäcker. Und wenn Ihr Euch nicht ſofort verzieht, ſo be kommt Ihr etwas Anderes auf den Kopf. Als Garibaldi in Sicilien gelandet war und ſich die Sub⸗ ſcriptionen allenthalben eröffneten, ſtellte ſich Dolfi an die Spitze einer Collecte. Mit Pfennigen aus des Volkes harter Hand ward der Bäckerkaſten gefüllt und die Summe aller dieſer Pfennige be⸗ trug zuletzt 162,000 Franken! Giuſeppe beſtellte allerhand Monturen und Unterkleider, zahlte baar in ſeiner kleinen Cajüte, und die Lieferanten, welche die Quittungen zeichneten, ſchoben ihren perſönlichen Profit auf das Pult zurück.Ihr ſeid Unter⸗ nehmer, Giuſeppe, ſagten ſie,und macht keinen Profit; wir wollen auch nichts haben!

Zur Culturgeſchichte. Die geſellſchaft für den fortſchritt der ſocialen Wiſſenſchaft. In England beſteht ſeit mehreren Jahren eine Association for the advancement of Social Science, die ſich die verdienſtliche Aufgabe geſtellt hat, Fragen, deren Löſung zum Wohlſein der Bevölkerung beitragen kann und auf welche die öffentliche Mei⸗ nuung ſchon durch ernſte Arbeiten vorbereitet iſt, zu erörtern und zu prüfen. Dieſe Geſellſchaft, die ſich beſtändig in Regionen hält, welche dem praktiſchen Leben ſehr nahe liegen, erweiſt England ſehr große Dienſte, denn ſie ſammelt wichtige Materialien für die Geſetzgebung und überliefert ſie dem Publicum ſo ausgearbeitet, daß dem Parlamente, wenn ihm eine dieſer Fragen zur Entſchei⸗ dung vorgelegt wird, die Arbeit ſehr erleichtert iſt.

Die Geſellſchaft hat ein ausgezeichnetes Mittel aufgefunden,