Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
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Mein Herz bleibt Dir, habe darum keine Sorge, nur muß ich Dich bitten, mich jetzt zu verlaſſen und erſt dann wie⸗ derzukehren, wenn die Zeit den Sturm in meinem In⸗ nern beſchwichtigt hat und meine Seele wieder ſo ſtark ge⸗ worden iſt, daß Dein Anblick nicht auf's Neue die ſchmerz⸗ liche Erinnerung an den Mörder und den Gemordeten in ihr wachruft.

Albert fühlte das Schmerzliche wohl, welches für ihn in dieſer Bitte lag, doch mußle er zugeben, daß ſie gegrün⸗ det war, und mit wehmüthigem Herzen verließ er das Mäd⸗ chen, welches ſchweigend, in dumpfes Brüten verſunken, bei der Leiche ſitzen blieb.

Im Dorſe angelangt, bat er eine Frau, zu Marie zu gehen und ihr bis zur Beerdigung des Förſters Geſellſchaft zu leiſten, dann gab er ſich ganz ſeinen Gedanken hin über das Schickſal, welches ſeinem Bruder jetzt bevorſtand. Wohl wußte er, daß der Graf nicht berechtigt war, über einen Mörder zu richten oder gar ein Todesurtheil zu fäl⸗ len, aber eben ſo gut war es ihm auch bekannt, daß der Schloßherr ſich keinen Scrupel darum machte, die Schran⸗ ken ſeiner Gerichtsbarkeit zu überſchreiten; drang doch die Kunde von dem, was im Schloſſe vorfiel, ſelten über deſſen Mauern hinaus. Ihm graute davor, daß der Graf eigen⸗ machtig den Bruder auftnüpfen laſſen könnte, und es war zehn gegen Eius zu wetten, daß er dies thun würde.

Mit dem Vorſatz, am nächſten Morgen in aller Frühe ius Schloß zu gehen und kein Mittel unverſucht zu laſſen, des Grafen Herz zu erweichen, begab ſich Albert endlich zur Ruhe, doch ſo erſchöpft ſein Körper und Geiſt auch wareu, floh doch der Schlaf lange ſein Lager, und als er ſich endlich erbarmte und den Ruheloſen, Gequälten in ſeine Arme nahm, angſtigte er ſeine Seele mit ſchrecken⸗ erregenden Traumbildern.

Im Förſterhauſe war es unheimlich ſtill; Marie hatte anfänglich die Hülfe der ihr zugeſandten Frau zurückge⸗ wieſen, dieſe aber, ohne darauf Rückſicht zu nehmen, ſo⸗

welche zwiſchen der Ernährung der M Entwickelung beſtehen können, kamen zur ſicher die Geduld unſrer Leſer erſchöpfen, wollten wir ihnen hier ein vollſtändiges Verzeichniß der Fragen mittheilen, die dieſes Jahr in Dublin von der Geſellſchaft verhandelt worden ſind. Das Vorſtehende wird genügen, um die Bedeutung jener Geſell⸗ ſchaft und ihres Wirkens zu zeigen.

enſchen und ihrer geiſtigen Sprache, und wir würden

Literatur.

Deutſche Familien. Novellen aus dem Leben Heinrich König. Wiesbaden, Kreidel's Verlag⸗ 1862.

Der durch ſeine großen Romane, beſonders im geſchichtlichen Gebiete, mit Recht ſo beliebte Verfaſſer, hat hier, wie ſchon mehrmals, durch eine Reihenfolge von Novellen aus dem modernen Leben dem Leſerpublicum einen gediegenen Genuß geboten. Die Literaturfreunde werden ſich der Bekenntniſſe erinnern, die uns vor kurzer Zeit dieſer Verfaſſer aus ſeinem eigenen vielgeprüften I Leben dargebracht hat. Es war ſchwer und hart und ein endloſer Kampf von Arbeit und Duldung. Um ſo liebenswürdiger und überraſchender blüht aus den wenigen Mußeſtunden, die dem Dichter das Schickſal ließ und läßt, das Product literariſcher Anmuth, Leutſeligkeit und theilnehmender Daſeinsfreude empor. Nirgends iſt Verbitterung, nirgends kalter Ernſt; unbejangene Auffaſſung dagegen, Zeichnung wahrer Charaktere und Scharf⸗ blick für die Wirklichkeiten des Lebens zeigen ſich auf jeder Seite, ſo mit Würde wie mit behaglichem Humor. Zu farbenprächtigen Schilderungen boten dem Autor dieſe kleinen Novellen ihrem

von

Uoveilen-

Stoffe nach kein Terrain;

nur durch die unterhaltende Darſtellung

blick für univerſelle Intenſionen kann nicht genug geprieſen werden.

Zeitung. Jahrg. gleich Haud angelegt, den Todten entkleidet und die ge⸗ wohnten Hausarbeiten verrichtet, doch konnte ſie Marie nicht bewegen zu Bett zu gehen; ſtumm und regungslos blieb das Mädchen bis zum Morgengrauen au der Bahre ſitzen, auf dey der Vater lag, und erſt als der Tag erſchien, die Vögel erwachten und vor den Fenſtern des Sterbehauſes ihren Morgengruß zwitſcherten, brach ſich der ſtumme,

bittre Schmerz in ihrem Herzen Bahn, und je länger der

heiße Thränenſtrom über ihre Wangen rann, deſto ruhiger

wurde es in ihr. V Und der, der all dieſes Elend, all dieſen Jammer ver⸗

ſchuldete, ſaß in dem dumpfen, finſtern Schloßkerker mit

ſchweren Ketten belaſtet und machte ſeinem Grimme dar⸗ über, daß er gefangen und das Rachewerk ihm nur halb gelungen war, in raſenden Verwünſchungen gegen den Himmel Luft.(Fortſetzung folgt.)

Jefferſon Davis.

In dem jetzigen Bürgerkriege Nordamerikas ziehen be⸗ ſonders drei Männer die öffentliche Aufmerkſamikeit auf ſich, von denen ein Jeder als Vertreter eines beſondern Syſtemes betrachtet wird. Charles Fremont, im Beſitz eines mehr als fürſtlichen Vermögens man ſchätzt das tägliche Einkommen des Beſitzers der Maripoſa⸗Gold⸗ minen auf 2000 Dollars, gilt für den Vertreter des reinen Abolitionismus und als ſolcher will er ſich des jetzigen Bürgerkriegs zur förmlichen Abſchaffung der Scla⸗ verei in Nordamerika bedienen; Jefferſon Davis, der Prä⸗ ſident der Conföderation der Südſtaaten und der Organi⸗ ſator derſelben, iſt der militäriſche Typus und der Aus⸗ druck einer Ariſtokratie, die ſich für bedroht ausgibt und

er hat ſie oft genug in den hiſtoriſchen Vorgängen ſeiner großen Romane gegeben, dagegen herrſchen hier Natürlichkeit und die tägliche Umgangsſprache des Dialogs. Eine edle Lebensanſchauung verbreitet ſich mit reinem Licht wohlthuend über König's Schriften, wohlthuender noch im Alter. Die Ausſtatrung des zweibändigen Werkes iſt für die Bequem⸗ lichkeit der Leſer und ihrer Augen durch trefflichſten Druck, wie der Inhalt, empfehlenswerth. O. B.

von Julius Rei⸗

Das Luftmeer. Aus dem Nachlaſſe ß Breslau,

mann, mit einem Vorworte von Roßmäßler. Leuckart. 1861.

Einer, der nun bereits zu den würdigen und autoriſirten Altmeiſtern der naturkundlichen Literatur gehört, der beliebte Roßmäßler, hat durch ſein Vorwort dieſem Werke bereits ſeit lange eine weit verbreitende Kraft der Empfehlung gegeben. Wir haben es ſchon mit der zweiten Auflage zu thun, und der vorausgeſagte Erfolg hat ſich bewährt. Es handelt ſich nur noch darum, vom Standpunkte des Laien und des Leſers zu wieder⸗ holen, wie umfaſſend, nutzenbringend und leicht verſtändlich die einzelnen Abſchnitte des großen Thema's:Ueber unſere Atmo⸗ ſphäre abgefaßt ſind. Es werden dabei tauſend Fragen aus dem täglichen Leben und aus der Polytechnik des Weltverkehrs und ſeiner Induſtrie berührt und gelöſt, ſo daß dem Publicum nicht ſondern auch durch die Intereſſe dargeboten der Tief⸗

Aufklärung über ſo vielfache Vorgänge ein wird. Die Darſtellung iſt voll Klarheit und Wärme

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