Du ſo plötzlich zu dieſen Gedanken?“ V
4 Uovellen-Zeitung.
dig in die Schanze ſchlug, nicht weiß von einem Tage auf den andern zu kommen. Und vor dem Hallunken müſſen wir noch gar die Mütze abziehen!— Aber es wird noch einmal die Zeit kommen,“ fuhr er, die Fauſt ballend, leiſe fort,„wo das Volk über Euch mit demſelben Rechte Ge⸗ richt halten wird, mit dem Ihr jetzt uns richtet.“
Albert war erſchreckt auſgeſprungen.
„Aber was iſt Dir Bruder?“ fragte er,„wie kommſt
„Wie ich dazu komme?“ brauſte Karl auf,„ſoll ſich Einem das Herz im Leibe nicht umwenden, wenn man ſehen muß, daß ein ſolcher Hallunke auf die Aruen ſeine Hunde hetzen läßt, ſtatt ihnen einen Biſſen trockenen Bro⸗ des zu geben? Komm, ſetze Dich hierher,“ fuhr er fort, während er ſich am Heerde niederließ,„ich mag nicht länger das alte, düſtere Schloß anſchauen, innerhalb deſſen Mauern ſchon ſo manche Schandthat vorgefallen iſt.— Wenn der alte Fritz nur einnal käine und dort aufräumte! Weiß Gott, es thäte Noth, und zehn Jahre meines Lebens gäbe ich freudig dafür hin, den Schurken, der uur dorüber nachſinnt, wie er ſeinen Unterthauen das Leben ſauer machen kann, von ſeinen eignen Hunden gehetzt, ſeinen eignen Dienern gepeitſcht zu ſehen. Geſtern Abend ging ich hinauf, um den Schloßherrn zu bitten, er möge uns von den Staatsgeldern, die der alte Fritz hieher ge⸗ ſchickt hat, bei Vertheilung derſelben auch einen kleinen Theil zukommen laſſen; wir haben's ja ebenſo nöthig, als mancher Andere. Ich konnte mich nur ſchwer zu dem Schritte entſchließen, mein Ehrgefühl ſträubte ſich da⸗ gegen, von dem Spione etwas zu erbetteln, was uns doch von Rechtswegen eher zukommt, als manchem Anderen, doch ich that ihn, obſchon ich mir keinen günſtigen Erfolg davon verſprach,— ich wollte auch das noch verſuchen, ehe ich zum Aeußerſten ſchritt.
Als ich eben ankam, überſchritt gleichzeitig mit mir eine alte Bettelfrau die Zugbrücke. Der Graf ſtand mit ſeinem
telz,, ich bin meiner Sache gewiß.— Freilich, es muß Dir
hart angehen, daran zu glauben, Dir iſt ja ſeine Tochter, die ſchöne Marie, aus Herz gewachſen, aber ich rathe Dir, laß das Mädchen fahren, der Apfel fällt nicht weit vom
Förſter im Schloßhofe und empfing uns mit den höh⸗ niſchen Worten:
„Euren Galgen⸗Phyſiognomien ſehe ich ſchon an, was Ihr wollt!“— Ich drängte deu auflodernden Zorn zurück und brachte meine Bitte ſo demüthig, als es mir möglich war, vor.
„Glaubt Er, der preußiſche König habe nur für Ihn das Geld hergeſchickt?“ fragte der alte Hallunke.
„Das nicht,“ antwortete ich ruhig,„aber ich weiß, daß Se. Majeſtät eine gerechte Vertheilung der Staatsgelder wollen.“—
Der Graf gab hierauf keine Antwort; ſich zu dem Weibe wendend, fragte er nach ihrem Begehr, und als dieſe ihn um Brod für ihre Kinder bat, ließ er die Hunde loskoppeln und auf die Unglückliche hetzen, die, ſo raſch es ihre ſchwachen Beine erlaubten, ſich davon machte. Der Schurke hatte mit Hohnlächeln dieſem Act unmenſchlicher Grauſamkeit zugeſehen, daun ſich zu mir wendend, fragte er barſch:.
„Nun, beliebt's? Die Hunde ſind noch los, wenn Er Luſt hat, kann der Tanz wieder beginnen!“—“
„Armer Bruder,“ fiel Albert ihm in die Rede,„und ſo behandelte man Dich, einen tapferen preußiſchen Sol⸗ daten?“
„Was fragt der danach?“ fuhr Karl fort,„ich ging, aber was ich mir in jenem Augenblicke vorgenommen habe, das werde ich ausführen! Wäre der Förſter nicht zugegen geweſen, wer weiß, ob ich den Schurken nicht augenblicklich niedergeſchlagen hätte, doch was konnte mir und Euch dieſe Rache nützen? Der Förſter iſt um kein Haar beſſer als ſein Herr, er hat ihm hei all' ſeinen Schurkereien getreulich
geholfen;— magſt Du noch ſo ungläubig den Kopf ſchüt⸗
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Feuilleton.
— ,5⸗e—
Jeen⸗Märchen.
Im Verlage von Hetzel in Paris(Leipzig, Alphons Dürn), ſind jetzt Les Gontes de Perrault in einer Prachtausgabe mit vierzig großen Compoſitionen von Guſtave Doré, die von den beſten Künſtlern geſtochen worden ſind, zu dem ſehr billigen Preiſe von 70 Fr. mit einer Vorrede von P. J. Stuhl:„Ueber Feen⸗ märchen“ überſchrieben, erſchienen, worin er nachweiſt, daß der Glaube an's Wunderbare ganz beſonders in der Seele der Kinder ſich ſinde und wie ſehr man ſich an ihnen verſündigen würde, wenn man ihnen die Feenmärchen und Alles, was in's Gebiet der Dichtkunſt reicht, entziehen wolle. Wir wollen unſern Leſern den Anfang dieſer Vorrede hier mittheilen:
„Man erlaube mir in Betreff der Märchen hier eine kleine
Geſchichte zu erzählen.
Mein Freund Jakob trat eines Tages in einen Bäckerladen,
um daſelbſt ein ganz kleines Brödchen zu kaufen, das ihm im Vor⸗ übergehen ſehr gefallen hatte. Er beſtimmte dieſes Brödchen für ein Kind, das den Appetit verloren hatte, und das man nur da⸗ durch beſtimmen konnte, ein wenig zu eſſen, wenn man es belu⸗
ſtigte. Es war ihm vorgekommen, daß ein ſo hübſches Brödchen
gekleideter Knabe von ſechs bis acht Jahren in den Bäckerladen.
„Madame,“ ſagte er zur Bäckersfrau,„Mama ſchickt mich,
um ein Brod zu holen.“ 4 Die Bäckersfrau ſtieg auf
dem kleinen Knaben in die Arme.
Mein Freund Jakob bemerkte jetzt das abgemagerte und doch Es machte vollen Miene des großen Brodes, an dem er
zugleich gedankenvolle Geſicht des kleinen Käufers.
mit der offnen und s groß 4
vollkommen zu tragen hatte, einen großen Contraſt. „Haſt Du Geld?“ fragte die Bäckersfrau das Kind. Die Augen des kleinen Knaben wurden traurig.⸗
würde morgen kommen und mit Ihnen reden.“
Brod mit, mein Kind.“
„Dank, Madame,“ ſagte der kleine Arme.
ſelbſt einen Kranken zum Eſſen reizen könne. Während er die Her⸗ ausgabe der kleinen Münze erwartete, trat ein ärmlich, aber reinlich
ihr Comptoir(der Vorfall ereig⸗ nete ſich in einer Provinzialſtadt), nahm aus dem Fache, worin die vierpfündigen Laibe Brod lagen, das ſchönſte heraus und legte es
„Nein, Madame,“ antwortete er, während er ſein Laib Brod feſter gegen ſeine Blouſe drückte,„aber Mama hat mir geſagt, ſie
„Gut,“ ſagte die Bäckersfrau freundlich,„nimm nur das
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