Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
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2. Uovellen-Zeitung.

[VIII. Jahrg. Au-

Albert Weiß.

Nuhe.

Mit dichtem Schleier deckt die Nacht Die müde Erde zu;

Und Alles, was am Tag gewacht, Das ſchläft in ſüßer Ruh'.

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Nur noch das Bächlein rinnt gemach Dem fernen Ziele zu;

Das kennt nicht Nacht, das kennt nicht Tag, Nicht Raſten und nicht Ruh'.

So wie das Bächlein biſt, mein Herz, Mit deinen Wünſchen du;

Du ärmſtes haſt in Luſt und Schmerz Auf Erden nimmer Ruh'.

Ein ſtiller See im Süden blinkt. Dem eilt das Bächlein zu

Dein Ziel, mein Herz, im Aether winkt: Da harrt auch deiner Ruh'!

Wo wohnt das Glück?

Wo wohnt das Glück? Am eignen Heerd, In treuer Liebe Schooß;

Das Leid ſelbſt wird dir lieb und werth, Die kleinſte Freude groß.

Wo wohnt das Glück? Im eignen Haus, Sei's noch ſo eng und klein;

Was kümmert Haß und Neid dich drauß, Wohnt Lieb' und Freundſchaft ein!

Wo wohnt das Glück? In eigner Bruſt, Drin eine Stimme ſpricht:

Das Glück läßt ſich nicht greifen juſt, Wer's ſuchet, findet's nicht!

Ewig jung.

Hoffnung, über Nacht und Tod, Gram und Mißgeſchick, Nach der Zukunft Morgenroth

Lenkeſt du den Blick!

Und, Erinnerung, geneigt Sinnend iſt dein Haupt; Aus der tiefſten Gruft entſteigt, Was die Gruft geraubt.

Hoffnung und Erinnerung, Lieblich Schweſterpaar,

Wem ihr lächelt, der iſt jung Noch im Silberhaar.

Ranken und Reben. Gedichte von Albert Weiß. Rudolſtadt, 1861. Verlagsbuchhandlung der F. priv. Hofbuchdruckerei. Leipzig, Franz Wagner.

Dämmerſtunden.

O traute Dämmerſtunden,

Wie ſeid ihr mir lieb und werth! Hab' euch im fernen Lande,

Am heimathlichen Heerd,

Hab' euch auf Bergeshöhen, Im friedlich ſtillen Thal, Auf wilden Meereswogen, Einſam in Wonn' und Oual, 5

Hab' euch im Freundeskreiſe,

Da perlender Wein geſchäumt, Hab' euch im Arm der Liebe

In Luſt und Leid verträumt;

Ihr habt mit gleichem Zauber Erfüllt mich lieb und mild;

Habt allwärts mir gewoben* Daſſelbe bunte Bild.

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Grof gedenn Pleu ¹ den,) Lände

dor N Das zieht an mir vorüber dr In buntem Farbenſpiel; jenige Das iſt ein Nahen und Fliehen, men. Ein Wandern ſonder Ziel; weiſe Das iſt ein Lieben und Küſſen, eiwa Ein Tönen und ein Klang, Das iſt ein Wehen und Grüßen, aus Ein Rauſchen, ein Geſang. Qat

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Sagt mir, ihr Dämmerſtunden, len Wo ſchöpft den Zauber ihr ein?c. Und wo die Töne, die Bilder, rüſte Den dämmernden Strahlenſchein? ſiegr

.. die

Im Dämmerlicht geboren, 3 Gezeugt von Tag und Nacht, dieſe Eint ihr der Eltern Gaben 1 ten, In ſtiller, milder Pracht; ſchle Ihr glänzt im Strahl der Sonne, 8 faui Die ſcheidend noch euch grüßt; 4 a Ihr ſtrahlt im Mondesglanze,. 5. Val Der Bergzund Fluren küßt. 1 vir Ihr bergt in einem Schooße Sa Zukunft Vergangenheit; da In ſüßem Traum wird beiden u 3 Die Gegenwart geweiht. un

ver

Und wie die Abendröthe

Im Weſten leis erblüht, 1 So keimet leiſe, leiſe na Erinn'rung im Gemüth. w

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Sie ſchafft die bunten Bilder, Die Töne, den Geſang; 2 Sie weckt, ihr Dämmerſtunden, au Den liederreichen Klang. T zu

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3 B