Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
812
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Novellen

auch nicht das von Porter aufgedunſene Geſicht des Haus⸗ knechts, welcher mir gegenüber die ſchweren Eiſenſtangen von den Laden hebt, wie der beſagte Touriſt der Journa⸗ liſtik es mit ſo großer Naivetät als Merkmale eines Lon⸗ doner Morgens heraushebt. Nein! Es war das allmächtige Enſemble der Auferſtehung, was meinen Augen und mehr V noch meinem Ohre verkündigte, wie großartig und harmo⸗ niſch dahei die Pulſe zuſammenſchlagen müſſen, die Lon⸗ don Leben und Fortdauer auch für kommende Zeiten ver⸗ leihen ſollen.

An einem Platze, deſſen Einwohnerzahl bedeutender iſt, als die Bevölkerung eines deutſchen Königreiches und einiger Herzogthümer zuſammengenommen, da macht die Nacht einen kaum bemerkbaren Stillſtand. Das Leben des neuen Tages dagegen beginnt nicht mit den Dienſt⸗ boten, welche die Köpfe ſchlaftrunken aus den Fenſtern ſtecken, auch nicht mit der Haarbürſte, die des jungen Commis Haar glättet zum erſten Ausblick aus dem shop, ſo wie wirs in unſeren kleinen Continentalſtädten zu ſehen gewohnt ſind, und nach denen jenes Bild matt genug abconter⸗ feiet zu ſein ſcheint.

Man wird mir wohl nicht widerſprechen, wenn ich die ſo gewaltige Bewegung des praktiſchen Londoner, überhaupt des engliſchen Lebens die eigentliche Poeſie des menſchlichen Lebens nenne, von der wir in unſerm Deutſch⸗ land noch immer nicht die rechte Anſchau erlangt haben. Man ſehe die palaſtartigen engliſchen Kuh⸗ und Pferde⸗ ſtälle, die Hühnerhöfe, die Einrichtung ſelbſt des kleinſten Farmhofes, und frage ſich dann, ob's nicht alles Poeſie iſt, die man bei uns im gewöhnlichen Leben noch ſo lange ver⸗ miſſen wird, als wir nicht Dichter haben, die wie Chaucer die Reize des home und des village life zu ſchildern

Zeitung.[V. Jahrg.

überkommendem Schauer dachte ich dann wohl an Shake⸗ ſpeare's prophetiſchen Ausſpruch: The cloud capp'd towers, the gorgeous palaces, The solemn temples, the great globe itself, Yes, all which it inherit, shall dissolve And, like this unsubstantial pageant failed, Leave not a rack behind.

Wie hoch ſie auch ragen, die Thürm' und Paläſte, Dort jene Dome, mit des Erdballes Veſte,

Und die darauf wohnen, ſie werden vergehen,

Vom irdiſchen Glanz nicht die Spur bleibt beſtehen.

Es gibt Tage in London, von denen der Fremde mit Recht ſagen kann:ſie gefallen mir nicht! Es ſind die düſtern herzbeklemmenden Nebeltage, an denen jeglicher Glanz, jeder zur Schau geſtellte Weltſchimmer der Haupt⸗ ſtadt verſchwindet, während das in Nacht gehüllte ununter⸗ brochen fortdauernde, toſende Geſchäfstreiben geſpenſter⸗ haft erſcheint, als wäre es das Walten in einer durch ein Erdbeben verſchütteten Stadt, deren Bewohner lebendig geblieben.

An dieſen Tagen fühlt ſich der Ausländer, wenn er nicht ein überſpeculirender Kaufmann, ein Holländer, ein Jude oder ein Erzſchelm iſt, deſſen Handwerk durch Sturm⸗ wind, Platzregen und Nebel keinen Stillſtand erleidet, höchſt unbehaglich in London.

Selbſt der weltberühmte engliſche Comfort iſt kein Er⸗ ſatz für das fehlende Sonnenlicht. Man würde ſich an ſolch unerquicklichen Tagen in den unwirthlichſten Einöden der Pyrenäen, oder in einer Schenke der wüſten Lüneburger Haide und das will viel ſagen wohler befinden bei Gerſtenbrod und ſteinhartem Ziegenkäſe oder b i einer in Grützekohl gekochten Haidſchnuckenkeule, als

verſtehen. Dennoch wurde ich mehr als einmal in London, ſo⸗

wohl zur Tags⸗ als zur Nachtzeit, von einem unheimlichen, mir unerklärlichen Gefühle ergriffen, und mit leiſe mich

Paſteten der Lord⸗Mayors⸗Tafel in London. Wenn ſolche Tage mitunter, im Frühjahr. Herbſt, bei uns im lieben Deutſchland vorkommen, nehmen

folgender Weiſe erlitten: und Füßen an vier Elephanten gebunden, welche mit ihren Köpfen nach den verſchiedenen Weltgegenden gerichtet waren. Dieſelben wurden nun zu derſelben Zeit von ihren Treibern in Marſch geſetzt, und der Verbrecher wurde faſt augenblicklich in Stücke zerriſſen. Welche von dieſen beiden Arten der Hinrich⸗ tung von Elephanten zerriſſen zu werden oder wie dieſer Edelmann und ſein Weib den Tod zu erleiden die empörendſte iſt, iſt ſchwer zu beurtheilen. Obſchon ich das Werkzeug wurde, das Leben einer in dieſes Drama verwickelten Perſon zu retten, ſo machte es mir doch großen Kummer, nicht auch hinſichtlich der beiden Andern gleich glücklich geweſen zu ſein. Robert H. Schomburgk.

Literatur. Hellas. Das Land und Volk der alten Griechen. Benbeitet von Dr. Wilh. Wägner. Leipzig, Otto Spamer. 59.

Dieſe Edition in zwei Bänden reihet ſich den bekannten und beliebten illuſtrirten Büchern Spamers an und iſt ſo wie die meiſten beſonders der reiferen Jugend gewidmet und mit vielen Holzſchnitten und Tonplattendruck verziert.

Da ich ſeit einer langen Reihe von Jahren auf den Fleiß und Geſchmack hingewieſen habe, welcher großentheils in dieſen illuſtrirten Arbeiten vortheilhaft hervortrat, ſo iſt es conſequent, das hier in dieſer Beziehung bemerkbare Zurückſtehen zu erwäh⸗ nen. Der Entwurf der Zeichnungen würde eine intelligente An⸗

der Verbrecher wurde mit ſeinen Armen

ſchauung und gründliche Kenntniß der antiken Welt erfordern, Eigenſchaften, welche ein junger, im ſauberen Nachzeichnen talentvoller Künſtler, Leutemann, von dem viele der größeren Compoſitionen ſind, nicht zu bieten vermochte. Im Allgemeinen bildet das Werk, deſſen Text von Wägner

anſchaulich geſchrieben iſt, eine willkommene Lectüre für die Ju⸗ gend beiderlei Geſchlechts und wohl beſonders für Mädchen, um die alte Welt in einer Gallerie lebendiger Darſtellungen leicht und gefällig an ſich vorübergehn zu laſſen und bereits Erlerntes zu repetiren. 4 Einem ſolchen Unternehmen ſich anſchließend und ſehr inſtruc⸗ tiv und dankbar würde ein Buch ſein mit figürlichen und ſchrift⸗ lichen Darſtellungen etwa unter dem Titel:die antiken Cultur⸗ erzeugniſſe in Wort und Bild. Es würde getreue und deutlich anſchauliche Darſtellungen bringen von den Häuſern, Schiffen, Waffen, Trachten, Luxusgegenſtänden, Werkzeugen und Geräth⸗ ſchaften der alten Völker. Vielen jungen Menſchen und ſämmtlichen Laien ſind wiſſenſchaftliche Studien verſo der irrthümliche Gedanke iſt natürlich, daß die alte ebenſo zu Pferde geſeſſen haben, wie wir, den Wein Fäſſer füllten oder Spinnräder beſaßen wie das der Gesomurter. Niemand kann ſich aber einen richtigen Begriff von der vorchriſt⸗ lichen Welt machen, wenn er die äußeren Lebensformen und ihren techniſchen Zubebör mit den unſrigen verwechſelt. Ein Buch, welches aufklärend in dieſem Sinne wirkte, müßte für Autor und Publicum eine gleich gute Acquiſition ſein. O. B.

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