Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
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ſte,

mde mit find die jeglicher Haubt⸗ unter⸗ penſter⸗ ch ein lebendig

wenn er der, ein Sturm⸗

erleidet,

kein Er⸗ eſich an nöden mneburger inden bei

einer in

Schiffen nd Geräll⸗ und

Leute unſeres Schlages die Zuflucht zur Cigarre und zu einem Buche. Man verſchließt ſich im traulichen Stübchen für einen Tag oder für zwei und verſteckt das graue Wetter hinter den blauen Wölkchen des virginiſchen Krautes.

In England aber lautet das elfte Gebot in allen faſhionablen Kreiſen: Du ſollſt nicht rauchen! Man zählt dort das Rauchen zu den Gewohnheiten der Barbaren, und ſo muß man wohl oder übel, ſelbſt in den Höôtels, auf dieſes solamen miseris Verzicht leiſten. Man wird endlich wohl gar vom engliſchen Spleen überfallen, wenn man wochenlang durch den Nebel von einem Beſuche des Hyde⸗ parkes und der Themſe abgehalten wird, wo man das eigentliche Leben der Capitale in allen ſeinen feinen und ordinären Gliederungen vor Augen hat.

Unter den zahlreichen Gäſten, welche heute ſtumm wie die Fiſche, nur ventilirend wie die kalten Bewohner der Ge⸗ wäſſer, an den abgeſchloſſenen Tafeln im düſteren Saale ſaßen, wo das Gaslicht den Tag über nicht ausgehen durfte, war keine mitleidige Seele, die mich eines Blickes, geſchweige einiger freundlichen Worte gewürdigt hätte, und ich vielleicht war der Nebel davon die Ver⸗ anlaſſung fühlte eine Regung deutſchen Stolzes in mir, die mich abhielt, an einen der ſtolzen Briten das Wort zu richten. Mißmuthig erhob ich mich von dem in ſtummem Schweigen abgehaltenen Diner und machte mich nach dem Antigallican-Kaffeehauſe in Lombardſtreet auf den Weg. Dies iſt eins von den wenigen anſtändigen Gaſthäuſern, wo auf einer über dem Kamine angebrachten Marmortafel in goldenen Buchſtaben zu leſen: smoaking after ten oO'clock in the evening permitted. Rauchen iſt nach 10

Abends erlaubt.

Dort wollte ich rauchend und trinkend den Reſt des

ids unter den Ausländern verbringen, die hier zum er⸗ heblichen Nutzen des Wirthes in großer Zahl von dieſer

1 Dritte Folge.

b

antifaſhionablen Erlaubniß Gebrauch machen. Das Haus war mir ſchon deshalb eins der inter⸗

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eſſanteren unter Londons vielen Häuſern geworden, weil ich ſchon vor vielen Jahren von Deutſchen dort eingeführt wurde. Man findet jeden Abend nicht allein Landsleute aus allen Provinzen des deutſchen Reiches, ſondern auch Menſchen aus allen Welttheilen, mit denen man ein Wort auch über die Angelegenheiten jenſeits des Oceanes ſprechen kann.

Bei meinem Nachhauſegehen war der Nebel noch dichter als am Tage. Die Gasflammen guckten, wie bei trübem Wetter der Mond, aus einem fahlen kleinen Ringe, und die Stimmen der Nachtwächter, die in London viermal in der Stunde, vielleicht um denen, die durch irgend eine Urſache am Schlafe gehindert ſind, eine Unterhaltung zu gewähren, das Wetter verkündigen müſſen, klangen dumpf, als würden ſie in einen Wollſack hineingerufen. Alles war Trübſinn und Spleen, und froh des Comforts, den mir ein kleines Feuer im Kamine meines Zimmers gewährte, ſchloß ich die Gardinen und über den pikanten Familien⸗ geſchichten, die der heutige Advertiſer mit engliſcher Oeffent⸗ lichkeit erzählte, vergaß ich, daß die Luft draußen ſo ſchwer und drückend war, als ſei jeder Straßenausgang mit Bretern verſchloſſen.

Manthutin London faſt keinen Schritt, ohne auf Menſchen zu ſtoßen, die auf großen Tafeln mit ellenlangen Buch⸗ ſtaben unfehlbare Mittel gegen alle menſchliche Krankheiten und Gebrechen zur Schau ſtellen. Unter Beſeitigung allen Reſpectes für die größte aller Wiſſenſchaften, werden täg⸗ lich mit rothen, goldenen und ſchwarzen Lettern hundert neue Recepte gegen Krankheiten empfohlen, von denen an⸗ zunehmen, daß ſie zumeiſt in Folge der Lebensweiſe und

des Nebels entſtehen. Niemals aber habe ich die Empfehlung

eines Mittels gegen den Spleen daraus geleſen, der, oft in Familien forterbend, nachtheiliger auf die Bevölkerung ein⸗ wirkt, als irgend eine andere von dem großen Heere der Krankheiten, denen der Menſchen Leben ausgeſetzt iſt.

Als ich dies einmal ſcherzhaft einem Engländer be⸗

Der Olymp. Die Mythologie der Griechen und Römer. angehende Künſtler, von A. H. Petiscus. 12. Auflage mit 67 Holzſchnitten. Leipzig, 1860. C. F. Amelang's Verlag.

Es bedarf eigentlich über dieſes äußerſt renommirte Werk keines weiteren Lobes, als der Nennung ſeines Namens mit dem Zuſatze, daß ſich bereits wohl über zehn- bis fünfzehntauſend ju⸗ gendliche wißbegierige deutſche Gemüther an dem belehrenden und unterhaltenden Reichthum ſeines Inhalts gelabt haben.

Die Mythologie der Griechen und Römer mit all ihrer tiefen poetiſchen Sinnenſchönheit bleibt eine ewig nothwendige Quelle, ohne deren Genuß das Verſtändniß der ankiken Welt, der deren Geichichte⸗ ja der Dichtkunſt überhaupt, gar nicht denk⸗ ar iſt.

Zum Selbſtunterricht für die erwachſene Jugend und Eliſe Polko.

Gehörte Petiscus' Olymp bereits immer zu den beſten ten, welche hier fördernd und entzückend in den Vordergrund

n, ſo iſt gegenwärtig dieſes ſchöne Buch noch durch ge Hand in neuer Bearbeitung den Fortſchritten der Wiſſen⸗ ſchaft gerecht geworden und durch ſyſtematiſche Anordnung in

ſeiner reizenden Darſtellung noch gehoben.

Die edlen bildlichen Illuſtrationen nach den beſten Ueber⸗ lieferungen antiker Kunſtwerke kommen der Anſchauung des Leſers von allen Seiten zu Hülfe und ergänzen die Lücken ſeiner durch die inhaltvolle Lectüre rege gemachte Einbildungskraft.

So wird die gegründete Neigung des Publicums dieſer ſo V

belehrenden wie anziehenden literariſchen Erſcheinung wieder eine Reihenfolge von Auflagen in ihrem neuen eleganten Gewande ſichern. r.

Dichtergrüße. Neuere deutſche Lyrik, ausgewählt von⸗ Mit Illuſtrationen. Leipzig, 1860. Verlag von C. F. Amelang.

Eliſe Polko hat ſich der Leſerwelt durch ſinnige Märchen und angenehme Erzählungen bereits beliebt gemacht, und ſo werden es die Freunde ihres fleißigen Talentes gern ſehen, ihrer Thä⸗ tigkeit auch in einer kritiſchen Auswahl moderner lyriſcher Dich⸗ tungen zu begegnen.

Wir finden das Buch durch zahlreiche und tüchtige Namen geziert und freuen uns, beſonders darauf Rückſicht genommen zu ſehen, daß der gebildeten Frauenwelt ſowohl für ihr häusliches, ſtilles Gemüth, als für ihr weiteres, der Welt angehöriges Ge⸗ danken leben ein Schatzkäſtlein voll unverwelklicher Geiſtesblüthen dargeboten iſt,

Das Buch iſt mit guter Ueberſicht und Eintheilung nach Cy⸗ klen geordnet, und je nach der Stimmung des Suchenden ſtellen ſich Seelengemälde, Naturbilder, erzählende Gedichte und religiöſe, herzerhebendelLieder in wechſelnder Reihenfolge dar und weiſen hin auf den unendlichen in der Weltpoeſie beiſpielloſen Reichthum der deutſchen Lyrik, welche vom Volksliede bis zum erſten Hymnus im lieblichen und ernſten Element überall das Canon der Vollendung darbietet.

Die elegante, ſehr graciöſe Ausſtattung des Buches wird durch die vortrefflichen Illuſtrationen gehoben, in welchen eine große Anzahl von Gedichten ſo anmuthig durch den reizenden Schmuck der Kunſt erläutert ſind.

Böſe Menſchen haben keine Lieder, und ſo möge denn die⸗ ſes zur Geiſtesbildung beitragende Büchlein, in dem feine Sau⸗