ſein, denn er hatte Nichts als einen langen grauen Rock auf dem magern, knochendürren Leibe. Als er mir ſagte,
er müßte eine Zeit lang in unſerer Stadt bleiben, und auf vierzehn Tage vorausbezahlte, gab ich ihm das Dachſtübchen, das eine ſchöne Ausſicht über den Hafen gewährt. Wenn man an das Fenſter tritt, ſieht man zwei Meilen weit—“
„Edmund John kam alſo arm an?“ unterbrach Dorner die Redſelige.
„Er kam arm an und miethete mein reizendes Dach⸗ ſtübchen; aber ſelten war er zu Hauſe: er ging Morgens und kam Abends. Ich habe ihn oft Tage lang nicht ge⸗ ſehen. Die Miethe bezahlte er pünktlich. Vor ungefähr acht Tagen verlangte er ein beſſeres Zimmer—“
„Frau Munkelt!“ rief Edmund John mit ſtarker Stimme die Treppe herab.
„Gleich! gleich!“ antwortete erſchreckt die Alte. „Sehen Sie, jetzt commandirt er,“ flüſterte ſie dem Rentier zu.„O, er hat Geld, viel Geld!“
„Ich ziehe aus, wenn Sie nicht auf der Stelle kom— men!“ rief die Stimme.
„Das wäre ſchrecklich! Gehen Sie, gehen Sie, mein Herr, bringen Sie mich nicht um den guten Miethsmann, die Zeiten ſind zu ſchlecht und die Steuern und Abgaben ſehr hoch.“
Sie verſchwand auf der Treppe. Dorner ging und kehrte in ſein Hôtel zurück, darüber nachdenkend, in welcher Beziehung dieſer ſeltſame Mann zu der Familie Ortelli ſtehen könne. Er zweifelte nicht daran, daß Antonie die plötzliche Umgeſtaltung der äußern Verhältniſſe Johns be⸗ wirkt habe. Warum aber bediente ſich der Mann der ver⸗ ſchiedenen Coſtüme? Warum trug er falſches Haar und falſchen Bart? Warum zeigte er ſich Morgens als Bettler und Nachmittags als Elegant? V
Dorner nahm ſich vor, dieſe Geheimniſſe um jeden
Preis zu erforſchen.(Schluß folgt.)
Novellen⸗Zeitung.
[V. Jahrg.
Ein Morgen in London.
Herr von Raumer hat ſich manche Feinde gemacht in den höheren Regionen ſeines Vaterlandes wegen der in ſeiner Beſchreibung von England gezogenen Parallelen. Aber er hat die Wahrheit geredet.
Der erlauchte„Verſtorbene“, der aber immer noch recht behaglich in ſeinem ſchönen Parke das Leben genießt, hat vorzugsweiſe nur das höhere engliſche Leben, dies aber eben ſo wahrheitsgetren als plaſtiſch geſchildert. Se. Durchlaucht— die aller Welt auch durch ſeine Reiſen im Orient bekannt iſt, würde ſich unbezweifelt als Reiſe⸗ beſchreiber das höchſte Verdienſt und den größten Ruhm erworben haben, wenn ſie nicht bei ihren ſonſtigen, ſo höchſt liberalen Geſinnungen, wodurch ſie einige Aehnlichkeit mit einem ci-devant franzöſiſchen Herzoge erhält, ein allzu⸗ großer Freund von pariſer Glacéhandſchuhen geblieben wäre, wodurch ſie verhindert wurde, das eigentliche Volks⸗ leben genau zu betaſten.
Der geniale Mann würde bei dem ihm eigenen Scharf⸗ blick, der ihn ſelbſt im hohen Alter noch nicht verlaſſen, das rechte Bild von England und London geliefert haben, um das eigentliche Leben, den Pulsſchlag der großen Nation, zur Nachachtung oder zur Warnung, je nachdem er mehr oder minder fieberhaft ſchlägt, mit anatomiſcher Genauigkeit daraus zu entnehmen.
Der Fürſt kehrte entweder zu ſpät zurück in ſeine glänzenden Gemächer von Albion⸗Höôtel aus einer Parla⸗ mentsſitzung, die von der Majeſtät in höchſteigener Peſon eröffnet wurde, eine Scene, die bis dahin nicht ſchöner, nicht impoſanter geſchildert worden iſt, oder zu früh am Tage von einem Rout bei der Herzogin von De Welche Farbenpracht ruht nicht auf dem Bild, w Geiſt jeder vornehmen Beſonderheit nach Gewa Haltung beſchreibt, ehe er noch Gelegenheit hatee, nach
Vogelhaus gehen,“ ohne daß ſich auf dem Papier irgend eine Adreſſe fand, an wen es gerichtet war. Das junge Mädchen las dieſe Worte laut, und ſofort entriß jene Eiferſüchtige ihr das Papier, erklärte, es ſei eine Einladung zu einem Stelldichein für ihren Bewunderer, beweiſe ihre Untreue gegen den König, und ſie veröffentlichte ihre Entdeckung. Die Nachricht verbreitete ſich mit Blitzesſchnelle durch das ganze Harem und gelangte auch zu den Ohren des Königs. Die Angeklagten wurden hierauf ſofort verhaftet und die erſte Frau des jungen Edelmannes traf daſſelbe Schickſal.
Der König darf in einer ſolchen Angelegenheit nicht ſelbſt entſcheiden; er muß die Unterſuchung einem beſondern Gerichts⸗ hofe übertragen, der aus Edelleuten und Würdenträgern des Staats zuſammengeſetzt iſt, die zuſammen eine Art von Geſchwor⸗ nengericht bilden. Der Erfolg der Unterſuchungen wird dann dem höchſten Gerichtshofe vorgelegt, welcher hierauf die Strafe feſtſetzt, mit der die Schuldigen zu belegen ſind. Der König hat indeſſen das Recht, den gefällten Urtheilsſpruch umzuſtoßen, die Strafe zu mildern oder die Angeklagten ganz zu begnadigen. Es ergab ſich aus den Unterſuchungen des erſten Gerichtshofes, daß der Edelmann und ſeine Frau ſich einer Intrigue ſchuldig gemacht hatten; es ſtellte ſich aber durchaus kein Beweis heraus, daß Lady Choi ſich irgend etwas Andres als eine große Unbeſonnen⸗ heit hatte zu Schulden kommen laſſen. Nichtsdeſtoweniger wurden ſie, ihr angeblicher Liebhaber und deſſen Weib zu einem ſchimpf⸗ lichen Tode verurtheilt.
Als dieſer Urtheilsſpruch gefällt war, wurde ich im Namen
König, doch ich muß geſtehen, ohne Hoffnung auf Erfolg. Ich ſchrieb ihm, jede Religion lehre Verzeihen; ich wiſſe, daß die heiligen Bücher des Buddhismus dieſe himmliſche Vorſchrift enthielten, und da ich Beweiſe dafür hätte, daß er in anderen Fällen Verzeihung bewilligt und meine Bitten gewährt habe, ſo bäte ich ihn, er möge in dieſem Falle den begangenen Fehler nicht in einer orientaliſchen Weiſe, ſondern mit den Geſühlen anſehen, welche die Religion uns lehre und die einem edlen Gemüth ange⸗ boren ſeien. Ich wies auf Choi's Jugend hin und ſagte, nach dem, was ich darüber vernommen habe, könne ſie nur der Unbe⸗ ſonnenheit und der Eitelkeit, ſich bewundert zu ſehen, angeklagt werden. Ich erwartete die Antwort des Königs voller Zweifel; er antwortete mir am Tage nach Empfang meines Briefes; er iſt vom 4. Juni datirt. Ich freute mich ſehr zu ſehen, daß er meiner Verwendung Gehör geſchenkt hatte. In dieſem Briefe des Königs ſpricht ſich manche edle Geſinnung aus. Er beklagt die Sitte der Vielweiberei und erkennt an, daß ſie viel Uebles in ihrem Gefolge hat.„Doch,“ fügt er hinzu,„der Gebrauch wurde Souveränen und der Bevölkerung Siams befolgt,
Geſchichte reicht.“ Er leugnet nicht ab, daß der(
dem Bruch der Treue führt, welche der Herr des Harenis oen Bewohnerinnen deſſelben erwartet, weshalb die Geſetze für die ſchuldige Beſtrafung der Fehlenden geſorgt haben.„Wenn aber ein Verbrechen dieſer Art ſich in dem Harem des Königs ereignet, ſo wird es nach dem ſiameſiſchen Geſetz die größeſte und ausge⸗ dehnteſte Schuld gegen das Königthum. In der ſiameſiſchen Geſchichte ſind viele Beweiſe dafür niedergeſchrieben, daß in den
der Prinzeſſin Somawaty gebeten, durch meine Vermittlung das Leben ihrer Tante zu retten. Ich wendete mich ſchriftlich an den
Fällen, wo das königliche Blut mit dem der geringeren Claſſe ſich vermiſchte, gemeiniglich eine Rebellion oder der Meuchelmord des
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