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Nr. 51.]
Kragen ward am Halſe nachläſſig durch ein leichtes Tuch von ſchwarzer Seide zuſammengehalten. Dorner glaubte über der Oberlippe des Mannes, der ſich wie ein Chamäleon veränderte, den Schatten eines ſchwarzen Bärtchens zu be⸗ merken. Das bleiche Geſicht mit der charakteriſtiſchen Naſe hatte in dieſem Augenblicke ein ganz anderes Aus⸗ ſehen; es war jünger und markiger. Selbſt die Geſtalt des Körpers ſchien nicht mehr ſo lang und hager zu ſein. Der Mann in der Thür, der ruhig eine Cigarre rauchte, ſah den Beſuch fragend an.
„Sind Sie Herr Edmund John?“
Der Gefragte ſchien unſchlüſſig zu ſein.
„Nein!“ antwortete er nach einer Pauſe.
„Gleichvielz Sie haben einen Brief verloren.“
„Wo?“
„In dem Thore, wo Sie dieſen Mittag Schutz ſuchten. Ich halte es für Pflicht, ihn zurückzugeben.“
Der Fremde nahm raſch den Brief, nachdem er die Adreſſe angeſehen. Dann warf er einen forſchenden Blick auf das Siegel— es war unverletzt, Dorner hatte es mit einer Geſchicklichkeit geöffnet und geſchloſſen, die dem ſchwarzen Cabinete Napoleons I. Ehre gemacht haben würde.
Während dieſer Momente warf der Rentier einen Blick in das Zimmer. Der kleine Raum war freundlich tape⸗ ziert und möblirt; vor dem Sopha befand ſich ein gedeckter Tiſch mit einem duftenden Mahle und einer Flaſche Wein. Alles dies ſtand in keinem Verhältniſſe mit dem von außen ſchmuzigen Hauſe und der Lage, in welcher dieſer Mann ſich zu befinden ſchien. Neben der Flaſche lag ein Packet, in dem der ſcharfe Beobachter Banknoten zu erkennen glaubte.
„Ja, der Brief gehört mir, ich danke Ihnen!“ ant⸗
e raſch der Fremde.
leich gab er dem Rentier nicht undeutlich zu erken⸗ Ken, dap er nun gehen könne. Hätte Dorner nicht zu neu⸗
Dritte folge.
ierig die Umgebung betrachtet, ſo würde er den drohenden htet, 9.
ſtechenden Blick des Baſiliskenauges geſehen haben, der ihn durchbohren zu wollen ſchien.
„Wir haben uns dieſen Nachmittag in dem Café turc geſprochen?“ warf er leicht hin.
„Sie irren,“ war die kurze Antwort.
„Und dennoch, mein Herr—“
„Ich danke Ihnen noch einmal für Ihre Mühwaltung. Adieu!“
Der Mann trat zurück, ſchloß die Thür und ſchob den Riegel vor.
„Unverſchämter!“ murmelte Dorner.„Sehen wir uns dieſen Abend auch nicht, ſo werde ich Dich doch hören.“
Er verließ den Corridor und ging die Treppe hinab. Unten ſtand die dicke Frau.
„Abgegeben?“ fragte ſie mit einer ſchlecht verhehlten Schlauheit.
„Edmund John war zu Hauſe.“
„Recht gut, er hat einen Brief erwartet.“
Die Alte holte eine kleine Horndoſe aus der Taſche ihres beſchmuzten Kleides und fütterte die ſchwammige Naſe mit einer Priſe ſauer riechenden Tabaks.
„Madame, ſeit wie lange wohnt Herr John bei Ihnen?“
„Ah, Sie wollen mich ausfragen!“
„Ich habe keinen böſen Grund dabei; der Mann inter⸗ eſſirt mich, und doch iſt er ſo abſtoßend.“
„Mein lieber Herr, ich bin eine arme Witwe, die keine andere Rente hat, all den Ertrag dieſes Hauſes; das Zimmer iſt ſo gut vermitthet, wie ich es nie vermiethet habe, noch je vermiethen werde. Sie begreifen wohl, daß man ſich unter dieſen Umſtänden Manches gefallen läßt.“
„Ganz recht, aber—“
Der Rentier konnte nicht fortfahren.
„Mein Miethsmann will durchaus keinen Beſuch an— nehmen. Als er vor ſechs Wochen mit dem Olbers von Amerika ankam, miethete er eine Dachſtube für einen halben Thaler wöchentlich. Der Mann mußte blutarm
Hier wurden Erfriſchungen gereicht. Die Kinder waren zugegen, und ehe ich den Salon verließ, waren Prinzeſſin Somawaty und ich ſehr gute Freunde. Während der zahlreichen Beſuche, die ich ſeitdem dem König abgeſtattet habe, ſchien die junge Prinzeſſin und ich ein gegenſeitiges Vergnügen darin zu finden, uns wieder zu begegnen— und der König, der mit großer Liebe an dem Kinde zu hängen ſcheint, freut ſich augenſcheinlich über die Auf⸗ merkſamkeit, die ich der jungen Prinzeſſin ſchenke.
Der Hof von Siam iſt wegen ſeiner Feſte, ſeiner Proceſſionen und ſeines Götzendienſtes berühmt. Der König lud Herrn und Madame M. und meine Perſon ein, die große Proceſſion des Teep-ching-cha, ein Sühnefeſt für das Gedeihen der Reisernte, anzuſehen. Die Tänzerinnen der Königin und einige der jüngſten und hübſcheſten Mitglieder des Harems, bei dieſer Gelegenheit in eine Tunica von ſchwarzem Sammet, und mit Gold beſetzt, ge⸗ kleidet, begleiteten die Proceſſion auf reich geſchirrten Pferden, auf denen ſie rittlings ſaßen. Ueber ihnen befand ſich eine Dame, woiche, wie viele andere in der Gruppe, jung und hübſch war, die
ber durch die Geſchicklichkeit, mit welcher ſie ihr ziemlich ſtörri⸗ ches Pferd lenkte, meine Aufmerkſamkeit auf ſich zog, ſo daß ich mir nicht verſagen konnte, gegen meine Begleiter einige lobende Bemerkungen über ihre Geſchicklichkeit, ihr Pferd zu regieren, zu machen, ohne weiter daran zu denken. Meine Bemerkungen, die ich auf Engliſch machte, wurden indeſſen von einem Höfling, der auf Befehl des Königs zu unſrer Bedienung mit auf dem Balcon war und der, wie ich ſpäter erfuhr, die engliſche Sprache verſtand, gehört und von ihm der jungen Dame überbracht. Ohngefähr einen Monat ſpäter wurde mir im Namen der Prinzeſſin Somawaty eine Botſchaft überbracht, die mich bat,
ihrer früheſten Kindheit dem König zum Geſchenk gemacht worden
zeigte es ſich, daß ſie ſich nichts weiter hatten zu Schulden kommen laſſen.
mich bei dem König für das Leben ihrer Tante Chom(oder Lady) Choi zu verwenden, und der Bote erinnerte mich daran, daß es das Fräulein ſei, deren Geſchicklichkeit im Reiten ich bei der eben erwähnten Proceſſion bewundert habe. Wie es ſchien, war ſie das Opfer einer Hofintrigue geworden. Choi war von ſechs Schweſtern, den Töchtern eines hohen und einflußreichen Edel⸗ manns, die fünfte, die nach ſiameſiſcher Sitte von ihrem Vater in
waren, um in dem königlichen Harem erzogen zu werden. Somawaty's Mutter war eine der ſechs Schweſtern und folglich war die kleine Prinzeſſin eine Nichte der Lady Choi. Unter den vornehmen Siameſen, welche den König umgaben, war Nai Kien, ein verheiratheter junger Edelmann, der ſich überdies im Beſitz eines Harem befand. Seine Aufmerkſamkeit und offene Bewunderung ihrer Schönheit ſcheint der Ladi Choi geſchmeichelt zu haben. Zuletzt wurden zwiſchen ihr und ihrem Bewunderer Geſchenke gewechſelt, doch in der folgenden traurigen Unterſuchung
Die auffallendſte Thatſache iſt indeſſen, daß die erſte Frau des jungen Edelmanns ſich zur Zwiſchenträgerin hatte brauchen laſſen, und daß ſie die unerlaubte Liebe ihres Gatten er⸗ muthigte und der Lady Choi die Briefe und Geſchenke deſſelben überbrachte. Eine der Concubinen des Königs war ſeit langer Zeit auf den Einfluß Choi's und ihrer Schweſtern auf den König eiferſüchtig, und wie ſeltſam es auch erſcheinen mag, gerade die Jüngſte der Schweſtern veranlaßte den Ausbruch der Kataſtrophe. Auf dem Lager der Lady Choi findet ſie einen Papierſtreifen, auf welchem von der Hand ihrer Schweſter geſchrieben war:„Ich will nach dem Vogelhaus gehen“ oder„ich möchte gern nach dem


