Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
808
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Die Straße, dieam Hafen heißt, hat nur eine Reihe Häuſer; ihr gegenüber erhebt ſich eine niedrige Mauer, welche den Strom von der Straße trennt. Die alten Häuſer ſind großentheils Matroſenſchenken, Auswanderer⸗ herbergen, Kramladen, Kleidermagazine und Agentur⸗ bureaux. Es herrſcht hier ein eigenthümlich reges Treiben. Dorner ſtieg aus, lohnte den Kutſcher ab, und begann Nr. 6 zu ſuchen. Er mußte die ganze Häuſerreihe hinabgehen. Endlich fand er, was er ſuchte. Nr. 6 war ein gemeines, enges und ſchmuziges Haus, vielleicht das ſchmuzigſte in der ganzen ſchmuzigen Straße. Es hatte drei Stockwerke, und jedes Stockwerk hatte drei Fenſter. An den Fenſtern ſah man gute farbige Gardinen. In welchem Stocke wohnte nun der räthſelhafte Mann?

Joſeph Dorner öffnete die kleine, klingelnde Hausthür. Auf der ſchmalen Flur trat ihm ein altes, dickes Weib ent⸗ gegen, das einen Eimer Waſſer in die geöffnete Küche tragen wollte.

Warten Sie, Madame! rief der Eintretende.

Die Alte, die eine weiße Flügelhaube mit gelben Bän⸗ dern trug' blieb ſtehen und ſetzte ihren Eimer zu Boden.

Was will der Herr? fragte ſie mit heiſerer Stimme.

Ich ſuche Herrn Edmund John.

Edmund John?

Er ſoll hier wohnen.

Sie irren. r.

Ich bin doch in Nr. 6 ¾*

Das trifft, und ich bin die Beſitzerin des Hauſes, antwortete die Alte, die den Rentier glotzend anſah.

Demnach müſſen Sie die Bewohner Ihres Hauſes kennen.

Verſteht ſich, ich kenne ſie alle.

Wohnt Herr Edmund John bei Ihnen?

Die Alte überlegte einige Augenblicke, dann ſagte ſie entſchieden:

Nein, mein Herr!

Novellen⸗Zeitung.

Rentier. Ah, das ändert die Sache.

den Brief? fragte

Worten nicht recht trauete.

Hier!

Dorner zeigte i

[V. Jahrg Nr. 5

Seltſam! murmelte Doruer. Kragen Was finden Sie ſeltſam? on ſch Daß auf dem Briefe ein falſches Haus bezeichnet iſt. über de Am Hafen Nr. 6. verände Sie haben einen Brief, mein Herr? merken. Jal V Naſe h An wen?. ſehen;e Nun, an Edmund John! ſagte ungeduldig der des ſ Der R.

Wo haben Sie denn ſah den

die Hausbeſitzerin, als ob ſie den 66 D

hn. Die Alte wollte das Papier be⸗.

halten. 5 Wozu? fragte Dorner.Wenn der Adreſſat nicht 93. in dieſem Hauſe wohnt Ich ha Verlaſſen Sie ſich darauf, ich werde ihn beſorgen. d Es liegt mir daran, den wichtigen Brief ſelbſt zu Adreſſ übergeben ich bin verantwortlich auf da Ah, wenn der Herr verantwortlich iſt! Steigen Sie einer( die Treppe hinan, wenden Sie ſich rechts, und klopfen Sie ſiwarg an die erſte Thür. mwerde. Die Alte trug ihren Eimer in die Küche. 1 Dorner ſtieg die ſchmale, beſchmuzte Treppe hinan; er n das wandte ſich rechts, fand die Thür und klopfte an. Eine fert u Minute verfloß. Der Rentier wiederholte das Klopfen- ſSiſh Gleich! rief eine kernige Stimme. Ales: Dorner glaubte die Stimme des Clegants zu erkennen. A ſchmun Ruhig wartete er, den Brief in der Hand haltend. End⸗ ſich zu lich ward die Thuͤr geöffnet. Ein Mann im rothearrirten dem d Schlafrock ſtand an der Schwelle. Das Geſicht war das des Stutzers aus dem Café, aber der Kopf war 78 Fülle dunkeler Haare bedeckt, die ſich über der hohen Stirn zu einem Büſchel und an den Schläfen K, lichen Löckchen formten. Das weiße Hemd mit dem breiten gieug

enthalten! Wenn ich die Wichtigkeit eines Ereigniſſes, das ſich unter meinem Fenſter zutrug, nicht zu ſichern vermag, mit welchem Rechte wage ich es dann, Creigniſſe zu erzählen, die ſich Jahr⸗

Wahrheit! Wahrheit! dig bin. Mit dieſen Worten warf er ſein Manuſcript in's Feuer.

Hier iſt das Opfer, das ich Dir ſchul⸗

ſäßen!

*

Aus der Gegenwart.

Ein aſiatiſches Liebesabenteuer und deſſen folgen.

in England eine ſ

tauſende vor meiner Geburt zugetragen haben, oder ſolche, die während meines Lebens weit entfernt von mir vorgefallen ſind?

Welche Unzahl von Bänden der Geſchichte, Biographien, Anekdoten ꝛc. wurden weniger in der Welt ſein, wenn alle Schriftſteller dieſelbe Gewiſſenhaftigkeit wie Sir W. Raleigh be⸗

C.

Guyana den Engländern bekannt machte und in Folge deſſen ſich das Kind an Ku

der erſte König mich

Kurz nach meiner Ankunft in Bangkok in Siam wünſchte ir!

privatim in ſeinem Salon in der Nähe des

Vogelhauſes zu ſehen. Ich begab mich am Abend des bezeichneten s ih ſch Tages nach dem großen Palaſt, wie die königliche Reſidenz ge⸗ ſeitden

ab ging, von ſechs ſ Madchen von drei b

nannt wird, und fand den König, der vor dem Salon auf und und it

einer jüngſten Kinder, fünf ſehr lieblichen zu be is acht Jahren und einem 11 Monate alten Kade

ſehr ſtarken Knaben, der aber auf ſeinen Beinen noch nicht ſicher ariſe ſtand und daher von einer Dienerin getragen wurde, umgeben. 1 ſ Ich hielt es für etwas ganz Neues und Intereſſantes, einen undſ drientaliſchen Monarchen anſtatt von unterwürfigen Hofleuten Un

von ſeinen Kindern umgeben zu ſehen.

In ihrem Anzug ſah ich Teep.

im Vergleich mit dem ſiameſiſcher Kinder von einem geringern I anzu Range wenig Unterſchied ſie beſaßen aber ſo viel Liebens⸗ i würdigkeit und zeigten ſo feine Manieren, daß ſie ſich in dieſer a Hinſicht vor den Kindern, die ich bisher in Siam geſehen hatte, klede ſehr vortheilhaft auszeichneten. Die Liebenswürdigſte unter ihnen zuff war die ohngefähr ſechs Jahr alte Prinzeſſin Somawaty. 1. 0. König theille mir mit, ihr Name ſei eine Verkürzung her hanswaty, dem Namen der letzten Königin, wr.⸗⸗ de

ndesſtatt angenommen habe, obwohl die Mutter ui

Chanohom Teang ſich noch am Leben befinde. 1 daun Siam keineswegs ungewohnlich und ſie iſt eben ſo nn hoͤheren, wie in den niedern Claſſen gebräuchlich. dien Dunkelheit ſich einſtellte, lud der König ich en der 3 Privatgemächer zu folgen. Ueber dem Eingan des 9 Ba auf EngliſchRoyal Pleasure und unter rſen Wortesnn eine derſ it geſchrieben, welche, wie d Konig mande AB ſ

ſicherte, ganz daſſelbe Königliches Vergngen ausdrüctke: Prin

terra incognita war. Sir Rob. Schomburgt ſchreibt: