Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
803
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Der Fremde.

Novelle

von Auguſt Schrader. (Fortſetzung.)

IV.

Jener Sommer, in den die Begebenheiten fallen, die wir berichten, war reich an Gewittern, die oft ſo plötzlich kamen und ſich entluden, daß ſie Manchem eine unange⸗ nehme Ueberraſchung oder ein tüchtiges Bad bereiteten. Einſt gegen Mittag überfiel ein ſo heftiger Platzregen die Stadt B., daß ſich in den Straßen Bäche bildeten und auf den Plätzen kleine Seen. Die Fußgänger hatten kaum ſo viel Zeit, einen Laden oder ein Kaffeehaus zu erreichen,

Geld hatten, eine unfreiwillige Ausgabe zu der einen offenen Thorweg, das Aſyl der Armen echtgekleideten.

Ein großes offenes Thor, das zu dem Hofe eines Kaufmanns führte, bot bei dieſem Platzregen ein, Bild, deſ⸗ ſen Compoſition, durch den Platzregen bewirkt, ein Meiſter⸗ ſtück war. Der Maler hätte bewundernswürdige Modelle, der Pſycholog vortreffliche Studien gefunden. Wie köſtlich müßte ſich eine Gruppe ſolcher zuſammengelaufener Menſchen als lebendes Bild auf dem Theater ausnehmen!

Faſſen wir den offenen Thorweg näher ins Auge.

Auf dem linken Flügel ſteht ein hagerer Mann mit einer Brille und langen Haaren, er lieſ't emſig den großen Anſchlagezettel, der den Werth und die Vortheile einer neu erſchienenen Volksſchrift anpreiſ't. Dieſer hagere Mann mit den eingefallenen Backen, dem abgetragenen Frack und der verwaſchenen Nankinghoſe iſt ein Schriftſteller; er findet ſeinen Namen unter den Mitarbeitern und lieſ't darum die koſtbare Ankündigung mehr als zehn Mal. Die Taſche ſeines Fracks iſt mit einem dicken Manuſcripte f enanntes Journal beſchwert, das bereits 40,000

tenten haben ſoll.

leben dem Gelehrten ſteht ein kurzer, dicker Mann, anſtändig gekleidet und einen Rohrſtock in der Hand; dieſer iſt ein homöopathiſcher Arzt, der tauſend Verwünſchungen murmelt und wie auf Kohlen ſteht man ſoll glauben, er habe todtkranke Menſchen zu beſuchen. Ihm fehlt der Groſchen, um in einem Kaffeehauſe Schutz zu ſuchen.

Jetzt kommt der brodloſe Arbeiter, der zugleich Turner iſt; er lehnt mit verſchränkten Armen an der Mauer und ſieht gleichgültig auf ſeine nackten Füße herab, deren Zehen

wenn ſ

Novellen-Zeitung.

in dem vorbeirauſchenden Waſſer ſtehen. Der Rock, den er trägt, iſt zerriſſen, aber von modernem Schnitte.

Ihn beobachtend ſehen wir einen alten Herrn mit großer Habichtsnaſe, auf der eine Hornbrille mit grünen Gläſern ſitzt. Dieſer Herr trägt eine Botaniſirtrommel, denn er iſt Botaniker und Philoſoph. Der brodloſe Arbeiter und der Schriftſteller geben ihm Stoff zum Nach⸗ denken.

Dies iſt der ernſte Theil; nun beginnt der komiſche.

Ein junger Mann unterhält ſich mit einer Köchin, einem hübſchen jungen Mädchen, das in einem Netze lebendige Tauben trägt. Der junge Mann, ein Commis ohne Anſtellung, ſtachelt mit einem Spazierſtöckchen die armen Thiere, daß ſie flattern und der Trägerin Mühe be⸗ reiten. Ein Straßenjunge lacht laut über dieſen Witz.

Neben einer Gruppe alter Weiber mit Körben ſteht der echte Philiſter; er, der den Regen vorausgeſehen an ſeinem Laubfroſche, trägt einen dicken rothen Regenſchirm unter dem Arme. Der Guß iſt zu heftig, er will das koſt⸗ bare Familienſtück ſchonen. Ruhig lächelnd ſieht er den grauen Himmel an. Sein Hündchen, ein mageres Wind⸗ ſpiel mit rothem Halsbande, ſteht zitternd neben ihm.

Der Schweigſame, ein dicker Mann, hat beide Hände in den Rocktaſchen und ſtarrt zu Boden. Der abgetragene Hut ſitzt ihm tief in der Stirn.

Der Geck, ein Tanzmeiſter von Profeſſion, ſteht auf den Fußſpitzen und tritt von einem Steine auf den anderen, je nachdem das Waſſer anſchwillt. Er trägt weiße Strümpfe und leichte Schuhe von Glanzleder.

Iſt das ein Wetter! ruft er aus.Pfui! das ſchmutzige Waſſer! Hätte ich das Café ture erreichen können! die Gewitter ſind dieſen Sommer unausſtehlich!

Ah, guten Tag, Herr Timm! Serviteur, Jungfer Meta!

Wie iſt der letzte Ball im Tivoli bekommen? War herrlich, nicht wahr? Wird bald aufhören zu regnen habe bei dem Senator M. um zwölf eine Stunde zu geben. Gott, wenn es bis ein Uhr ſo fortregnete ich wäre ein Kind des Todes!

Von Zeit zu Zeit reißt ſich ein Glied dieſer zufällig verſammelten Geſellſchaft los und eilt davon; Andere kommen hinzu.

Joſeph⸗Dorner, der Rentier, konnte weder einen Fiaker noch ein Café erreichen; auch er mußte ſich in dieſen Thor⸗ weg flüchten. Er fand Platz neben dem Tanzmeiſter. Von dem Strome ina der Straße floß ein Arm in den Thorweg; das Waſſer, in alle Farben ſpielend, ſchäumte und rauſchte. Der Hausmann erſchien mit einem großen Beſen und fegte das Waſſer in eine Rinne. Vorgeſehen! befahl er mit markiger Stimme.