Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
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er einen Kampf mit einer Frau unternimmt, die ſich ihrer Schönheit bewußt iſt und die Liebe deſſen kennt, der ihr entgegentritt. Antonie kannte nicht nur die Liebe, ſondern auch die Schwächen ihres ſtarken Mannes um ſo leichter ward ihr der Sieg. Emil erzählte ihr die Scene in dem Café.

Dorner iſt hier? fragte ſie mit einer Ueberraſchung, die an Beſtürzung grenzte.

Er wohnt in dem Hötel zur Linde. Und was räthſt Du mir nun? Was ſoll ich ihm antworten?

Nichts! nichts! rief ſie raſch.Ein ſolches Be⸗ tragen beſtraft man mit Verachtung.

Aber man gibt ſich auch eine Blöße, wenn man feig dazu ſchweigt. Welche Miene ſoll ich annehmen, wenn ich ihm zufällig begegne? Deine Ehre, Antonie, iſt die meinige.

Höre mich an, Emil, ſagte ſie haſtig;ich begreife vollkommen, daß Dich das Benehmen Donner's mehr als unangenehm berühren mußte, und geſtehe offen ein, daß ich ihm dafür eine derbe Züchtigung wünſche; aber wenn ich von Dir Ruhe und Schweigen fordere, wenn ich Dich bitte, mir unbedingtes Vertrauen zu ſchenken, ſo glaube nicht, daß ich eine Entwirrung, der Sache fürchte. Ueberlaß es meinem Vater, mir und Dir Genugthuung zu verſchaffen. Ich ſagte Dir, daß zwiſchen Beiden eine Beziehung ſtatt⸗ findet miſche Dich nicht in den Streit, wenigſtens jetzt noch nicht. Sobald Deine Hülfe nöthig erſcheint, wird man ſie von Dir fordern. Morgen früh ſpreche ich mit meinem Vater, und glaube mir, er wird nicht dulden, daß jener Mann meine Ehre verunglimpft. Willſt Du mir vertrauen? 3

Emil küßte Antonie und verſprach es; aber er nahm ſich vor, aufmerkſam zu beobachten, denn er konnte einen Anflug von Eiferſucht nicht unterdrücken, ſo oft er ſeine ſchöne Frau betrachtete.(Fortſetzung folgt.)

[V. Jahrg.

gedichte von A. LC. Horn.

Erinnerung.

Es hauchet mich an ſo heimiſch Aus meiner Kindheit Traum,

Als wie des Frühlings Wehen Im duftigen Lindenbaum.

Wir ſitzen im dunklen Stübchen Und horchen mit lauſchendem Ohr: Die Mutter mit leiſer Stimme Singt alte Lieder uns vor.

Sie ſingt von den Königskindern Das liebliche, traurige Lied;

Sie ſingt von der Linde, wo trauernd Der Mann von der Liebſten ſchied.

Die Liebe führt Jene zum Tode;

Das war uns ein trauriger Sang! Sie führte den Liebſten zur Linde; Wie froh uns das Lied durchdrang!

Sie ſagt uns dann von den Zwergen, Im flimmernden Felſengeſtein;

Und von den luftigen Elfen,

Die tanzen im Mondenſchein.

Die Flamme in dem Kamine, Die flackert ſo ſeltſam empor: Der Sturm, er rüttelt am Fenſter, Wir horchen mit lauſchendem Ohr.

und angenehm ihr das Studiunt in unſern Tagen gemacht wird, ſo mögen ſich die Eltern im Stillen oft mit freuen, zur Kunde von Dingen zu gelangen, deren Aneignung in rein gelehrten Werken für Laien zu ſchwierig ſein würde. O. B.

Miscellen. Das Nieſen.

In Paris iſt kürzlich eine kleine Schrift erſchienen, welche den Titel führt:

Essai sur l'antiquité de l'usage de saluer ceux qui éter- nuente. Par Mr. de Sainte-Olive, worin geſchichtlich nachge⸗ wieſen wird, daß der Gebrauch, einen Nieſenden zu begrüßen, weit älter iſt, als man gewöhnlich annimmt.

Man glaubt allgemein, daß dasGott ſegne Sie, das

man an Jemanden richtet, welcher nieſt, erſt ſeit dem ſechſten Jahrhundert üblich ſei, wo eine anſteckende Krankheit, deren un⸗ heilvollſtes Symptom ein Nieſen war, in Rom zahlloſe Menſchen wegraffte. Herr de Sainte Olive beweiſt uns, daß dieſe Angabe eine ganz grundloſe ſei.

Als Prometheus die von ihm gefertigte thönerne Statue, die zum Menſchen werden ſollte, belebt hatte, war das erſte Lebens⸗ zeichen, das ſie gab, ein kräftiges Nieſen. Wir wagen nicht zu

entſcheiden, ob es in Folge der Nachahmung jenes Beiſpiels ge⸗ ſchieht, daß viele neugeborne Kinder ihren Eintritt in die Welt mit einem Nieſen beginnen..

Die alten Griechen und Römer unterließen es nie, diejenigen zu grüßen, welche nieſten. Dieſe Höflichkeit wurde von den

Griechen in den Worten ausgedrückt:Zeus bewahre Dich; während die Römer ſich kürzer in ihrem Salve!(Sei gegrüßt!) ausdrückten...

Plinius ſagt:Wir grüßen diejenigen, welche nieſen (Sternutamentis salutamus).

Dem Nieſen wurde von den Alten eine ſolche Wichtig⸗ keit beigelegt, daß man es als eine Art von Vorzeichen oder Vor⸗ bedeutung hielt. Je nach den damit verbundenen Umſtänden konnte dieſe Vorbedeutung gut oder böſe ſein. Als ein günſtiges Zeichen erſchien es, wenn zur Rechten einer Perſon genieſt wurde; geſchah es aber zur Linken, ſo fand das Gegentheil ſtatt.

Catullus ſagt, indem er von dem Septimius ſpricht, dem es endlich gelingt, die Liebe der Acme zu gewinnen:

Hoc ut dixit, Amor sinistram ut ante, Dextram sternuit approbationem.

(Kaum hat er(Septimius) das geſagt, als Amor, deen dahin an ſeiner linken Seite genieſt hatte, ſeine Einwilligung damit an den Tag legte, daß er zur Rechten nieſte).

Doch nicht nur in Griechenland und Rom widmete man dem Nieſen eine ſolche Beachtung, es geſchah dies auch in andern Ländern der alten und neuen Welt. So behaupten z. B. die Sia⸗ meſen, daß die Seelen zur Zeit des jüngſten Gerichts nieſen, wenn ſie vor der Gottheit vorüberwandern, die ihr Loos zu ent⸗ ſcheiden hat. Als die Spanier Florida entdeckten, fanden ſie unter den Indianern den Gebrauch, daß ſie zu Gunſten eines Kaziken, der eben genieſt hatte, die Arme ausſtreckten und die Sonne anbeteten.

In alten Zeiten betrachtete man das Nieſen als der Geſund⸗ heit ſehr günſtig. Um den Kopfſchmerz zu erleichtern, oder um

t N.