Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
794
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Dann ergriff er ihn beim Arme und wollte ihn durch eine Thür im Hintergrunde des Ladens hinausſchieben.

Halt! rief Dorner.Ueberlaſſen Sie mir den armen Mann. Ich mache mein Geſchäft mit Ihnen ab, wenn ich dieſen hier geſprochen habe.

Der arme Mann erſchrak.

Sie wollen mich ſprechen? rief er.

Ja!

Warum? Was wollen Sie? Kennen Sie mich? fragte er haſtig und indem er mit ſcheuen Blicken die Thür ſuchte.

Ihre ungewöhnliche Theilnahme für das Bild hat meine Neugierde rege gemacht

Und nun ſoll ich Ihre Neugierde befriedigen? Nein, mein Herr, nein, das vermag ich nicht! ſagte wehmüthig der arme Mann.Es iſt ſchon zu viel, daß ich mich von dieſen Zügen habe ſo weit hinreißen laſſen das Herz geht mitunter zu weit, und mir iſt es beſſer, wenn ich dem kalten Verſtande folge. Ich hätte ruhig an dieſem Laden vorübergehen ſollen.Leben Sie wohl!

Er wandte ſich der Thür zu.

Bleiben Sie! ſagte Dorner.Sie forderten Aus⸗ kunft über das Mädchen.

Ja.

Ich kann ſie Ihnen geben.

Dann werde ich Sie anhören. Wer iſt die junge Dame, die einer mir theuren Perſon ähnlich iſt?

Sie iſt die Enkelin Chriſtoph Ortelli's aus Zürich.

Großer Gott! Und ihr Name?

Agnes!

Dem armen Mann entſank der Stockz er legte beide Hände vor das Geſicht, um die den Augen entſtrömenden Thränen zu unterdrücken. Sein ganzer Körper gerieth in eine convulſiviſche Bewegung.

Agnes, Agnes! ſchluchzte er.So iſt Antonie ihre Mutter!

Dorner ergriff gewaltſam ſeine Hand und fragte in einem ſtrengen Ernſte:

Mann, wer ſind Sie? Sie kennen die Mutter des Mädchens vertrauen Sie ſich mir an, ich meine es gut mit Ihnen. Antonie und Angnes ſind mir bekannte Per⸗ ſonen; Sie ſtehen den Damen näher, als man wohl glauben möchte, wenn man Ihre äußere Erſcheinung in Anſchlag bringt.

Der Fremde hob den Kopf ſtolz empor, und ſeine Augen, obwohl noch thränenfeucht, glänzten ſeltſam, als er mit feſter Stimme die Worte ſprach:

Nein, ich kenne die Dame nicht, will ſie nicht kennen! Die Aehnlichkeit täuſchte mich, das iſt Alles! Ich gehe jetzt; aber folgen Sie mir nicht, wenn Sie den Bettler nicht reizen wollen, der jede Rückſicht aus den Augen ſetzt. Bleiben Sie zurück!

Er nahm ſeinen Stock vom Boden auf, öffnete raſch die Thür, die zu einem halb dunkeln Gange führte, und verſchwand. Dorner ſtand einen Augenblick überraſcht und ſah dem ſeltſamen Manne nach. Während er in dem dämmernden Hintergrunde des Ladens ſtand, erſchienen vorn Ortelli und Agnes; ſie holten das Bild ab, das ſie dem Künſtler bis heute auszuſtellen erlaubt. Raſch ver⸗ ließen ſie den Laden wieder. demſelben Wege, den der Bettler eingeſchlagen hatte.

. III.

Das Haus des Senſal's Timm lag in dem anmuthigſten Theile der Promenaden, die mit großer Sorgfalt unter⸗ halten wurden. Die Rückſeite deſſelben grenzte an den Fluß, der hier den Hafen der Stadt bildete. Die Fenſter boten die Ausſicht über den Maſtenwald der vor Anker liegenden Schiffe. Den erſten Stock dieſes Hauſes bewohnte Chriſtoph Ortelli mit ſeiner Familie. Gegen Abends treffen wir Antonien mit ihrem Gatten ar einem elegant eingerichteten Zimmer.

nicht mehr. Dieſe Worte nun finden ſich in denGeſchwiſtern vor, und Schöll iſt der Meinung, daß Goethe die gleichlautende Stelle eines Briefes der Frau von Stein an ihn in das Stück hinübergenommen habe. Die Annahme an und für ſich hat viel Wahrſcheinliches, wie auch wohl Wilhelms frühere Freundin nicht

aus Zufall Charlotte heißt, aber daß das ganze Drama durch das Verhältniß zur genannten Dame hervorgerufen worden ſei, glauben

wir nicht. Es entſtand im October 1776, gerade zu einer Zeit, da Frau von Stein Goethen durch ihre Abweſenheit auf Kochberg erzürnt hatte und, wie er ihr dann bereuend eingeſtand,in den acht Wochen ihrer Entfernung viel in ihm verſchüttet worden war.

hemmten Gefühlen nach anderen Seiten ſchwärmend die Zügel, d. h. er buhlte um die Gunſt der, wie Böttiger ſagt,eben rei⸗ zend aufknospenden achtzehnjährigen Amalie von Kotzebue, deren zärtlicher Seladon er wurde, als Guſtchen von Kalb auf den Rath ihres Vaters ſich bald genug wieder von ihm zurückgezogen hatte. Unter ihrer Anregung und ihr zu Gefallen ſchrieb er denn auch innerhalb drei Tagen dieGeſchwiſter. Die Hauptrolle der Marianne beſtimmte er für ſie, und ſie fiel ihr wirklich zu, als das Stück bald nachher auf dem Liebhabertheater der Her⸗ zogin Amalia zur Aufführung kam. Mitlebende verſichern uns jeſen Sachverhalt, die Zeitbeſtimmungen treffen gleichfalls zu, a das junge Hoffräulein mag wohl auch manchen Zug mit der ſentimentalen Marianne gemein gehabt haben. Ehe das aber in Scene ging, kehrte Frau von Stein nach Weimar ud beſchenkte Goethen am Jahrestage ſeiner Ankunft in nz mit mehreren Briefen auf einmal. Darunter war

Er nannte ſich damals ſelbſt einen ganzſinnlichen Menſchen undließ in dieſen Zeiten der Entſagung ſeinen ge⸗

wir wollen ſo muthmaßen auch der mit dem Geſtändniß ihrer Liebe, welchen unſer Dichter, der ſelbſt den Wilhelm gab, in ſeiner Seligkeit ihr als Zuſchauer des Stücks nochmals zu Gehör gebracht haben mag. Wir wollen ſchließlich erwähnen, daß Karl Gödecke ſehr Recht zu haben ſcheint, wenn er in Mariannen das Vorbild der Kotzebue'ſchenGurli erblickt, freilich ein Vorbild, das über ſeiner Copie noch erhabener daſteht, als Goe⸗ the's Adelheid imGötz über dem Fräulein Kunigunde von V Turnek in Kleiſt'sKäthchen von Heilbronn.(Europa.) V

Literatur.

Rebus⸗Almanach für 1860. Zur Unterhaltung für fröhliche Kreiſe und in einſamen Stunden. Berlin Ere Schotte& Comp.

Die Vorrede ſpricht unter andern, mit Reſpect zu melden, Folgendes zu Geiſt und Gemüth:. Zur Zeit, wo die gelben Herbſtblätter fallen, wo die friſche Lebensfarbe der Natur mit der fahlen Todtenfarbe wechſelt, tritt der Rebus⸗Almanach zum zweiten Male ſeine Wanderſchaft an, ſchreitet ein willkommener Gaſt in das lampenſchimmernde Zimmer und ſtreut ſeine Blätter in den Familienkreis aus. Sind dieſe Blätter nicht grün, wie die der lebendigen Mutter Natur, ſo ver⸗ breiten ſie doch heitern Sinn und erfreuen durch dieſen des Menſchen Gemüth; und ſind doch die grünen Blätter der Natur dem Menſchenherzen Räthſel, wie dieſe, nur daß deren Löſung nicht ſo leichter Combination erſchloſſen wird..... Gleich wie

Dorner entfernte ſich auf

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