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daß er kein Vermögen beſitzt, daß er weder arbeitet noch verdient— und doch lebt er ſtets auf einem großen Fuße. Es fehlt ihm nie an Geld; man möchte ſelbſt glauben, daß er Ueberfluß daran hat, denn er unterſtützt ſeine Freunde und zahlt in die Armencaſſen. In der Schweiz hat er Spar⸗ und Krankencaſſen für Arbeiter gegründet. Sein Credit iſt unbegrenzt, und vorkommende Wechſel zahlt er pünktlich.“
„Demnach muß er viel Freunde haben?“
„Aber auch Feinde, die ihn vergebens zu verdächtigen ſuchen. Jetzt reiſ't er mit ſeiner Enkelin, die ihn ſtets be⸗ gleitet, in ein Seebad. Mehr, mein Herr, kann ich Ihnen nicht ſagen.“
Der alte Stutzer zündete ſeine Cigarre an und rauchte.
Eduard glaubte den Mann gefunden zu haben, den er brauchte. Daß der Fremde nicht gerade zu den Freunden des räthſelhaften Mannes gehörte, konnte er aus dem Tone ſchließen, in dem er von ihm ſprach.
„Werden Sie lange in unſerer Stadt bleiben?“ fragte er.
„Einen Monat, mein Herr, wenn mir die Zeit nicht zu lang wird.“
„Geſtatten Sie mir, daß ich dann und wann für Ihre Zerſtreuung ſorge.“
„O, Sie verbinden mich, Herr Roland! Ich nehme Ihr Erbieten gern an. Hier iſt meine Karte— ich wohne im Hötel zur Linde.
Der junge Mann las: Joſeph Dorner, Rentier.
Jetzt bemerkte Agnes den Rentier; raſch flüſterte ſie ihrem Großvater einige Worte zu. Dieſer ſah ruhig um ſich und nickte dann ſeiner Enkelin zu, als ob er ihre An⸗ ſicht beſtätigen wollte. Beide kümmerten ſich weiter nicht um Herrn Dorner, der ruhig in einem Journale las.
Paul Münter erſchien, grüßte und ſetzte ſich neben ſeinen Freund.
Novelſlen⸗Zeitung.
Blüthenpracht ſteht.
„Ich bringe Nachricht,“ flüſterte er.
„Nun?“
„Der Alte dort iſt ein reicher Negoziant aus der Schweiz. Man hat ihn dieſen Mittag an der Börſe ge⸗ ſehen. Der alte Senſal Timm beſorgt ſeine Geſchäfte.“
„Was für Geſchäfte?“
„Ich kenne ſie noch nicht; aber verlaß Dich darauf, daß ich morgen oder übermorgen mehr wiſſen werde. Wie
man mir ſagte, wohnt der Fremde bei dem Senſal, deſſen
Haus an der äußerſten Promenade liegt.“
In dieſem Augenblick entſtand eine Bewegung unter den Gäſten. Ein Herr und eine Dame traten in die Veranda. Eduard erkannte dieſelben Perſonen, die er Abends zuvor geſehen hatte. Die Dame, in reicher Toi⸗ lette, mußte die ältere Schweſter der lieblichen Agnes ſein, denn beide hatten eine auffallende Aehnlichkeit mit einan⸗ der. Die ältere war eine ſtolze, kokette Schönheit, welche man mit einer Roſe vergleichen konnte, die in voller Man ſah, daß ihr die Friſche des Frühlings fehlte, die Anmuth der Jugend; trotzdem aber waren ihre Reize nicht welk. Das ovale Geſicht hatte feine, edele Züge, welche durch die Fülle blonder Locken eine gewiſſe Weichheit erhielten. Ihr Teint war blendend weiß. Ju jeder Bewegung des ſchlanken Körpers lag eine natürliche, ungezwungene Grazie.
„Kommen wir zu früh?“ fragte ſie den alten Herrn.
„Nein, mein Kind; meine Stunde wird ſogleich ſchlagen. Ich zahle meine Schuld, und folge Dir.“
Der Rentier, durch die Stimme aufmerkſam gemacht, hatte ſein Journal niedergelegt und ſtarrte die Dame an.
„Mein Herr,“ fragte Eduard,„kennen Sie auch dieſe Dame?“
„Ja, ich kenne ſie!“ murmelte Dorner mit bebender Stimme.„Ja, ich kenne dieſe Antonie, die—“
Er ward durch den Begleiter der Dame unterbro der dieſe Worte gehört und ſich ihm raſch genähert hautc.
„Mein Herr,“ flüſterte er aufgeregt,„dieſe Antonie iſt
Im Anfang bewegte ſich das Boot gewiß mit keiner gerin⸗
geren Schnelligkeit, als dreißig Meilen die Stunde, durch's Waſſer, und war zuweilen ganz hinter den Wellen verborgen; allein ſtatt über demſelben zuſammenzuſchlagen, wurden dieſe durch die große Schnelligkeit der Bewegung in ſchäumenden
Maſſen vom Bord zurückgedrängt und färbten das Fahrwaſſer 3 i auf den alten Graurücken, und einige abenteuerliche Geiſter
weiß, als ob ein kleines Dampfboot dahin führe. Nicht ſobald war das erſte Boot feſt, als die übrigen drei, welche zu demſelben Schiffe gehörten, mit ihren langen Rudern
den Kampfplatz zu erreichen und Theil an der Jagd zu nehmen rudern“
ſuchten, während die andern Wallfiſche, als wenn ſie ſich des Unglücks deutlich bewußt wären, das ihrem unvorſichtigen Patriarchen zugeſtoßen war, in wilder Unordnung durch einander ſchwammen; und ehe ſie Zeit hatten, ſich von ihrem Schrecken zu erholen, ſprang ein anderer von ihnen hoch in die Luft, fiel platſchend in die Wellen zurück und ſtürmte, mit einer Harpune in der Seite, wild der See zu, während das leichte Boot hinter ihm her ſauſte.
So hatten bereits zwei Boote ihr flüchtiges Wild erreicht, und ein halbes Dutzend anderer ruderten luſtig in verſchiedenen Richtungen umher, um womöglich einem oder dem andern der rathlos umherirrenden Ungeheuer den Weg zu verrennen oder, wenn die Gelegenheit ſich fände, eine zweite Harpune feſtzumachen, im Fall die erſte locker werden ſollte. Der alte Graurücken jedoch, der jetzt wieder etwas zur Beſinnung gekommen war, ſchien entſchloſſen, ſich nur ſo weit anzuſtrengen, als nöthig war, um weiterem Ungemach zu entgehen, und ergötzte ſich nur von Zeit zu Zeit in angenehmen Capriolen auf der Oberfläche, wie um an⸗ zudeuten, daß er noch guten Muthes ſei. Nachdem er noch
mehrere Meilen ſeewärts geſchwommen, kehrte er wieder um bis etwa eine halbe Meile von der Stelle, wo er zuerſt harpunirt worden war. Der andere Wallfiſch jedoch hatte ſein Boot blitz⸗ ſchnell um die nördliche Spitze der Rhede geſchleppt und war uns ganz aus dem Geſicht entſchwunden.
Um ſo aufmerkſamer hefteten wir unſre neugierigen Blicke
ſchlugen vor, in unſeren eigenen Booten an der Jagd Theil zu
nehmen; allein der Vorſchlag„ein Boot zu nehmen und ſelbſt zu
ward mit wenig Beifall aufgenommen, denn die Mann⸗ ſchaft hatte während der letzten Tage hart arbeiten müſſen. „Schuſter, bleib bei deinem Leiſten!“ dachte ich, als der alte Graurücken eine ſeiner ſeltſamen Capriolen ſchlug;„was wäre aus jenem Boote geworden, wenn ich es zu ſteuern gehabt hätte?“ Der Refrain meiner Gedanken war, es ſei entſchieden anaenehmer, auf der Raa zu ſitzen, und mit dem Fernglas zuzuſehen
Mit einem entſetzlichen Ruck, einem kühnen Aufb bisher geſparten Kraft, wendete ſich der Wallfiſch plötzlich und jagte in entgegengeſetzter Richtung weiter, allein das ſchnelle Auge des ſteuernden Bootsführers hatte die Bewegung beobachtet, und drehte mit einem mächtigen Schlag ſeines Ruders das Boot gerade in dem Augenblicke, als ſich die Schnur wieder anſpannte, und von neuem begann der tolle Wettlauf.
Ein langes Riff erſtreckte ſich jetzt vor ihnen, allein der alte Graurücken hatte augenſcheinlich wieder ſeine Geiſtesgegenwart verloren, denn er ſtürzte wild auf daſſelbe zu. Noch eine Secunde, und er mußte entweder eine ſchroffe, rechtwinkelige Wendung machen, oder ſich unfehlbar den Schädel einrennen. Er wählte noch eben zu rechter Zeit das Erſtere, wie jeder vernünftige Wall⸗
[V. Jahrg.—
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