Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
790
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gerechtfertigt zu haben. Erlauben Sie mir, daß ich fort⸗ fahre. Sie beſitzen einen Wechſel über funfzehnhundert Thaler von mir.

Herr Roland erhob ſich und ſah in einem Regiſter nach.

Ganz recht; dieſer Wechſel iſt um die Mitte des näch⸗ ſten Monats fällig.

Ich werde ihn heute einlöſen, wenn er ſich noch in Ihren Händen befindet.

Er iſt noch hier.

Gut. Ich habe einen Credit von dreitauſend Tha⸗ lern bei Ihnen ich quittire über den Empfang dieſer Summe, mit der Sie S. und Compagnie belaſten wollen, und Sie händigen mir dafür, nach Berechnung, den Wech⸗ ſel und den übrigen Betrag aus.

Der Banquier rief einen Commis und gab ihm Auf⸗ trag, das Geſchäft zu ordnen. Dann wandte er ſich zu Herrn Ortelli:

Wer ſeine eigenen Wechſel discontirt, mein Herr, macht gute Geſchäfte!

Demnach wären die Angelegenheiten, die mich betreffen, abgethan. Ich bitte, beantworten Sie mir eine Frage.

Gern, wenn ich es vermag.

Sie hatten einen Sohn aus erſter Che, Herr Roland

Das Geſicht des Banquier's ward plötzlich ſehr ernſt.

Iſt es nöthig, daß Sie mich daran erinnern? fragte er in einem faſt barſchen Tone.

Dann ſtand er raſch auf und ſchloß die Thür des Cabinets, in dem ſich Eduard befand. Dieſer wich be⸗ ſtürzt zurück, indem er murmelte:

Das trifft ſich ſchlecht! O, hätte er doch geſchwiegen!

Er wollte das Geſpräch weiter belauſchen, aber es war umſonſt; durch die geſchloſſene Thür drang kein Laut.

Wie kommt der Fremde zu dieſer Frage? fuhr er in ſeinem Selbſtgeſpräche fort.Das unglückliche Ereigniß iſt längſt vergeſſen und nur wenigen Perſonen bekannt

wie kann dieſer Mann darum wiſſen, der bisher in der Schweiz gelebt hat? Mir ſelbſt iſt ſo wenig davon bekannt geworden, daß ich noch immer keinen Zuſammenhang in die traurige Geſchichte bringen kann. Die Anregung der⸗ ſelben allein ſchon genügt, um meinen Vater in Zorn zu ſetzen. Er wird den Herrn Chriſtoph Ortelli nun haſſen, wie er Jeden haßt, der ihn an ſeine erſte Ehe erinnert. Und warum auch? die Frau iſt todt und mein Stiefbruder ebenfalls.

Eduard holte das Portrait ſeiner Schönen hervor und begann es zu betrachten. Ptötzlich durchzuckte ihn ein Ge⸗ danke; er verbarg das Bild, ergriff Hut und Stock und verließ, indem er durch eine Nebenthür ging, ſein Comp⸗ toir. Dann betrat er ein Zimmer im Erdgeſchoſſe, durch deſſen Fenſter man die Straße überſehen konnte. Hier wartete er. Nach einer Viertelſtunde trat Herr Ortelli aus dem Hauſe. Kaum hatte Eduard ihn bemerkt, als er hinaus eilte und dem Greiſe folgte, der rüſtig voranſchritt. Die Straße war ſehr belebt, ſo daß die Abſicht des jungen Mannes nicht auffiel. So erreichten Beide die Prome⸗ nade. Der ſchöne ⸗Abend hatte eine Menge Spaziergänger in das Freie gelockt. Die Luft war nach dem Gewitter mild und angenehm geworden. Herr Ortelli ſchlug eine einſame Seitenallee ein, die ſich nach dem Fluſſe hinzog. Ueberraſcht blieb er plötzlich ſtehen, denn es traten ihm drei Perſonen entgegen: zwei Damen und ein Herr. Die eine der Damen, jetzt einfach in Weiß gekleidet, war das Ori⸗ ginal des Portraits, das Eduard auf ſeinem Herzen trug. Sie ſprang dem Greiſe mit dem AusrufeGroßvater! entgegen. Die zweite Dame, obwohl älter als die erſte, war nicht minder ſchön; ſie hing am Arme eines vielleicht vierzigjährigen Mannes, der ſie cavaliermäßig führte.

Vater, rief ſie,Ihr Geſchäft hat Sie lange fern gehalten!

Wie ſich das trifft! rief der Greis.

Ich mußte dem Wunſche meiner Antonie genügen,

hat und über die wir weiter ſprechen werden, findet ſich eine merkwürdige Schilderung einer Wallfiſchjagd im Buſen von Ayan. Sie zeichnet ſich durch Enthüllung der Verſchlagenheit dieſer Thiere aus, welche der Laie gewöhnlich für ſo dumm als plump halten wird.

Wir wollten an's Land gehen, erzählt der Verfaſſer, als ſich plötzlich auf dem Verdeck das Geſchrei erhob, daß Wallfiſche in den Hafen kämen, und zugleich alle Wallfiſchjäger ihre Boote in's Waſſer ließen, um die Arbeit zu beginnen. Es befanden ſich zur Zeit nicht weniger als ſieben amerikaniſche Schiffe dieſer Gattung hier, von denen jedes vier Boote hatte, deshalb verſprach der Spaß beluſtigend zu werden, und der RufWallfiſche im Hafen erreichte uns nicht ſobald, als bei uns jede Idee verſchwand an's Ufer zu gehen.

Die ganze Geſellſchaft ſtürzte aufs Verdeck, einige in's Tau⸗ werk, andere auf die Raaen, andere wiederum in die Maſtkörbe, kurz jeder ſuchte einen möglichſt hohen Standpunkt zu erreichen, von welchem herab er dem bevorſtehenden Kampfe zwiſchen dem Menſchen und dem Leviathan der Tiefe, zwiſchen Klugheit und Inſtinct, zuſchauen konnte.

. Es war außerordentlich intereſſant, die Liſt der Wallfiſch⸗ männchen und Weibchen zu beobachten, als ſie die jungen Kälber in ſeichtes Waſſer trieben, um dort ungeſtört zu weiden, während ſie ſelbſt durch das Bedürfniß tieferen Waſſers gezwungen waren, in der Nähe des Hafeneingangs hin und her zu ſchwimmen, wo ſie bald unter Schiffe tauchten, bald regungslos und ſcheinbar ſchlafend auf der Oberfläche lagen, und dann wieder, gleich einem Blei⸗ klumpen ſenkrecht in die Tiefe ſinkend, ſich aus dem Bereich der heranſchleichenden Boote entfernten, gerade wenn dieſe ſo nahe

kamen, daß der Harpunier ſich zum Werfen ſeines Geſchoſſes fertig machte.

Es befanden ſich etwa ein Dutzend Kälber und eine große Menge Nordkaper im ſeichten Waſſer, während ungefähr fünfzehn oder zwanzig Männchen und Weibchen an verſchiedenen Theilen der Rhede herumſchwammen, von denen jeder ein, oder manch⸗ mal auch zwei Boote hinter ſich hatte, die bemüht waren, mit möglichſt leiſen Bewegungen ihm den Weg zu verrennen⸗

Da der Hafen klein, das Waſſer völlig ruhig, und der Tag herrlich und klar war, ſo konnten wir den meiſten Bewegungen der Thiere unter dem Waſſer ebenſogut als über demſelben folgen, und die Art und Weiſe, wie ſie manchmal der Gefahr entſchlüpften, war in der That überraſchend. In ihren plötlichen Wendungen erinnerten ſie mich manchmal an den Fuchs. Ich ent a beſonders eines alten Burſchen mit grauem Rücken, der er langſam von einem verfolgenden Boote hinweg plößzlich einen tiefen Purzelbaum ſchlug, ohne die Obelſtache Waſſers zu bewegen, und wenige Minuten ſpäter drei⸗ oder vier⸗ hundert Schritt hinter dem Boote wieder zum Vorſchein kam. Zwei Boote, die ſich ihm, jedes von einer andern Seite, näherten, hatten ihn jedenfalls zu dieſer ſchwierigen Evolution ver⸗ anlaßt. Nicht ſobald war der ungeheure Körper wieder ſichtbar geworden, als auch ſchon wieder drei Boote, die ihm ihre ganz beſondere Aufmerkſamkeit zu widmen ſchienen, leiſe herangerudert kamen; allein ehe ſie ſich noch genügend genähert hatten, ſchien ſein Körper, der bis dahin ruhig und bewegungslos auf der Oberfläche geſchwommen hatte, plötzlich ſchwer wie Blei zu werden; er ſank ſenkrecht unter, keine Spur von ſeinem Daſein

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