Aen———————— u8ͤͤGʒ—,——— — ₰ Nr. 50.] Dritte folge. 787
Novellen-Zeitung.
-fr Die Unbekannten wählten ſtets daſſelbe Tiſchchen in Der fremde. der luftigen Veranda, und fanden ſie es beſetzt, ſo nahmen — ſie an dem nächſten ihre Plätze. Sie ſprachen wenig mit Novelle einander, und wenn ſie ſprachen, geſchah es ſo leiſe, daß die nächſten Nachbarn unr ein unverſtändliches Flüſtern hörten. Dabei legte das junge Mädchen eine zärtliche Auguſt Schrader. Achtung vor dem Greiſe an den Tag, der ſeinerſeits mit Stolz und Liebe an dem reizenden Kinde zu hängen ſchien. l. Aber alle dieſe Gefühle ließen ſich nur aus dem gegen⸗ Zu Anfang des Sommers im Jahre 18. war das ſeitigen Benehmen erkennen, das mehr als einen neu⸗ Café turc der Hauptſammelplatz der guten Geſellſchaft der gierigen Beobachter, mehr als eine neidiſche Beobachterin volkreichen Handelsſtadt B. Das Etabliſſement, ſeit gefunden hatte. wenig Monaten eröffnet, vereinigte mit orientaliſcher Be⸗ Mitunter ließ ſich der Greis Blätter bringen; es waren quemlichkeit franzöſiſche Eleganz und engliſchen Luxus. politiſche und mercantiliſche Journale, für Kunſt und Der Reiz der Neuheit übte eine große Anziehungskraft Literatur ſchien er keinen Sinn zu haben, denn er würdigte aus; von Morgens früh bis Abends ſpät waren die weiten die Muſik⸗ und Theater⸗Zeitung, wenn ſie zufällig vor ihm Räume mit Herren und Damen angefüllt, die plaudernd lag, keines Blickes. Seine Begleiterin machte mitunter und leſend ihre müßige Zeit hier verbrachten. Die ge⸗ Notizen in ein zierliches Taſchenbuch, das ſie ſtets bei der wählteſten Toiletten zeigten ſich hier im bunten Gemiſch, Hand hatte. und man hatte wohl damals nicht Unrecht zu behaupten, Belauſchen wir das Geſpräch von drei jungen Leuten, das die Eitelkeit der Damen das Café turc zum beſuchte⸗ die in kurzer Entfernung an einem Tiſche ſitzen, und zwar der Stadt machte. ſo, daß ihre Blicke die Fremden treffen können. aAm jene Zeit ſah man regelmäßig Nachmittags drei„Was haſt Du erfahren, Eduard?“ Uhr zwei Perſonen, welche durch ihre äußere Erſcheinung Eduard war ein bleicher, junger Mann von vier⸗ bis das allgemeine Intereſſe erregten. Es waren ein alter fünfundzwanzig Jahren, der Sohn des erſten Banquiers Herr und eine junge Dame. Erſterer, ein ſtattlicher Greis der Stadt und als Elegant tonangebend. Er trug einen von vielleicht fünfundſechzig Jahren, trug ſtets einen echten Panamahut, feine Wäſche, einen Frack nach dem ſchwarzen Frack, ſchwarze Pantalons, weiße Weſte und neuſten pariſer Geſchmacke und Diamanten in den Hemd⸗ weißes Halstuch. Sein ſchwarzer Hut, niedrig und mit knöpfen. Sein Vater, der Banquier Anton Roland, ſollte breiter Krämpe, war vom feinſten Filz. Letztere, ſtets in ein Vermögen von drei Millionen und einen Credit von eleganter Trauertoilette, war ein junges Mädchen von kaum zehn Millionen beſitzen. Man zählte ſein Bankhaus zu zwanzig Jahren. Die Dandy's, die Belletriſten und deu älteſten und ſolideſten. andere Leute von Geſchmack waren darin einig, daß die„Nichts!“ antwortete melancholiſch der junge Mann, ſchwarze Dame von ſeltener Schönheit ſei. Ihr ſeidenarti⸗ nachdem er einen langen Zug aus ſeiner Havanna⸗Cigarre ges blondes Haar, ihr alabaſterweißer Teint, ihre großen gethan.„Es iſt nicht einmal möglich geweſen, ihre Woh⸗ ſeelenvollen Augen vom reinſten Blau, ihre roſigen Wangen, nung zu ermitteln.“ die zarte Eleganz ihrer Körperformen und ihr beſcheidenes,„Du hatteſt doch Deinen Jockey abgeſchickt—“ ungenes Benehmen waren Vorzüge, um die ſie die„Er iſt unverrichteter Sache zurückgekehrt.“ beneideten und die Männer bewunderten. Bei der„Dein Jockey iſt ein ungeſchickter Tölpel, mein lieber Regelmäßigkeit ihres Beſuchs konnte es nicht fehlen, daß Freund! Ich ſelbſt werde heute einen Verſuch unter⸗ man viel von dieſen beiden Perſonen ſprach. nehmen.“
Wer waren ſie? Niemand konnte Auskunft geben. Der Sprecher dieſer Worte war ein Mann von viel⸗ Alle Bemühungen, ſich ihnen zu nähern und durch An⸗ leicht dreißig Jahren; er hatte ein blühendes Geſicht, einen knüpfung eines Geſprächs nur einen leichten Anhaltepunkt vollen ſchwarzen Bart, nannte ſich Paul Münter und war zu finden, waren vergebens. Der Greis wich ſo geſchickt der Sohn eines Schiffsrheder, der Auswanderer nach allen aus, daß eine Beharrlichkeit unartig erſcheinen mußte. Welttheilen beförderte. Der Schiffsrheder galt für einen Die junge Dame hüllte ſich ſo vorſichtig in den Mantel der reichſten Männer der Stadt und für den Verfaſſer der ihrer Beſcheidenheit, daß die Manipulationen des Gewand⸗ Zeitungsartikel, die gegen die vom deutſchen Bundestage teſten ſcheiterten. beabſichtigte Einſchränkung der Auswanderungsluſt eiferten.
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