Novellen⸗Zeitung. ALBIIM. —en— Eduard Tempeltey. Zu Zweien in der Nirche. Die dunklen Tannen rauſchen. Ein Sonntag auf dem Lande war's, Die dunklen Tannen rauſchen, Die Glocke klang ins Weite; Hier iſt ein ſtiller Platz; Ich ſaß im ſchlichten Gotteshaus, Ich ſteh' in Luſt zu lauſchen, Und ſie ſaß mir zur Seite. Denn drüben wohnt mein Schatz. Rings ſahen uns an im Dämmerlicht Viel tauſend Grüße ſend' ich Die altersgrauen Steine,. Dir über die Waldesruh', Darüberhin trieb fröhliches Spiel Und tauſend Küſſe ſpend ich Die Sonne mit blitzendem Scheine. Den fliegenden Grüßen zu. Als nun der Orgel erſter Ton Auch du, mein herzig Mädchen, N War feierlich erklungen, Schickſt Gruß und Kuß zu mir, Calét Da haben wir das fromme Lied Die ſchweben wie Sommerfädchen volk Aus Einem Buch geſungen. Durch's waldige Revier. oitte wenig Und wo die Klänge himmelwärts Und wenn ſie ſich begegnen, quenil Ein Wort von Liebe trugen, Die Grüße mein und dein, Daer Sah ich ſie an, ſah ſie mich an, So ſollen ſie ſich ſegnen, 3. Und unſre Herzen ſchlugen. Gleich uns geſegnet ſein! 1 als NRaum Uns war's, uns gelte jedes Wort,— und Und das Gebot vom Lieben wäͤhlt Sei nur für uns, für uns allein, 8 . Von Gott ins Herz geſchrieben. Händedruck und Herzensſchlagen. und n 119 4 .—— O Gottesdienſt, o Liebesglück,— Aus Einer Gluth die Flammen! O ihr Tanten! Euern Blicken Im tiefſten Herzen ſprachen wir Kann wahrhaftig nichts entgehn, 6 Still ein Gebet mitſammen. Als geborne Tugendwächter b Uhr; Sucht ihr Alles zu erſpähn.— das Das war am Morgen nach dem Tag,. 2 G Wo unſre Herzen ſich fanden, g Sagte neulich mir mein Mädchen: vn Da haben wir vor Gott dem Herrn Hüie dich und ſchweige ſtill, von Mit unſrer Liebe geſtanden. Da die Tante viel Verdächt'ges’ ſchwa Schon geſehen haben will. weiß 2 — Unſre Augen, meint ſie, glänzten 1 breit Mehr als wohlgeſittet ſei⸗ elege Rlar muß es ſein! Und für zwei Bekannte fände zwan Den Verkehr ſie viel zu frei. ande ſchwe Klar muß es ſein! Ich kann entſagen, Händedruck und Herzensſchlagen ſcw Wenn mir's das Schickſal zubeſtimmt; Sei zu meiden wie der Tod,! Viel leichter, als den Zweifel tragen, Und ein ſittſam Mädchen würde ſeelen Der Kraft auf Kraft mir ſtückweis nimmt. Jede Stunde zweimal roth. die; Aus Schmerzen kann ich mich erheben, Ehrbarkeit und kühler Anſtand Und gegen Stürme wächſt der Muth, Sei der Jungfrau höchſter Schmuck, Doch zwiſchen Furcht und Hoffnung ſchweben, Geſtern hätte ſie empört ein Wacge Das läßt verdorr'’n in Sonnengluth. Schrecklich langer Händedruck.— man Feigherz'ge Ohnmacht mag ſich ſonnen O ihr Tanten! Euern Blicken An flüchtig trügeriſchem Licht,— Kann wahrhaftig nichts entgehn, Ale Nein, ganze Schmerzen, ganze Wonnen, Und ibr habt ſo ſcharfe Augen, krü Nur gegen Schatten kämpf! ich nicht. Daß ſie mehr, als wahr iſt, ſehn. dun 1 aus 3 5 di ihr Mariengarn. Ein Liederkranz von Eduard Tempeltey. Leipzig, Fr. Ludw. Herbig. 1860. V teſ
Jahrgang
28-52 (1859)
Seite
786
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