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Und er hat Wort gehalten, mein Freund, der mir ſeit früheſter Jugend bekannt iſt. Er ward Officier und nahm ſeinen Abſchied, weil ihm das thatenloſe Garniſonleben nicht behagte, oder um Solchen Platz zu machen, denen mehr daran gelegen, im Frieden, als im Kriege Carriere zu machen.
Von der Ruhe des Landlebens umgeben, ſchrieb er den Feldzug in Valencia und Catalonien; bald darauf erſchien ſeine„Roma, Politik und Kriegskunſt der Römer.“ Und als nun der Landesherr dem wiſſenſchaftlichen Streben meines Freundes ſeine Anerkennung hatte zu Theil werden laſſen und ihm eine Reiſe in die Reſidenz zur Dankesab⸗ ſtattung kerläßlich wurde, da ging er auch zu denen, mit denen er als Werbhausrekrut dereinſt ſprechen zu können ſich vorgenommen. Als ſie nun ſo recht holdſelig waren und für vorkommende Fälle bereitwilligſt ihre Verwendung anboten, da verbeugte er ſich lächelnd mit den Worten. „Die Muſe, meine Herren, iſt jetzt mein Fürſprecher, in der Stille des Friedens mein beſter Adjutant!“
Aeberſetzungen von georg Pertz.
Lord Byron's Lebewohl an ſeine Gattin nach der Scheidung.
(Aus dem Engliſchen.)
Lebewohl, und ſei's auf immer, Seül's auf immer, lebewohl! Denn ſelbſt ohne Hoffnungsſchimmer
Wandr' ich fort von Pol zu Pol!
Läge klar Dir, wie die Sonnen,
Dieſe Bruſt, daran geſchmiegt Himmelstraum Dich oft umſponnen,
Der wohl nie Dein Haupt mehr wiegt;
Läg' erſchloſſen all' mein Sehnen, Jede Falte meiner Bruſt— Liebe ſchwämm auf Silberthränen Dir ins Herz zu neuer Luſt!
Mag darob die Welt Dich ſchätzen, Lächeln über meinen Schmerz, Selbſt der Weihrauch muß verletzen Um ein blutend Menſchenherz.
Wie von Fehl ich auch durchdrungen: War kein Arm zum Todesſtreich,
Als der Arm, der mich umſchlungen Einſt voll Liebe warm und weich?!
Konnt' ein Wahn Dich hintergehen? Liebe mag wohl welken ſacht,
Nie erliegt ſie doch dem jähen Windſtoß einer einz'gen Nacht!
O, ſo lang' Dein Odem wehet,
Klopft mein Herz Dir, holder Stern, Und der Gram, der nie vergehet,
Iſt der Gram, daß wir uns fern.
Dies ſind Worte tief'rer Sorgen, Als der Schmerz an Grabesſtätt, Wehe, wehe, jeden Morgen Wiegt uns ein verwitwet Bett!
K. M. v. Weber's in ſeiner hieſigen Stellung mancherlei Kämpfe zu beſtehen; doch überwand er alle Schwierigkeiten und errang ſich ſelbſt die Achtung ſeiner Gegner.
Als Dirigent gewährte er ein Gefühl unbegrenzter Sicher⸗ heit und Ueberlegenheit. Mit fein nachfühlender und lief eindrin⸗ gender künſtleriſcher Auffaſſung und mit klarer Vorſtellung wußte er genau, wie er jedes Werk in der Production geſtalten laſſen wollte, und verſtand daſſelbe charaktervoll und dem eigenen Geiſte gemäß zur Geltung zu bringen. Er bot den Ausführenden Ge⸗ legenheit, ſich im Einzelnen frei und doch einheitlich zu bewegen. Namentlich liebte er Haydn, deſſen Symphonien er mit Meiſter⸗ ſchaft zu Gehör brachte. Von Mozart führte er mit Begeiſterung. noch in den letzten Jahren„Idomeneus“ und„Coſi fan tutti“ auf, und in den Bühnenbearbeitungen ſolcher Werke beſaß er eine beſondere Geſchicklichkeit und große Pietät.
Reiſſiger wirkte ſeit dem Jahre 1826 am k. Hoftheater zu Dresden. Unter Karl Maria v. Weber noch in ſeine amtliche Thätigkeit als k. Muſitdirector eingeführt, folgte er dem genannten Meiſter in deſſen Functionen als zweiter k. ſächſiſcher Hofkapell⸗ meiſter, als welcher er neben Morlacchi ſtand. Nach dem Tode des Letztern übernahm er mit Richard Wagner gemeinſchaftlich die Leitung der k. Oper und wurde dann bei Gelegenheit ſeines 25jährigen Dienſtjubiläums zum erſten k. ſächſiſchen Hofkapell⸗ meiſter ernannt, in welcher Poſition er bis zu ſeinem Tode ver⸗ blieb. Reiſſiger iſt einer muſikaliſchen Familie entſproſſen. Sein Vater war Cantor in Belzig bei Wittenberg, woſelbſt unſer Meiſter am 31. Januar 1798 geboren wurde. Bei ausgeſprochener Anlage zur Tontunſt erhielt er frühzeitig Muſikunterricht von ſeinem Vater. Nichtsdeſtoweniger für die Theologie beſtimmt,
entſchloß ſich, Muſiker zu werden. wendung ſeines Gönners und Lehrers Schicht, welche Reiſſigern ein namhaftes mehrjähriges Stipendium eintrug, wurde es ihm möglich, ſich ausſchließlich den muſikaliſchen Studien auch außer⸗
kam er in ſeinem 13. Lebensjahre auf die Leipziger Thomesſchule um ſich für die Univerſitätsſtudien vorzubereiten. Nebenbei blieb
indeß die Muſik immer ſeine Lieblingsbeſchäftigung. Er verſuchte
ſich in der Compoſition und zog dadurch die Aufmerkſamkeit des Cantors Schicht auf ſich, welcher den Kunſtjünger in Erkenntniß ſeiner reichen Begabung mit Rath und That unterſtützte. Wäh⸗ rend der Univerſitätsjahre entſchied ſich Reiſſiger's Geſchick: er Durch die einflußreiche Ver⸗
halb Leipzig zu widmen. Er ging im Jahre 1821 nach Wien, in der Folge nach München und endlich auch nach Berlin. In der letztern Stadt, wo er während des Jahres 1823 verweilte, wurde ihm die Auszeichnung zu Theil, vom König von Preußen Reiſeſtipendium zu erhalten, welches ihn in Stand ſetzte, J
und Frankreich zu bereiſen. Nach der Rückkehr von dieſer Stur reiſe, während welcher in Rom die Oper„der Ahnenſchatz“ com⸗ ponirt wurde, ließ Reiſſiger ſich in Berlin nieder, wo ihm an dem königl. Muſikinſtitute eine Lehrſtelle anvertraut wurde. Hieran nun ſchloß ſich die 1826 erfolgte Berufung als Muſikdirector an das königl. Hoftheater zu Dresden. Neben ſeinem amtlichen Wirken als Dirigent hat Reiſſiger, wie die muſikaliſche Welt weiß, eine umfangreiche, höchſt achtunggebietende ſchöpferiſche Thätigkeit im Laufe der Jahre entwickelt. Es ſind von ihm mehr denn 200 Werke größern oder kleinern Umfanges veröffentlicht, die den verſchiedenen Kunſtgattungen angehören. Es ſeien nur die Opern„Libella“,„die Felſenmühle“,„Turandot“,„Adele“, das Melodram„Delva“ beſonders genannt. Hierunter ſind jedoch
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