Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
778
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778 jagen, Huſaren, Officiere mit Extrapoſt und zu Pferde ſuchten und folgten der gefundenen Fährte oft mit Hun⸗ den, die auf Menſchen dreſſirt waren, wie die Schweiß⸗ hunde auf den Edelhirſch. War nicht die Grenze nahe, ſo ſah man gewiß ſchon nach wenigen Tagen das blutigſte der Schauſpiele; dem Deſerteur zur Lehre und andern ehr⸗ lichen Leuten zur Warnung, daß das Leben des da⸗ maligen deutſchen Soldaten tief, tief unter dem Leben eines Hundes ſtand.

Dank Gott und der Vernunft! das iſt jetzt anders.

In England jedoch iſt es von jeher anders geweſen, d. h. das Soldatenleben war immer ſchöner und von heitererem Anſehen, Gewinn verheißend im Augenblick und ſpäterhin Nahrung und ausreichenden Sold, am Ende Penſion, daher auch ſo verlockend.

Jedes Regiment wirbt ſeine eigenen Rekruten. Zu dieſem Zweck ſind aus einem oder mehreren Unterofficieren, einigen Soldaten, Tambour, Pfeifer oder Horniſten beſtehende kleine Abtheilungen in den größeren Städten des Reiches, vorzugsweiſe in London ſelbſt, doch nicht in der City, ſon⸗ dern nach altem Geſetz, nur in Weſtminſter und Umgebung ſtationirt. So wie alles Andere in England, iſt auch das Werben der Landtruppen eine öffentliche Angelegenheit. Daher ſchreitet der Sergeant, den Czakow mit Bändern in den Landesfarben geſchmückt, unter Vortritt des Tambours oder des Horniſten bei gutem Wetter faſt täglich durch die Straßen, um etwaigen Candidaten für die Armee Ge⸗ legenheit zu geben, die nette Uniform, die blühenden Ge⸗ ſichter und das luſtige Leben vom Regt. No. 1 bis 100, oder die blanken Helme der Dragoner, die Czakows der kecken Ulanen oder die ſtolzen Horſeguards, der Königin rieſige Leibwächter, ganz in der Nähe zu beſchauen. Außer⸗ dem verkünden an allen Hauptſtraßen und Plätzen große Placate Straße und Hausnummer eines anſtändigen Hötels, wo für Glücksjäger von Morgen bis Abend die Bücher zur Aufzeichnung der Namen derer aufliegen, welche

Noveſſen⸗Zeitung.

ihr Heil unter St. Georges rühmlichem Banner verſuchen wollen.

Das Handgeld ſteigt von ein bis zu funfzig, ja bis zu hundert Guineen, je nachdem das Regiment ferner im Aus⸗ lande ſtationirt, oder je gefahrvoller und beſchwerlicher der Dienſt in demſelben. Das iſt offen und ehrlich gehandelt. Niemand wird in Zweifel gelaſſen. Jeder Rekrut hat das Recht, ſich das Regiment und die Station frei zu erwählen. Von einem Zwange iſt nirgends die Rede. Auch wird es Keinem verübelt, wenn er das Nachweiſungsbureau verläßt, ohne Dienſte zu nehmen, falls ihm eine oder die andere der Bedingungen etwa nicht gefallen ſollte. In britiſche Regi⸗ menter werden indeſſen nur geborene Engländer zugelaſſen.

Die Werbe⸗Commandos wohnen in guten, rechtlichen Wirthshäuſern, wo ſtreng auf Ordnung gehalten wird. Die Töchter des Hauſes, ſelbſt die weiblichen Dienſtboten halten ſich fern von ihren militäriſchen Gäſten. Die Uni⸗ form findet in Großbritannien nicht den willfährigen Ein⸗ gang wie bei uns in Deutſchland, wo der bunte Rock je nach ſeinen Distinctionen auf die niedere wie auf die hohe weibliche Welt noch immer fortfährt den Zauber der Attraction auszuüben, den ſie ſeit den Freiheitskriegen nun einmal beibehalten hat.

Für etwaige Gäſte ſtehen immer die ſauberſten Betten bereit. Hat ſich ein ſolcher als Rekrut gemeldet, ſo geht er allein, ohne jegliche militäriſche Begleitung zu einem Civilarzte, der ihn, nachdem er ſich bis auf die Fußzehen auf einem dazu unterbreiteten Teppich entkleidet hat, aller⸗ genauſtens unterſucht, denn Alt⸗England verlangt gute, friſche Waare für ſein gutes Geld. Auf geſchriebene Er⸗ klärung des Arztes, daß der Mann ſit for Her Majesty's service tauglich für Ihrer Majeſtät Dienſte iſt gibt er ſich zum justice of peace, das iſt der jedesmalt Friedensrichter des Kirchſpieles, wo das Commande Hauptquartier aufgeſchlagen hat. Dieſer legt ihm eine vollſtändige Anſicht der Kriegsartikel vor. Sie ſind ſtreng.

Weſten aus, der faſt durch den Zenith ging; und etwas vor zehn Uhr ſah man drei rothe Strömungen in Suͤdoſten und verſchiedene weiße in Südweſten. Die Helle war noch bis zwei Uhr Nachts zu bemerken. Die Aurora wurde außer in Melbourne auch in Sidney, Adelaide, Cape Otway, Albury ꝛc. beobachtet. Profeſſor Neumayer bemerkt, daß dieſem heftigen Ausbruch des magnetiſchen Fluidum heftige Windſtöße von Norden her folgten, was auch bei

frühern Gelegenheiten der Erſcheigung von Auroren geſchah, wie

der gelehrte Herr Profeſſor durch ausführliche Angaben im Argus beweiſt.

Die zweite Aurora(am 2. September) zeichnete ſich ebenfalls durch großen Glanz aus. Schon Nachmittags gerieth das Inſtru⸗ ment im magnetiſchen Obſervatorium, welches die Declination anzeigt, plötzlich in Störung, und Profeſſor Neumayer verkün⸗ digte einen magnetiſchen Sturm. Bald nach Sonnenuntergang entwickelte ſich denn auch ein ſo prächtiges Schauſpiel am Him⸗ mel, als wenn die Götter Millionen Roſen darüber ausgeſtreut hätten. Namentlich wurden gegen zehn Uhr die Strömungen äußerſt brillant, und der blaßweiße Lichtbogen ſpannte ſich von Oſten nach Weſten aus. Zwiſchen zehn und zwölf Uhr verblieb namentlich die auffallendſte Erſcheinung ein breites rothes Band über dem ganzen Horizont von Oſten nach Weſten, und ein Viertel vor Mitternacht bemerkte man in den höheren Himmelsſchichten viele prachtvolle ſpitz zuſammenlaufende Lichtkegel. Der rothe Schimmer illuminirte zugleich die Erde und verbreitete ſich in ſchwächerer Färbung auch an dem ganzen nördlichen Horizont. Später in der Nacht verſchwand die Erſcheinung allmählich in Wolken und Dünſten. C.

Aus der Gegenwart. Die Schillerfeier in Paris.

In Paris wurde das Schillerfeſt, wie der Conſt. Zeit. ge⸗ ſchrieben wird, in wahrhaft glänzender Weiſe gefeiert. Der Schauplatz war der neue großartige Girque de l'Imperatrice, welcher mit ungewöhnlichem Aufwand dem Zweck entſprechend ausgeſchmückt wurde. Feenbaft erleuchtet mit Tauſenden von Flammen und Gasſternen, glänzte er weit hinaus in die Champs Elysées und zog die Menge an, welche vergebens noch ein Billet zu erhaſchen ſuchte. Das Innere des Circus war prachtvoll. In der Mitte die koloſſale Dannecker'ſche Schillerbüſte und bis hoch hinauf die mit ſchwarz⸗roth⸗goldenen Fahnen und dem deutſchen Reichsadler geſchmückte Tribüne für die 550 Mitwirkenden auserleſenſte Publicum füllte die herrlichen Räume, die Da in Balltoilette, die Herren in Feſtkleidung, die deutſchen d im Knopfloch. Die Notabilitäten der Kunſt und Literatur hatten ſich eingefunden, und manch großer Name wurde von der feſtlich geſtimmten Menge mit Verehrung ausgeſprochen. Ueber 4000 Menſchen dichtgedrängt füllten die Räume. Meyerbeer hatte für den Feſtabend einen Marſch und eine Cantate componirt. Beide Muſikſtücke zählen zu dem Anmuthigſten, was er je ge⸗ ſchaffen, und wurden mit dem größten Beifall aufgenommen. Der Schillermarſch wird bald auch in Deutſchland, gleich dem Prophetenmarſch, populär werden. Außer einem von einer jungen Dame geſprochenen Prolog von Pfau und einer Feſtrede des D. L. Kaliſch, bot das Programm noch den Mendels⸗ ſohn'ſchen Geſangan die Künſtler, das Finale der neunten

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