Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
774
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Walter läßt Dir nur das Eine ſagen, Regine, es ſei wieder einmalſo gerade recht. Die Kinder und ſelbſt die kleine Profeſſorin waren faſt geblendet von den goldenen Spiegeln, den ſeidenen Vorhängen und koſtbaren Tapeten, aber ein leiſer Seufzer entglitt ſeinem Herzen, und Regine, welche ihn aufmerkſam betrachtete, ſah, wie ein Schatten ſein Antlitz verdüſterte.

Aber? fragte ſie freundlich.

Roſe geſtand ganz offen, daß es ſie ein Opfer koſten würde, das herrliche Schloß unbenutzt ſtehen zu laſſen, und ſo hübſch und wohnlich es hier im Pfarrhauſe auch ſei, ſie würde den Aufenthalt drüben vorziehen, die ganze Um⸗ gebung gerade für Dich angemeſſen halten, und ſie konnte nicht begreifen, daß wir nicht dort unſern Wohnſitz ge⸗ wählt.

Das ſieht einmal wieder der kleinen Roſe ganz ähn⸗ lich, denn die kleine Roſe iſt und bleibt ſie in mancher Be⸗ ziehung, und wenn ſie Methuſalem's Alter erreichte; in dieſer naiven unüberlegten Bemerkung erkenne ich ſie gar deutlich. Die Wohnung des Predigers drüben nach dem Schloſſe verlegen, damit Jeder, der zu ihm will, ein Boot beſteigen oder im Winter zu Schlittſchuh hinüberfahren. müßte! entgegnete Regine herzlich lachend.Wenn der herrliche Plan in Ausführung kommt, lieber Chrhardt, ſo wirſt Du ſchon alle Bauern in der Kunſt des Schlittſchuh⸗ laufens unterweiſen, ich kann ja daſſelbe Liebeswerk an den Mäaͤdchen thun. Doch als noch immer ein trüber Ernſt auf ihres Mannes Stirn lag, ſtrich Regine mit weicher Hand darüber hin und fragte bittend:Ehrhardt, kann Dich wirklich eine ſo ſcherzhafte, unbedachte Aeuße⸗ rung verſtimmen?

Sie gemahnte mich nur von Neuem an eine Befürch⸗ tung, welche ich zuweilen nicht bannen kann, und weil die Berührung eine nicht ganz heile Stelle traf, deshalb war

Novellen⸗Zeilung.

[V. Jahrg.

es hin und wieder, als wenn Du nicht an Deinem rechten Platze hier ſtändeſt, Regine, als ob Du in der Stille und Abgeſchiedenheit zu viel entbehren müßteſt; als wenn Dein Talent, alle Deine Vorzüge Dich zu einer anderen Umgebung berechtigten. Wer paßte wohl beſſer für das Leben der großen Welt, für die erſten und auserleſenſten Kreiſe, als gerade Du? Kommt mir der Gedanke, da iſt es mir, als hätte ich Deinetwegen dem Rufe nach der Stadt folgen ſollen.

Ich bin in der großen Welt geweſen, ihre rauſchen⸗ den Freuden habe ich genoſſen, ich habe mich in den glän⸗ zenden, geiſtreichen Kreiſen bewegt und mein Herz blieb leer und ſehnte ſich nach Dir und Deiner Einſamkeit. Ehrhardt, Du weißt es, daß ich gern und willig ein be⸗ ſcheidenes Loos aus Deiner Hand genommen hätte, es jetzt noch nehmen und mich in Deinem und der Kinder Beſitz glücklich fühlen würde; dennoch kann ich nicht leugnen, ich freue mich unſeres ſorgenfreien, behaglichen Lebens, freue mich unſeres Wohlſtandes, der uns geſtattet, weniger Be⸗ günſtigten davon mitzutheilen. Aber nun rede auch nicht von Opfer und Entſagung, wo wir ſo reichen Segens ge⸗ nießen! Wenn Du von meinem Talente ſprichſt und die Befürchtung hegſt, die Stille und Einſamkeit ſei ihm ein Hemmniß, ſo bedenke, daß wir Schriftſtellerinnen, ſelbſt in der größten Stadt, inmitten des bewegten Lebens, doch nicht die tiefen Einblicke und Forſchungen in Menſchen⸗ und Verhältniſſe zu thun vermögen, welche dem Manne geſtattet werden, daß uns Schranken gezogen ſind, die eine echte Frau nie überſpringt. Das Haus, die Familie, das Herz, das iſt doch die eigentliche Quelle, aus der wir ſchöpfen, der rechte Boden, dem unſere Arbeiten ent⸗ ſprießen, und dazu bedarf es nicht des bewegten, gerän vollen Lebens, um Stoff für uns zu finden. Und Ehrhardt, das Wichtigſte: ich bin erſt Weib und N und dann Schriftſtellerin; wo es meinen Lieben am ſchonſten

ſie wohl ſo nachhaltig in ihrer Wirkung. Mir ſelbſt ſcheint

und wohlſten iſt, da iſt mein Platz, und wo könnte es

jedoch derſelbe durch das Herbeieilen einiger Chriſten unterbrochen, welche einen neuen Anfall, eine neue Gewaltthat, irgend eine drohende Gefahr ankündeten, oder die im Triumphe einige den wilden Thieren und Henkern entriſſene Ueberreſte eines Märtyrers in die Katakomben flüchteten und dieſelben allda mit ehrwürdiger Andacht in die ſchon geöffnete Felſengruft niederlegten.

Für die Unterſcheidung der Martyrergräber von denen der gewöhnlichen Gläubigen gibt es unzweiſelhafte Kennzeichen. Durch ſorgfältige Nachforſchungen und Vergleichungen iſt man zur Gewißheit gelangt, daß ein Grab, deſſen Urne einen Satz

von ausgetrocknetem Blute enthält, und deſſen Backſteine mit

einer Palme geziert ſind, die Ueberreſte eines Märtyrers enthält; wo dieſe beiden Merkmale zuſammentreffen, da iſt die Echtheit eines Märtyrergrabes unzweifelhaft; wo nur das eine oder das andere dieſer beiden Zeichen vorkommt, da iſt es möglich, daß das Grab einen Märtyrer beherbergt, allein die Thatſache iſt nicht erwieſen, und die Kirche erkennt die Ueberreſte nicht als Reliquien an. In dieſer Unterſuchung iſt die Kirche äußerſt ſtreng; ſeit längerer Zeit läßt ſie die Katakombengräber unter ſorgfältiger Aufſicht planmäßig öffnen, den Befund an Leichnamen, Inſchriften, Urnen, ſymboliſchen Zeichen genau aufzeichnen; alle zweifelhaften Ueberreſte werden ſogleich auf ehrbare Weiſe wieder beigeſetzt, die Reliquien erwieſener Mäntyrer aber zur Verſchenkung an Kirchen aufbewahrt. Von jedem Gange wird ein vollſtändiger Plan auf⸗ genommen, der Gang nach Eroͤffnung und Prüfung aller Gräber wieder verſchloſſen und die Unterſuchung im nächſtgelegenen Gange wieder forigeſetzt. Auf dieſe Weiſe gelangt die Kirche nach und nach zur vollſſändigen Kenntniß der Kalakomben und zum Beſitz der wahren Reliquien der heldenmüchigen Märyrer.

Obſchon die Unterſuchung fleißig betrieben wird, ſo iſt bid jetzt nur der kleinſte Theil der Katakomben geöffnet. Wahrſcheinlich durften im Verlauf dieſer Arbeit viele merkwürdige Reliquien, ſo wie viele für die Geſchichte des Urchriſtenthums wichtige Inſchrif⸗ ten aufgedeckt werden. Papſt Pius IX hat eine eigene Commiſ⸗ ſion aufgeſtellt, welche mit der Unterſuchung und Abzeichnung⸗ der Katakombenbilder beauftragt iſt, und welche bereits wichtige Beiträge für dasMuſeum der chriſtlichen Urzeit geliefert hat. P. Marchi, der berühmte Archäolog des römiſchen Collegiums, hat uns mehrere neu entdeckte Katakombenbilder vörgewieſen, welche durch die hervorragende Stellung, die ſie dem Apoſtel Petrus einräumen, einen Beweis für den Vorrang geben, welchen das Urchriſtenthum ſtets in dem Apoſtelfürſten verehrte.

Lange Zeit pilgerten wir in dieſen Katakomben herum und betrachteten mit heiliger Aufmerkſamkeit das Erdreich, in we die Wurzeln des Chriſtenthums eingeſteckt werden mußten, d aus denſelben der große, den Stürmen der Zeit trotzende B

heranwachſe.

Das allmähliche Schwinden unſerer Fackeln und Kerzen erinnerte uns, daß es Zeit ſei, aus dieſem unterirdiſchen Heilig⸗ thume auf die Oberfläche der Erde zurückzukehren. Wir ſtiegen, die Treppe wieder hinauf und begrüßten, in unſerem Innern uns in dem chriſtlichen Glauben geſtärkt fühlend, das Tageslicht. V Eine ähnliche Wichtigkeit haben nach katholiſcher Auffaſ⸗ ſungsweiſe mehrere andre Stätten Roms, beſonders die Peterd kirche ſelbſt, welche eigentlich der Begräbnißort des Apoſtel V Petrus iſt.

Die St. Peterskirche erhebt ſich an dem gleichen Orte, wo Nero einſt ſeine Gärten und ſeinen Circus hatte; hier wurde nach dem

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