ſo weiß er die Störung ſo geſchickt abzuwenden und die Kinder durch irgend eine hübſche Erzählung, ein unterhaltendes Spiel an ſich zu feſſeln, daß ich wohl im Stande bin, meiner Muſe zu lauſchen. Abends, wenn die Kinder zu Bett ſind und wir Beide beim traulichen Kaminfeuer oder im Sommer in der weinbelaubten Veranda ſitzen, dann leſe ich ihm zuweilen vor, was ich geſchaffen, und wenn er es billigt, ſo bin ich ſehr ſtolz und glücklich; doch mußt du nicht glauben, er lobe mich immer, das würde mich auch mißtrauiſch gegen das Lob machen. Ein gerechter, wohlbegründeter Tadel iſt heil⸗ ſam, und von einem ſo vielſeitig gebildeten, kenntniß⸗ reichen Manne ſehr lehrreich.
Hat Ehrhardt Euch geſchrieben, daß er zum zweiten Prediger an der St. Hedwigskirche in der Reſidenz be⸗ rufen worden iſt, und man ihm die Stelle angetragen hat, ohne daß er ſich darum bemüht? Es iſt eine große Auszeichnung, und er ſelbſt ſchien einen Moment faſt da⸗ von geblendet. Wenn ich es gewünſcht, er hätte den Ruf angenommen, und ich bekenne es Dir offen, Roſe, es erſtiegen die Vorzüge und geiſtigen Genüſſe, welche das Leben in der Stadt, und in einer ſolchen Stadt bietet, in einem ſehr hellen Lichte vor mir. Gerade für mein Streben würden mir manche Vortheile dort erblüht ſein, und der Gedanke war mir ſehr derlockend, daß ich nun vielen der bedeutenden, ausgezeichneten Menſchen, mit denen ich in ſchriftlichem Verkehr ſtehe, ſo viel näher treten würde. Mit einer Art Vorfreude genoß ich ſchon dieſes Zuſammenſein.— Aber ich ſah es zu deutlich, wie Ehrhardt doch ungern geſchieden wäre, wie ſein ganzes Herz hier mit ſeinem Wirkungskreiſe eng ver⸗ knüpft iſt. Die ſchwere Zeit der Krankheit und der Nothhat ein inniges Band um ihn und ſeine Gemeinde geſchlungen; es zu zerreißen, wäre hart geweſen. Mein Mann hat ſo viele Verbeſſerungen gemacht, hat noch ſo viele im Sinne; wer würde ſo auf ſeine Pläne eingehen, wer es vielleicht
Novellen⸗Zeitung.
[V. Jahrg.
auch können? Es iſt wohl natürlich, daß er den guten Samen, welchen er namentlich in die Herzen der Jugend ſtreut, aufgehen ſehen, ſich an den Früchten erlaben möchte. Könnte er auch dort des Segensreichen viel ſtiften, ſo iſt doch wohl hier ſein eigentlicher Platz— und als wir Beide uns das recht klar gemacht, da waren wir bald entſchieden und bleiben hier. Die Vortheile, welche die guten Schulen in der Stadt den Kindern ge⸗ bracht haben würden, konnten doch nicht ſo viele Gegen⸗ gründe überwiegen. Ehrhardt, der ſo manchen Knaben unterrichtet, ja erzogen hat, wird mit Freuden an dem einzigen Sohne daſſelbe Liebeswerk ausüben, und wenn unſer Georg, deſſen geiſtige Anlagen nicht gewöhnlicher Art zu ſein ſcheinen, ſpäter doch das elterliche Haus verlaſſen muß, ſo hoffe ich, daß Gott unſer Bemühen, ihn brav zu machen, ihm feſte, tüchtige Grundſätze ein⸗ zupflanzen, ſo geſegnet haben wird, daß wir ihn ohne Gefahr dem Leben übergeben können.— Und was mein kleines, noch nicht dreijähriges Töchterchen betrifft, die noch ſo fern davon iſt, die erſten Schritte in das Reich des Lernens zu ſetzen, ſo kennſt Du meine Anſicht, Roſe, daß ich ſie doch niemals von mir ließe und das Vater⸗ haus als die beſte Schule für ſie betrachte.—
Der junge Graf Werdeck, derſelbe, welcher unter Ehrhardt's Schutz mehrere Jahre gereiſt iſt, hat das große Gut, zu dem unſer Dorf gehört, ſelbſtſtändig übernommen und wird mit ſeiner jungen Gemahlin den größten Theil des Jahres hier verleben. Es wurden großartige Vorbereitungen zum Empfange der Neu⸗ vermählten getroffen, und es iſt Alles glücklich von Statten gegangen. Das Kommen und mehr noch das Hierbleiben des jungen, gräflichen Paares freut mich; ein wenig mehr Geſelligkeit wird uns nur frommen, und da Beide liebenswürdig und gebildet ſind, verſprechen ſie uns einen angenehmen Umgang zu bieten. Wir hatten neulich eine ſehr hübſche Geſellſchaft im Schloſſe,
ganz in dem decenten und poetiſchen Zwielicht ihres ſpäteren Lebens dargeſtellt haben würden.
Die Einleitung zu dem erſten Bande der eben bei M. Levy in Paris erſchienenen„Souvenirs et correspondance tirés des papiers de Madame Récamier“ gibt auch nicht die leiſeſte Vorſtellung von jener blendenden und weltberühmten Armida, welcher das Buch gewidmet iſt. Zwiſchen der jungen Plebejerin, deren Büſte, Arme, Augen und Haar, deren Geſchmack im Co⸗ ſtüme, deren Kenntniß ihrer eignen guten points ganz Europa zu ihren Füßen zogen— Preußen und Rußland, Bonaparte, Bernadotte und Wellington—, welche ihr Portrait an Prinzen verſchenkte und mit faſt königlichen Ehren empfangen wurde, wenn ſie reiſte—, zwiſchen dieſer verwöhnten und glänzenden Schönheit und der ältlichen Dame, welche eine Betkapelle errichtete, deren Hoherprieſter der langweilige und ſelbſtſüchtige Chateaubriand ſein durfte— welch' ein Contraſt! Die Herausgeberin des Buches hat mit aller möglichen Aufrichtigkeit, Hingebung und Ehrfurcht gehandelt; aber weder die drapirle noch die undrapirte, weder die alte noch die junge Gottheit erſcheint göttlich, mag ſie nach dem canoniſchen Verfahren der heidniſchen oder der chriſtlichen Theologie geprüft werden. Das Reſultat iſt das Bild einer Frau, welche jedes Auskunftsmittel kannte und die Cleopatra in ſich nicht zu unterdrücken vermochte, welche in ihrer Leidenſchaft Königreiche hinwegküßte und lieber den Natternbiß erduldete, als ſich dem Schimpf der Niederlage preiszugeben. Unter den be⸗ rühmten Frauen rangirt unſere Heldin als die Beauté, nicht als Bel Esprit, und ſo finden wir in den Souvenirs auch kaum einen ihrer Briefe, wohl aber eine Anzahl ſolcher, welche ihre Anbeter zodes Alters an ſie gerichtet haben.
Madame Récamier, 1777 zu Lyon geboren, war die Tochter eines Notars, eines freundlichen aber ſchwachen Mannes, von deſſen Frau das Kind ſeine Schönheit erbte. Als ihre Eltern einmal mit ihr ausgingen, um Ludwig XVI. und Antoinette in Gala ſpeiſen zu ſehen, erregte die außerordentliche Lieblichkeit des Kindes ſolche Aufmerkſamkeit, daß es nach dem Diner zur Beſich⸗ tigung und Vergleichung mit Madame Royale befohlen wurde, was die junge Prinzeſſin über die Maßen erboſte. In dem Alter von 15 Jahren heirathete ſie den 42jährigen Kaufmann und ſpäteren Finanzier Récamier, welcher, obgleich nach den Ver⸗ ſicherungen der Souvenirs durchaus nicht häßlich und ungebildet, dem engelgleichen Kinde nur ſeinen Namen gab und ſeine väter⸗ liche Sorge angedeihen ließ. Er zeichnete ſich durch eine unheil⸗ bare Vorliebe fürs Heirathſtiften aus, richtete damit häufig Unheil an, und war unter anderm ſchuld, daß der alte de la Harpe ſich mit einer jungen Dame trauen ließ, welche ihm bereits nach drei Wochen wieder davonlief. Herr Récamier ſelbſt verheirathete ſich unter der Schreckensherrſchaft und hatte als junger Cheniann die liebenswürdige Gewohnheit, alle Hinrichtungen anzuſehen, um, wie er ſpäter erzählte, Beſcheid zu wiſſen, wenn die Reihe an ihn kommen würde. Unter dem Directorium begannen nun die Tri⸗ zumphe ſeiner jungfräulichen Gattin, welche einſt dadurch ein ſcandalöſes Aufſehen erregte, daß ſie einwilligte, nach der Meſſe
in der Kirche von St. Roch zu collectiren, wobei das Volk auf die Nicht minder blendend und auf⸗
Altäre ſtieg, um ſie zu ſehen. fällig waren ihre Trophäen zu Longchamps, wo ſie die Welt durch einen Shawltanz bezauberte, und ſelbſt ihre aefährtichſte Neben⸗ buhlerin aus jener Zeit, Made grvbeſgt de⸗St.⸗Angely, ſtand noch als altes Weib⸗peit, ein⸗ Regnaute gene Schönheit geſtand noch als alte eib⸗ dt Jleich ihre eigene Schönhe
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