und die Feſtung iſt nicht einzunehmen. So wird's gemacht, mio sposo tiranno!“
„Ich wag es darauf!“ rief Ehrhardt fröhlich, dann aber ſetzte er ernſter hinzu:„Biſt Du gewiß, Regine, daß Du niemals die Pracht und Schönheit hier vermiſſen wirſt?“—
„Schön war es hier, ſelten habe ich ein ſchöneres Stückchen Erde geſehen als dieſes— aber hier war ich allein, und dort bin ich bei Dir, drüben biſt Du.“
Von dem Aufruhr, der Angſt und Qual, welche in ſeinem Inneren gewühlt, erlöſ't, ganz erfüllt von der Ge⸗ wißheit ſeines Glückes, bemächtigte ſich ein unermeßlicher Jubel der Seele des Mannes, im Vergleich zu welchem Regine faſt ſtill erſchien. Eine Frage, ein Zweifel ſchien ſie noch zu quälen, und indem ſie wieder zu Ehrhardt trat, ſagte ſie mit einer Stimme, in der ein leiſes Zittern nicht zu bemeiſtern war:
„Ehrhardt, noch Eins! Wenn ich die Pflichten erfüllt, die lieben Pflichten, welche ich als Deine treue Gattin und Helferin übernahm, darf ich dann in mancher ſtillen Muße⸗ ſtunde, die nicht fehlen wird, darf ich dann ſchreiben? Ich könnte nimmer davon laſſen, außer wenn es Dich unglück⸗ lich machte.“
Es lag eine ſolche Innigkeit und Herzenswärme, eine ſolche rührende Demuth nicht nur in den Worten, ſondern auch in dem ganzen Weſen des einſt ſo ſtolzen Mädchens, ein ſolches Hingeben an und in ihn, daß niemals ehedem Ehrhardt ſo klar und deutlich die Gewalt gefühlt, welche ſie über ihn beſaß; daß jetzt in dieſem Augenblick, als ſie bittend, ſich ihm freiwillig unterordnend vor ihm ſtand, er ſich bewußt wurde, wie ſie trotzdem die größte Macht in Händen hielt. Er hätte vor ihr niederknieen mögen, es ihr zu ſagen, er hätte den Saum ihres Gewandes an ſeine Lippen drücken mögen, ſo erhaben, ſo großartig erſchien ſie ihm in der Weichheit und Demuth, die wie ein leuchtender
Novellen⸗Zeitung.
Schimmer um ihr edles Haupt ſchwebte.— Es währte eine geraume Zeit, ehe er ſeine tiefe Rührung bewältigte und ihr zu antworten vermochte:
„Gott wird mir Kraft geben und nich erleuchten, Regine, Dein ganzes Sein und Leben nach ſeiner tiefinner⸗ ſten Eigenthümlichkeit zu verſtehen und zu erfaſſen, denn nur auf dieſe Weiſe iſt an ein Glück, an ein vollkommenes Befriedigtſein zu denken. Mit ſanfter Hand will ich die Blüthen pflegen, welche der Genius in Deine Seele gelegt, und die Sonne meiner Liebe ſoll ſie immer ſchöner und reicher entwickeln zur Freude, zum Segen Deiner Mit⸗ menſchen. Manches gute Buch wird hoffentlich noch aus Deinem Herzen, Deinem Geiſte erblühen und aus dem alten Pfarrhauſe in die Welt wandern; und wenn man ſich Deines Talentes freut und Dir Lob ſpendet, weil Deine Bücher immer beſſer geworden, ſo werde ich mit Stolz mein Theil des Lobes auf mich nehmen, in dem Ge⸗ danken, daß ich Dich glücklich mache, und das Beſte doch nur ein glücklicher, zufriedener Menſch leiſtet.“—
Und ſo ward es! Es war eine ſchöne, geſegnete Ver⸗ bindung, die Ehe dieſer Beiden, eine Ehe, wie jede ſein ſollte, und wie wir, wenn wir über die weite Erde pilgern, ſelten eine ähnliche finden möchten. Das war ein Inein⸗ anderleben, ein Aufgehen in des Anderen Wünſche, ein Schicken und Finden in ſeine Eigenthünlichkeit, wie es wenig Ehen aufweiſen, da es leider oft nur von einer Seite geübt wird und dann trotz des beſten Willens, des auf⸗ opferndſten Strebens zu keiner Harmonie und Befriedigung führen kann. Hier war eine vollkommene Gleichſtellung, ein gleich ernſtes und treues Erfaſſen des großen Lebens⸗ zweckes, ein gleiches Streben, des Anderen Glück immer feſter und dauernder zu begründen, ſo daß wohl ſchwer zu unterſcheiden war, wer mehr gab, mehr empfing.— Eine Herzensfreude war es, auf Regine und Ehrhardt zu blicken, und Jedem wurde es wohl, der in ihre Nähe kam, die Schwelle des gaſtlichen Hauſes überſchritt, in dem ein
Feuilleton.
—&d
Prosper goubaup und Brunswick.
In Bezug auf den kürzlich verſtorbenen Prosper Goubaux, Vorſteher einer berühmten Lehranſtalt in Paris, theilt ein Pariſer Blatt Folgendes mit:
„Während des Winters von 1807 ſah man in Paris jeden Morgen einen ohngefähr 12 Jahr alten Knaben ſich dadurch er⸗
wärmen, daß er, die Hände in ſeinen Taſchen, längs der Straße
Hautefeuille nach dem Quartier Latin lief. Seine Kleidung ver⸗ rieth keine Noth, wohl aber Vernachläſſigung. Seine Eltern konnten wohlhabend ſein, doch ſobald man ſeine Kleider näher betrachtete und fand, daß ſie zur einen Hälfte für den Winter, zur andern Hälfte für den Sommer gefertigt waren, ſo errieth man leicht, daß ſie keine beſondere Sorgſamkeit auf ihn verwendeten. hatte ſeinen Vater frühzeitig verloren; ſeine Mutter, die ſich Sder verheirathet hatte, war fortwährend leidend, und ſein ziebaater, der ſich weit mehr um ſeine Geſchäfte, als um die Er⸗ wortliades Knaben bekümmerte, für welchen er doch die Verant⸗ Straße hah übernommen, ließ ihn, wie eben erwähnt, auf der ue herwulaufen.
der Straße Pierre Sarrazin in die Straße Serpente, nie weiter.
Seine Hauptbeſchäftigung war, die Ladenſchilder, die mit großen Buchſtaben geſchriebenen Namen der Kaufleute und die Nummern der Häuſer zu betrachten. Dabei bewies er eine erſtaunliche Wißbegierde. Eines Morgens rief ihm eine alte, faſt blinde Frau, welche vorüberging und ihn mit der Naſe in der Luft vor einem ſeiner theuern Schilder wie eingewurzelt ſtehen ſah, zu:
„He, Kleiner! Du haſt gute Augen, ſage mir doch, ob ich vor Nummer 19 angekommen bin und ob oberhalb der Thür das Schild eines Buchhändlers iſt?“
Der Knabe erröthete und antwortete nicht.
„Ja, Madame,“ ſagte ein kleiner Knabe, der eben dazu kam, „Sie ſind vor Nummer 19, vor dem Hauſe des Buchhändlers, den Sie ſuchen.“
Der andre Knabe war mehr und mehr erröthet.
„O!“ ſagte der vorübergehende Kleine mit lautem Lachen, denn dieſes Alter kennt nach La Fontaines Meinung noch kein
Mitleiden,„o, er iſt groß wie Vater und Mutter und kann noch
nicht einmal leſen!“ 3— „Es iſt wahr, man ſchickt mich nicht in die Schule; mein
Der arm Kleine mißbrauch dieſe Freiheit nicht; er lief aus Stiefvater hat mich ſchon viel reiſen laſſen, ich habe viele Orte,
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