Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
749
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ſich vorbehielt, ſpäter über die Auflagen Beſchluß zu faſſen, die man für das Jahr 1814 zu fordern gedachte. Mit Hülfe dieſer 120 Millionen, mit den ordentlichen Abgaben, mit dem Schatze der Tuilerien und mittels gewiſſer Friſten, zu denen ſich die Staatsgläubiger verſtehen mußten, ſah

man ſich in den Stand geſetzt, den dringendſten Bedürf⸗

niſſen zu genügen.

Es handelte ſich nun darum, dieſe Geldforderungen in Geſetze zu verwandeln. Durch ein von den Ufern des Rheins datirtes Decret hatte Napoleon die Verſammlung des geſetzgebenden Körper auf den 2. December feſtgeſetzt, indem er ſich dieſes Körpers bedienen zu können hoffte, um außerordentliche Hülfsmittel zu erhalten und den Patriotismus der Nation wachzurufen. Es hatte ſich be⸗ reits eine gewiſſe Anzahl Geſetzgeber nach Paris begeben, und man fand ſie nicht ſo günſtig geſtimmt, als man ge⸗ wünſcht haben würde, denn mit dem ſchnellen Wachſen der

Gefahr und mit dem nicht minder ſchnellen Schwinden des

Nimbus Napoleon's erwachte in allen Gemüthern die Un⸗ abhängigkeit aufs Neue. Man hatte daher verſchiedene Discuſſionen zu befürchten, wozu noch der Umſtand kam, daß die Annahme der vorgeſchlagenen Maßregeln, wie raſch ſie auch erfolgen mochte, doch nicht vor Mitte December erzielt werden konnte, und alsdann ſah man die Erhebung der Zuſchußſteuern auf den Januar hinausgeſchoben, wäh⸗ rend man derſelben auf der Stelle bedurfte. Man ent⸗ ſchloß ſich demzufolge, die Erhebung der außerordentlichen Steuern durch einfaches Decret zu verordnen, wodurch man einen Monat gewann. Zu einem ſolchen Verfahren, welches unter einem legalen und regelmäßigen Regime ganz un⸗

möglich, war man durch mehr als ein Präcedens ermächtigt.

In der That hatten die Präfecten, bald um die Ausrüſtung

der von den Departements votirten Cavaleriſten zu be ſtreiten, bald um die Laſt der Requiſitionen gleichmäßiger zu vertheilen, indem man ſie in allgemeine Steuern ver⸗ wandelte, kein Bedenken getragen, aus ihrer eignen Auto⸗

rität Zuſchußſteuerprocente zu erheben, und ſei es nun, daß man von der Nothwendigkeit überzeugt, oder daß man zu ſehr an Gehorſam gewöhnt war, genug, Niemand hatte Einſpruch dagegen erhoben. Angeſichts der Gefahr durfte der Kaiſer jedenfalls ebenſoviel wagen, als die Präfecten, und ein am 11. November, d. h, am zweiten Tage nach ſeiner Ankunft zu Paris erlaſſenes Decret ordnete die Er⸗ hebungen an, die wir aufgezählt haben. Aber dieſer Act, wie ſo viele andre, beweiſt, wie wenig Umſtände man da⸗ mals mit den Geſetzen machte.

Humboldt's rab.

Mit dem Leibe war in die Gruft der Erde

Humboldt's Geiſt geſunken; der Schlaf umfing ihn,

Als der Tod mit ſchweigender Nacht des Forſchers Auge verhüllte...

Sich genügend, wollte der Geiſt ſich löſen

In des Elementes erneute Wandlung;

Der den Firſtern ſah von dem Himmel ſchwinden, Scheute den Tod nicht.

Wie der weltdurchkreiſende Stoff ſich bindet

Und ſich löſ't nach ewiger Norm, entdeckt' er

In der Zelle Kern, wie im Kern des gluthum⸗ ſtrömten Kometen,

Ewig ſei der Stoff in der Dinge Wandel,

Kraft erzeugend geh' der Bewegung Seele

Von ihm aus und kehr' in ſich ſelbſt zurück zur Ruhe des Todes.

ſtanden, die mit dem Geiſte Bezaleels ausgerüſtet, weil ſie Chriſtum lieb haben, ihm auch deſto williger, ſinniger und glücklicher mit den Erſtlingen ihres Fleißes dienen. So leſen ſich manche Abſchnitte bilderreich, ſchön und erbaulich wie eine Predigt, und Herr Gottlob Bunz verſpricht einen echten Ton prieſterlicher Näch⸗ ſtenliebe, Sittlichkeit und Einfalt. O. B.

Seltſame Geſchichten von Alfred Meißner. Prag,

Kober& Markgraf. 1859.

Meißner's Buch iſt ſowohl an Inhalt als Umfang eine beſcheidene Edition, eine Anzahl kleiner Geſchichten, einzig und allein der Unterhaltung gewidmet.

Des Verfaſſers Talent, leicht und unbefangen zu erzählen, iſt bekannt, und ſo zeigt es ſich auch hier ab und zu in anſprechender Weiſe und ſo zwar, daß auch der Komik Rechnung getragen iſt.

Immerhin aber bleibt es mißlich, eine Anzahl Erzählungen aus dem Erlebten aufzufinden oder zu erdenken, die zu dem Titel Seltſame Geſchichten paſſen, ohne ihn als flüchtiges Kleid er⸗ ſcheinen zu laſſen. Dem Seltſamen miſcht ſich gern, wenn es Tendenz wird, das Gezwungene, Erkünſtelte bei, und ſo machen denn auch hier manche kleine Novellen einen geſuchten Eindruck, dem Geſundheit, Natürlichkeit und poetiſche Friſche fehlen.

Am meiſten finden ſich dieſe angenehmen Eigenſchaften in der letzten Geſchichte, der Müller von Höft. Sie iſt mit Wärme geſchrieben und mit männlichem Rechtsgefühl. O. B.

Trutz⸗N achtigal. Lieder aus dem deutſchen Walde von Auguſt Silberſtein. Zweite Auflage. Leipzig, Hermann Fries. 1859.

Es iſt in unſerer Zeit gewiß eine ſeltene Erſcheinung, daß Gedichte in Zeit von wenigen Wochen die zweite Auflage erleben, wie dies bei der vorliegenden kleinen Liederſammlung der Fall iſt. Wir halten uns deshalb für berechtigt, darauf aufmerkſam zu machen, indem wir zugleich auf die im Album unſerer Zeitung gegebene Probe verweiſen. Der Dichter ſcheint von der Idee ausgegangen zu ſein, ſeine Lieder ſanggerecht für den Mund des Volkes zu machen, und dürften Componiſten manche dankbare

Vorwürfe für populäre Melodien darin finden..7

Miseellen.

Die Baumwolleneinfuhr in großbritannien.

In der jetzigen Zeit bildet die Baumwolle einen der wichtig⸗ ſten Handelsartikel, von deren Erbauung, Verſchiffung und Verarbeitung Millionen von Menſchen theils ihr tägliches Brod, theils Wohlſtand und Reichthum gewinnen. Ein kürzlich in London veröffentlichter officieller Bericht theilt intereſſante An⸗ gaben über die Baumwolle mit, die im Jahr 1858 in das vereinigte Königreich eingeführt worden iſt. Der Geſammtbetrag der in dieſem Jahre eingeführten Rohbaumwolle belief ſich auf 1,034,342,176 Pfd. bis jetzt der höchſte erreichte Betrag und von dieſer enormen Quantität ſtammten 833,237,776 Pfd. aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika, 18,617,872 Pfd. aus Braſilien, 367,808 Pfd. aus Weſtindien und britiſch Guiana, 38,48,112 Pfd. aus dem mittelländiſchen Meer, 132,722,576 Pfd. aus dem britiſchen Oſtindien und 11,148,032