völlig im Stich gelaſſen geſehn. Infolge der langwierigen Formalitäten, des außerordentlichen Nothſtandes und des allgemein herrſchenden Mißtrauens hatte man noch nicht für mehr als 10 Millionen Gemeindegüter verkaufen können. Die ausgegebenen Bons waren, da ſie keine Ver⸗ wendung fanden, einer ſteigenden Entwerthung ausgeſetzt, und doch hatte man dem Publicum davon höchſtens für 25 bis 30 Millionen angeboten, indem man noch dazu Sorge getragen, dieſe nur unter die Lieferanten zu vertheilen. Trotz dieſer Vorſichtsmaßregel verloren ſie ſchon 15 bis 20 Procent. Man würde ſich alſo auf einmal der von dieſen Bons erwarteten 272 Millionen und der am Bud⸗ get von 1813 mangelnden 170 Millionen beraubt geſehn, und es würde ſich ſomit ein für damalige Zeit, wo es kein Creditmittel gab, erdrückendes Deficit von 442 Millionen herausgeſtellt haben, hätte man ſich nicht an alle Caſſen des Staats und der Krone gewendet, um ſie zur Annahme von Bons der Tilgungscaſſe zu nöthigen. Man hatte deren 10 Millionen der Bank von Frankreich, 62 der Dienſtcaſſe und 52 der außerordentlichen Domaine gegeben, was, wie wir bereits nachgewieſen haben, die letzten disponibeln Hülfsmittel dieſer Domaine erſchöpfte.
Blieb die Privatcaſſe der Krone, welche die Erſpar⸗ niſſe Napoleon's von der Civilliſte enthielt. Napoleon war es, wie wir anderwärts erwähnt haben, Dank einem bewundernswerthen Ordnungsſinne, gelungen, 135 Millio⸗ nen von der Civilliſte zu ſparen. Er hatte davon nach und nach 17 Millionen beim Mont⸗Napoleon zu Mailand, 8 bei der Bank von Frankreich, 4 in den Salinen angelegt; 13 Millionen hatte er ferner der Dienſtcaſſe geliehen und 26 zum Ankauf von Bons der Tilgungscaſſe verwendet. Es blieben nach alledem, außer drei bis vier Millionen für die laufenden Bedürfniſſe der Krone, noch 63 Millionen in Gold und in Silber übrig, die in einem Keller der Tuile⸗ rien als letztes Hülfsmittel deponirt waren, welches er ſorgfältigſt wahrte, nicht um im Falle des Unglücks
Exiſtenzmittel im Auslande zu haben(ſolch gemeine Vor⸗ ſicht war unter ſeinem hohen Ehrgeize), ſondern um ſeinen letzten Kampf gegen die allgemeine Erhebung der Völker zu unterſtützen.
Mit Ausnahme dieſer 63 Millionen hatte Napoleon alſo alle Caſſen geleert, um ſie zur Annahme der Bons zu zwingen, welche den Werth der Gemeindegüter repräſen⸗ tirten. Nachdem er ſolchergeſtalt 150 Millionen dieſer Bons untergebracht, blieb von dem ganzen Deſicit von 442 Millionen, wovon wir geſprochen haben, noch ein gegen⸗ wärtiges Deficit von ungefähr 300 Millionen, welches man nicht zu decken wußte, da ſich alle Hülfsquellen durchaus erſchöpft zeigten. 3
Unter ſolchen Umſtänden ſah man ſich in die Nothwen⸗ digkeit verſetzt, ſeine Zuflucht zur Auflage zu nehmen. Wenn übrigens Napoleon aus Anlaß dringlicher Umſtände die enorme Forderung von 600,000 Mann an die Be⸗ völkerung richtete, ſo konnte er, auf die nämlichen Gründe geſtützt, auch wohl einige Hundert Millionen Geld von ihr verlangen. Ueberdies war das Hülfsmittel der Auflage bisher ſorgfältigſt geſchont worden und es war die einzige unberührt gebliebene Hülfsquelle, obwohl die indirecten Steuern, die jederzeit unpopulär ſind, damals unter dem Titel der vereinigten Zölle ſehr verſchrieen waren. Aber die directen Steuern vermochten noch eine neue und ſelbſt ſehr ſtarke Erhöhung zu ertragen.— Indem man nur die Grundſteuer von 1813 um 40 Zuſchußcentimen erhöhte, war es leicht, ſich 80 Millionen zu verſchaffen, die ſich bei⸗ nahe ſofort realiſiren ließen. Es war möglich, 30 andere Millionen durch Verdoppelung der Mobiliarſteuer zu er⸗ halten. Man beſchloß daher im Conſeil, die Einzahlung dieſer Summen in den Monaten November, December und Januar zu verlangen. Man fügte dazu noch eine Erhö⸗ hung der Salzſteuer um ein Fünftel, der indirecten Steuern um ein Zehntel. Dieſe Nachſteuern ſollten ſofort ohne zu große Beläſtigung 120 Millionen eintragen, während man
Tauſende von Arbeitern verwendet werden, und der Vortheil getheilter Arbeit bei ihnen längſt auch in den Eiſenwerken, Webereien, Brennereien und Brauereien benutzt worden ſein.
Die Häuſer ſind alle ſehr leicht aus Holz erbaut; es gilt dies auch von der Hauptſtadt. Der Hausrath iſt ſehr einfach, ein paar hölzerne Bänke und Schemel machen gewöhnlich die einzi⸗ gen Möbel aus. Auf der Erde ſitzend, bedienen ſich die Japane⸗ ſen kleiner lackirter Tiſchchen und Taſſen zum Eſſen, und ſie ſchlafen auf ihren Matten zu ebener Erde, in große wattirte Schlafröcke eingehüllt. Durch verſchiebbare Scheidewände theilt man den Raum in einzelne Zimmer ab.— Wir entnehmen dieſe Notizen einer ausführlicheren Mittheilung von Lühdorf, welche Grube in ſeinem neuen Taſchenbuch der Reiſen mittheilt. Es iſt dieſes Werk, wie ſchon mehrere ähnliche nicht minder vortrefflichen Inhalts, bei Friedrich Brandſtetter in Leipzig herausgekommen, und wir empfehlen es ſammt ſeinen ſchönen Karten und tüchtig
gearbeiteten Illuſtrationen dem Publicum hiermit nachdrücklich. 6.
Literatur.
Chriſtliches Kunſtblatt für Kirche, Schule und Haus. Stuttgart bei Ebner& Seubert. 1859.
Von dieſem neuen Blatte erſcheint alle Monate ein halber Bogen mit Holzſchnittilluſtrationen. Der Herausgeber iſt ein Candidat des Predigtamts, ein gewiſſer G. Bunz, und als Leiter deſſelben ſind Grüneiſen, Schnaaſe und Schnorr von Carolsfeld enannt. 4 Die Unternehmer„erkennen die höchſte Aufgabe der Kunſt
nicht bloß im freien Bunde mit der Religion, ſondern im völligen Dienſte des Chriſtenthums und in der demüthigen Anbetung des heiligen Gottes, von deſſen Geiſte der Spiegel durchleuchtet iſt, aus welchem ſie ihre Anſchauungen ſchöpft, um das urbildliche Weſen der vollkommenen Schönheit in jedem ihrer abbildlichen Werke annähernd zu offenbaren, ob ſie dazu die ihr bereitliegenden Werkzeuge der einen oder andern Darſtellungsweiſe wählt.“
Aus dieſer wörtlich der Einleitung entnommenen Erklärung erkennt man am beſten den frommen Geiſt dieſes Organs, das gewiß in Preußen ſeine unterſtützenden Freunde finden wird. Auch die Obrigkeit hat das den alljährlichen Kirchentag unterſtützende Blatt gut geheißen, denn die Einleitung ſagt zugleich:„Der Verleger des deutſchen Kunſtblattes, Herr A. Ebener in Stuttgart, hat ſichohne Zureden bereit erklärt, dem neuen Unternehmen, und zwar ganz unabhängig von jenem ältern, ſeinen hülfreichen Arm zur Ausführung zu reichen, und ein kunſtvertrauter Candidat des würtembergiſchen Predigtamtes, Herr Gottlob Bunz, iſt von ſeinem hohen Kirchenregimente zum Behuf der unmittel⸗ baren Herausgabe des chriſtlichen Kunſtblattes gütigſt beurlaubt worden.“—
Ich glaube, daß nach ſolchen Vorgängen das Unternehmen wohl als ganz geſichert betrachtet werden muß. Es würde unnütz ſein, ein weiteres Lob der Empfehlung hinzuzuthun, denn nur unchriſtliche Gemüther könnten ſich gegen ein ſo durch und durch chriſtliches im Geiſte der Liebe religiös und kirchlich geführtes kritiſches Blatt unduldſam benehmen, und an ihrem ketzerhaften Verkennen wäre in Wahrheit nicht viel verloren, mögen es Laien oder Künſtler ſein. Wohl aber werden ſich andre Künſtler freuen, denn das Vorwort ſagt:„Maler und Bildner ſind unter uns ent⸗
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