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das mußte er ihr ſagen und noch heute die Entſcheidung herbeiführen.
So dachte Ehrhardt jedes Mal auf dem Heimwege; und wenn er dann Regine gegenüberſtand und ſie ſo ruhig und heiter ſah, nicht gleichgültig, nein, ſich freuend zu ſeinem Kommen, aber mit einer unbefangenen Fröhlichkeie, dann ſchwand wieder ſein Muth dahin, und das erlöſende Wort wurde nicht geſprochen.—(Fortſetzung folgt.)
Napoleon I. nach dem Feldzuge von 1813.
Von A. Thiers*).
V
Am Vorabend eines gewaltigen Kampfes gegen Europa handelte es ſich darum, Mannſchaft und Geld zu finden, und zwar galt es, beides in Menge und ſchleunig zu fin⸗ den. Dieſe beiden weſentlichen Mittel jedes Krieges waren jedoch erſchöpft. Im vorhergehenden Monat October, be⸗ vor er von Dresden nach Leipzig aufbrach, hatte Napoleon Marie Louiſe beauftragt, ſich in den Senat zu begeben, um die Conſeription von 1815, welche 160,000 Con⸗ ſcribirte liefern ſollte, ſowie außerdem eine außerordent⸗ liche Aushebung von 120,000 Mann von den ſchon be⸗ freiten Claſſen von 1812, 1813 und 1814 zu erlangen. Der Senat hatte nicht mehr Schwierigkeiten erhoben, Na⸗ poleon dieſe 280,000 Mann zu bewilligen, als er deren
*) Aus dem demnächſt auch in deutſcher Original⸗Ausgabe bei Meline, Cans& Comp. in Brüſſel(Leipzig, A. Dürr) erſcheinen⸗ den 17. Bande von Thiers' Histoire du Consulat et de 1Empire.
Novellen⸗Zeitung.
[V. Jahrg.
gemacht hatte, ihm ſo viele andere Opfer des Kriegs zu liefern, die jetzt in den Ebenen Caſtiliens, Deutſchlands, Polens und Rußlands begraben waren. Leider waren dieſe ungeheuern Aushebungen, deren ſchleuniges Gelingen ſo wünſchenswerth war, leichter zu decretiren als auszuführen.
Unter den 280,000 Mann, deren Einberufung im October beſchloſſen wordeu war, durfte man die Conſcrip⸗ tion nicht als in nächſter Zeit dienſtfähig betrachten, denn ſie vermochte, Dank dem Syſtem der Anticipation, nur Soldaten von 18 bis 19 Jahren, d. h. Kinder zu liefern, die wohl brav, aber ſchwach und unfähig waren, die harte Kriegsarbeit zu ertragen. Europa hatte Tauſende dieſer Kinder umkommen ſehen, die, auf dem Schlachtfelde voll feuriger Kampfluſt, bald vor Erſchöpfung auf den Heer⸗ ſtraßen oder in den Spitälern ſtarben. Napoleon wollte ſie nicht mehr, und wenn er die Conſcription von 1815 verlangt hatte, war es in der Abſicht geſchehen, eine Re⸗ ſerve daraus zu bilden, welche die Depots füllen und die Feſtungen beſetzen ſollte. Er konnte ſonach nur auf die 120,000 Mann der frühern Claſſen zählen. Aber dieſe Aushebung, die einzige nützliche, war ſchwierig auszu⸗ führen, weil man früher befreite Leute wieder in Anſpruch nehmen mußte, welche, nachdem ſie einem mehrmaligen Aufrufe durch Stellvertreter entſprochen hatten, ſich ein drittes und ſelbſt viertes Mal zum Dienſte aufgerufen ſahen. Daher hatte ſolche Beanſpruchung der frühern Claſſen, obwohl ſie die tüchtigſten Soldaten verſchaffte, doch den Uebelſtand, die heftigſte Unzufriedenheit zu er⸗ regen und Schonungen nöthig zu machen, in deren Folge die Einberufungen weit weniger ergiebig wurden. So mußte man z. B. auf die verheiratheten Männer, des⸗ gleichen auf die Individuen verzichten, die als unentbehr⸗ lich für ihre Familien erachtet wurden, und während man 100,000 Mann erwartet hatte, mußte man ſich noch glück⸗
lich ſchätzen, 60,000 erlangt zu haben. Indem er ſich auf die Dringlichkeit der Umſtände ſtützte, kam Napoleon auf
Dieſe Art des Selbſtmordes iſt ſehr gewöhnlich, ſie wird allgemein für ehrenhaft gehalten, und indem der Selbſtmörder ſein Leben zum Opfer bringt, rettet er ſeine Familie vom Verderben, bewahrt ihr namentlich Vermögens⸗ und Ehrenrechte. Zur Aufrechthal⸗ tung der Geſetze dient ein Spionirſyſtem, wie es kein anderes Land beſitzt. Jeder, der Kaiſer und die Beamten, Adelige, Hand⸗ werker und Bauern ſind von Spionen umgeben, ſo daß Einer den Andern beſpionirt, und eigentlich die ganze Nation aus Spionen und Beſpionirten beſteht. Es darf daher kein Wunder nehmen, daß in's Land kommende Fremde auf Schritt und Tritt von Spionen umlauert ſind; daß dies den Aufenthalt höchſt un⸗ angenehm macht, habe ich in hohem Maße erfahren.
Im Uebrigen iſt die Regierungsform eine erblich⸗feudale und das Recht der Erſtgeburt in dem Maße anerkannt, daß Streitig⸗ keiten wegen einer Erbſchaft in den japaneſiſchen Familien zu den
Seltenheiten gehören. Jüngere Sohne erhalten eine kleine Ab⸗ findung, der alteſte Sohn erbt Titel und Vermögen; jene werden, mögen ſie auch noch ſo arm ſein, jedoch immer mit derſelben Achtung behandelt, die man dem älteſten Bruder zollt; die Töch⸗ ter, ſelbſt die der höheren Claſſen, erben kein Vermögen, erhalten auch keine Mitgift, vielmehr verlangen die Eltern, wenn ihre Töchter hübſch und liebenswürdig ſind, daß der Bräutigam oft eine beträchtliche Summe Geldes an ſie abtrete, bevor ſie ihre Einwilligung zur Heirath geben. Der Japaneſe kann nur eine legitime Frau haben, die ſtandesgemäß ſein muß, und deren Nachkommen nur allein berechtigt ſind, Eigenthum, Titel und Ehren zu erben.
Die Japaneſen ſind meiſtens von mittler, gedrungener Statur, im Innern des Landes und unter den Vornehmeren findet
man auch größere Geſtalten. Die Augen ſind nicht rund, ſondern länglich und ſchmal. Ihr Haar iſt dick, ſchwarz und glänzend, die Hautfarbe gelb, und deſto dunkler, jemehr die betreffende Perſon ſich im Freien aufhält, die Landarbeiter ſind häufig faſt braun, was daher kommt, daß ſie bis auf den Gürtel nackt im Freien zu arbeiten pflegen. Vornehmere, und namentlich vor⸗ nehme Damen, die ſich der Luft wenig ausſetzen, ſind dagegen beinah weiß. ſen ſind breit und ſtumpf, doch nicht in
Die Naſ unangenehm auffallendem Grade, wie denn überhaupt ihr Aeuße⸗ res durchgängig einen guten Eindruck macht.
Die Japaneſen ſind ein intelligentes, gewerbthätiges Volk, wiſſen von Fremden Nützliches zu lernen, ſind gute Diplomaten, wie ſie in den Verhandlungen mit den Nordamerikanern gezeigt haben. Sie ſind der Verhältniſſe in der übrigen Welt nicht un⸗ kundig, laſſen ſich gerne davon erzählen, um ihre Kenntniſſe zu bereichern. Sie erkennen im Stillen an, daß die Europäer ihnen in kriegeriſcher Hinſicht überlegen ſind, und beugen ſich, ſo weit ſie müſſen, aber auch kein Haar breit weiter. Ihre Begriffe von Chre arten oft in Fanatismus aus, ſie ſind hochmüthig, rachſüch⸗ tig und ausſchweifend. Indeß werden Prahler, Zänker und Verleumder bei ihnen mit der größten Verachtung behandelt, die leiſeſte Verletzung der Wahrheit wird mit Strenge beſtraft. Sie ſind, ſo weit ihre ſtaatlichen Einrichtungen nicht in Frage kommen, offenherzig, galſte und als Freunde treu bis in den Tod. Ein Japaneſe bietet der größten Gefahr Trotz, um einem Freunde zu dienen, keine Qual vermag ihn zu zwingen, ein in ihn geſetztes Vertrauen zu verrathen, und ſelbſt der Fremde, der bei ihm Schutz ſucht, wird von ihm bis auf den letzten Blutstropfen vertheidigt. In ihrem Verkehr unter einander und mit Fremden ſind ſie ſehr
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