Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
742
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machte ſich ſchmerzlich fühlbar in den Familien, aber den⸗ noch war an die Stelle düſteren Grolles, wilder Verzweif⸗ lung, böſen Unglaubens, der Ehrhardt ſo tief betrübt, eine ſtille Trauer getreten, die nicht ausſchloß, daß dennoch wieder Muth und Hoffnung die Herzen der Schwerge⸗ prüften erfüllte, die zunahm, jemehr der Frühling ſich nahte.

Das Alles erzählten ſie dem lieben Herrn Pfarrer, wenn nun Einer nach dem Anderen zum Beſuch zu ihm kam, und mancher ſtarke Mann beugte ſich wie zerknickt zu Boden und die Gluth der Scham ſtieg auf ſeinem braunen Antlitz empor, wenn er gedachte, wie er die liebreichen, tröſtenden Worte des Seelſorgers zurückgewieſen, wie er, ſtatt ſein Kreuz in Demuth auf ſich zu nehmen, heftige Vor⸗ würfe ausgeſtoßen hatte. Ehrhardt ſah gut, daß die Lehre des Lebens, die Güte Gottes tief und dringend zu den Seelen geſprochen hatte, und er hütete ſich wohl, durch bit⸗ tere Vorwürfe die Selbſtanklage noch zu erhöhen.

Der Hauptgegenſtand aller der Erzählungen, welche die ſchlichten Landleute ihm vortrugen, war und blieb aber dennoch ſtets dieſchwarze Dame, und Ehrhardt hörte mit einer Treue und Ausdauer zu, die etwas Rührendes hatte für den nämlich, der nicht tiefer zu ſchauen ver⸗ mochte und ließ ſich dieſelben Geſchichten immer von Neuem erzählen, ſo daß Frau Martha meinte, es müſſe doch beinahe den Herrn ermüden. Gewiß habe das Fräulein des Guten unendlich viel gethan und ſei niemals müde oder läſſig geworden, ſie ſei fürwahr die Letzte, ihre Ver⸗ dienſte ſchmälern zu wollen, aber die Leute thäten doch auch nun juſt, als gäbe es kein anderes Thema mehr in der Welt, darüber ein vernünftiges Wort zu reden, als die ſchwarze Dame und immer ſie. Es war ganz merkwürdig, in welche Hitze Frau Martha ſtets gerieth, ſowie das Ge⸗ ſpräch dieſen Punkt berührte, und wie ſie in dem Aerger und Eifer, es davon abzubringen, es ſtets noch weiter aus⸗ ſpann. Auf Ehrhardt's Frage, wie denn eigentlich das Fräulein heiße, wußte Niemand Auskunft zu geben; ſie war

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nur unter dem Namendie ſchwarze Dame, weil ſie in tiefe Trauer gekleidet war, oder dasFräulein vom See bekannt. Ein beſonders kluger Bauer, der ſich auf ſeine ſchlauen Einfälle gar viel zu Gute that, meinte, ſie würde doch denſelben Namen führen, wie der vorige Beſitzer des Gutes, da ſie doch ſeine Erbin ſei. So entbehrte Ehr⸗ hardt noch immer der Beſtätigung deſſen, was er oft als Gewißheit annahm, und faſt wollte es zu viel werden des Zweifels und Hoffens in ihm.

Der Märzwind wehte mit lauem, feuchtem Athem ab⸗ ſonderlich mild daher, und die erſten Frühveilchen, welche an der ſonnigen Wand in dem Gärtchen der kleinen Katha⸗ rine ſtanden, erſchloſſen ihre lieben blauen Augen. Mit freudig klopfendem Herzen pflückte ſie das Kind und band ſie mit einem ſchönen, grünſeidenen Bande zu einem Sträußchen, um ſie dem Herrn Pfarrer alsdie erſten zu bringen.

Dankbar lächelnd blickte dieſer auf ſeinen kleinen Lieb⸗ ling, die mit dem braunen, vor Freude ſtrahlenden Geſicht⸗ chen vor ihm ſtand. Es hatte ſtets eine beſondere Vor⸗ liebe und Freundſchaft zwiſchen den Beiden gewaltet, manche Stunde hatte ſich Ehrhardt mit dem guten, klugen Kinde beſchäftigt; an ihrem Bettchen hatte er manche Nacht gewacht, als ſie in der Fiebergluth ſich wand, und o wi innig gebetet, Gott möge ſie nicht fordern, ſie, den Troſ die einzige Freude einer armen verlaſſenen Mutter. Und Gott hatte ſie geſchont und ihnen erhalten. Voll Rührung und Dankbarkeit blickten Beide auf einander, denn es ſchien faſt, daß, ſeitdem ſie ſo für das Leben des Anderen gefürchtet, ſo innig für einander gebetet, ſeit ſie Beide die ſelben Qualen erlitten und an dem dunklen Rande des Grabes geſchwebt hatten, daß ſeitdem noch ein herzlicheres Band der Zuneigung ſich um Beide ſchlang. Auch jetzt fiel das Geſpräch wieder auf das eine, von Frau Martha verbotene Thema, und weil ſie nicht im Zimmer war, ſon⸗ dern auf Ehrhardt's Geheiß ein warmes Getränk für das

auf Zubereitung des Fleiſches. Der Verfaſſer dieſer Zeilen hat

dieſen Gegenſtand bei den verſchiedenſten Nationalitäten und unter

den verſchiedenſten Klimaten verfolgt und fand überall Einrich⸗ tungen von wahrhaft überraſchender Zweckmäßigkeit. Für den

vorliegenden Zweck mögen einige der Folgerungen genügen, welche ſich ihm ergeben haben. Das Roheſſen des Fleiſches iſt keines-

wegs als ein Zeichen der Brutalität und des Civiliſationsmangels

anzuſehen, ſondern es iſt ein Zeichen des geſteigerten Ernährungs⸗

bedürfniſſes und des dunklen Wunſches, den durch Anſtrengungen unbrauchbar gewordenen Körperſtoff möglichſt ſchnell reichlich zu erſetzen. Deshalb findet man es bei allen den Völkern, welche auf Kriegszügen und Nomadenwanderungen ſich harten Anſtren⸗

gungen ausſetzen, oder bei denen unter Einfluß des Klima's eine für andere Völker mäßige Anſtrengung ſchon einen beträchtlichen Dieſer letztere Umſtand nöthigt

Stoffverbrauch mit ſich führt. die ſämmtlichen Bewohner der nördlichen Regionen, ihre Fiſche,

Robben und Rennthiere zum größten Theile roh zu verzehren, begonnener Zerſetzung gebraten wird, der

während ſie das ausgefloſſene Blut gleichzeitig als Getränk ge⸗ nießen. Ganz aus entſprechenden Gründen trinken die Lapp⸗ länder, Eskimos und andre Bewohner der Polargegenden Thran, eſſen Fett in großen Stücken, während die Italiener ihre Macca⸗ roni in Salzwaſſer ohne die geringſte Zuthat einer fetten Subſtanz

kochen, und doch haben beide Völker keine Ahnung vom Ein-

fluſſe des Fettes auf den menſchlichen. Organismus als Verbrennungsunterhalter! Aehnliche Rückſichten riefen in England den allgemeinen Gebrauch hervor, das Fleiſch nur roth zu braten und noch blutend zu ſerviren. Aber erſt ſeit kurzer Zeit verdanken wir Liebig durch ſeine Vorſchrift zur Bereitung des Fleiſchſaftes ein Mittel, um zu wiſſenſchaftlichen Zwecken

und als Heilmittel den Nutzen des rohen Fleiſches in der am leichteſten verdaulichen Form zu gewähren. Dieſem Gebrauche, rohes Fleiſch zu eſſen, ganz entgegengeſetzt, findet ſich da, wo ein raſcher Erſatz weniger nöthig iſt, wo aber der Wunſch nach längerer Dauer der Sättigungsempfindung vorwiegt, der Ge⸗ brauch, das Fleiſch ſehr ausgebraten auf den Tiſch zu bringen.

Bei allen Völkern bemerkt man eine Vorliebe, von Zeit zu Zeit in Zerſetzung begriffene oder verfaulte Nahrungsmittel zu genießen. Dergebildete CEuropäer erklärt den Haut- goüt des Wildpret(in Deutſchland hat der Gebrauch des Haut-goüt bei kleinem Wildpret abgenommen und beſchränkt ſich auf Hirſche und Wildſchwein; in England dagegen muß jeder Haſe halbverfault

ſein, ehe er auf die Tafel gelangt), den nach begonnener Fäul⸗ niß erſt einmarinirten Caviar und den alten d. h. in Fäͤulnin begriffenen) Käſe ebenſo für beinealieneſjenelche Asndaß ilde C ier ſei ne Hirſchkeule,

wilde Canadier ſeine vergrabe ſch Ned et has bſtöte lich bis zum Uebelriechen aufbewahrte Straußenei, 8 der Chineſe die gebackenen Zwiebeln, welche nach Eintritt der Fäulniß mit Honig und Branntwein gewürzt ein Zwiſchengericht bilden, und der Schwede den rohen, halbverfaulten Lachs mit Eſſig, Oel und grünen Kräutern als eineLeckerei hochſchätzt. Kein ei n⸗ ziges Volk der Erde iſt von dieſem Gebrau he ausgenommen; ja viele bereiten ſich auf künſtliche Weiſe mit Mühe und Zeitauf wand

zuzuſetzen. Läßt ſich auch der beſtimmt vorhandene chemiſche V auſchreeſer Völksſitte nicht mit vollkommner Sicherheit angeben,

ſo hat doch Liebig's Geiſtesblitz auch in dieſes Dunkel einen Licht⸗ ſtrahl geſendet, als er nachwies, daß ein in Zerſetzung hegrif⸗

faulende Subſtanz, um dieſelbe als Würze den friſchen Speiſen.

Nr. 4.

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