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alten Haushälterin ſo durchaus nicht verſtanden, mit ſolcher argloſen Verwunderung aufgenommen, daß Ehrhardt ſich endlich einzureden begann, es ſei die Erſcheinung ein Ge⸗ bilde des Fiebers geweſen.— Ja, er war in der Geneſung begriffen, denn er begann ſchon wieder allerlei Fehler und Mängel zu entdecken; bald lag ſein Kiſſen zu ſteil, bald zu tief; jetzt war die Lampe zu dunkel, nun wieder zu hell. Früher ſei Alles viel beſſer geweſen, weinte er klagend, da ſei Alles geſchehen wie es„gerade recht“ ſei.
Damals ſei er nur lammfromm und ſanft ergeben ge⸗ weſen, entgegnete die alte Martha ſchwellend—„und es wäre faſt zu wünſchen—“
„Daß ich ich noch in dem Fieber bis über die Ohren läge, oder lieber gar geſtorben wäre!“ rief Ehrhardt und ſchaute mit den großen, glänzenden Augen, in denen ſich ſchon wieder ein kleiner Funke des einſtigen muthwilligen Blickes regte, auf die freundliche Alte und ſtreckte ſo herz— lich um Vergebung bittend ſeine Hand aus, daß bald die Verſöhnung geſchloſſen war.
Der tiefe Winter war indeſſen vergangen, die Tage wurden heller und länger, und an einem Abende, als Ehr⸗ hardt aus erquicklichem Schlummer erwachte und ein roſiges Zwielicht durch das Zimmer ſpielte, glaubte er noch in der Ferne eine dahineilende weibliche Geſtalt zu ſehen, das Rauſchen eines Gewandes zu hören. Dennoch war das Zimmer leer, ſelbſt Frau Martha ſaß nicht emſig ſtrickend auf ihrem gewöhnlichen Platze. Neugierig ſchaute er umher, dann bückte er ſich, um von der Decke vor ſeinem Bett etwas aufzuheben. Ein brauner Handſchuh war es. Was iſt ſo Merkwürdiges an einem Handſchuh, daß Ehr⸗
hardt ihn mit immer größer werdenden glänzenden Augen
betrachtet und darauf ſtarrt, als erzählte ihm das kleine
Ding eine ganze Geſchichte, beſtätige eine ſüße Ahnung?
Wie er liebkoſend darüber hinfährt, als ruhe die ſchöne Hand darunter, die er zu bedecken pflegte! denn ſchön mußte ſie ſein, das ſtand feſt bei ihm, das war aus der
Form des Handſchuhes zu erkennen, ſelbſt die langen, zier⸗ lichen Nägel hatten ihre Spur in dem weichen Leder zu⸗ rückgelaſſen. Ein feiner, lieblicher Duft, wie friſche Re⸗ ſeda, entſtrömt ihm und läßt ſein Herz in wunderbarer Erinnerung ſtärker ſchlagen, und, was doch ein Kranker für ſeltſame Einfälle und Grillen hat!— leiſe, ganz leiſe drückt er ſeine Lippen auf den kleinen Handſchuh. Doch als in demſelben Augenblick Frau Martha zurückkommt, übergießt flammende Röthe ſein bleiches Antlitz; wie ein Kind, das bei etwas Verbotenem betroffen wird, ſo ſchuld⸗ bewußt fühlt er ſich. Er ſchließt ſchnell die Augen und ſchläft ſo feſt und natürlich, daß er erſt, als Frau Martha in ihrer Kurzſichtigkeit beim Lichtanzünden ein Glas vom Tiſche ſtößt, erwacht,— ohne zu ſchelten, erwacht!— Wie gut er doch iſt!—
„Habe ich mich getäuſcht, oder iſt während meines Schlummers Jemand außer Ihnen hier im Zimmer ge⸗ weſen?“ fragte er freundlich.
Voll Verwunderung und mit der argloſeſten Miene ſchaut die Angeredete nach ihm.
„Wer ſollte wohl hier geweſen ſein, da der Herr Me⸗ dieus noch jeden Beſuch verboten hat, und die Bauern ſelbſt nicht kommen dürfen Nachfrage zu halten, weil das tiefſte Schweigen im Hauſe walten ſoll?“
Wunderbare Augen, die des Herrn Ehrhardt, de Frau Martha im Stillen, als dieſe immer noch ſo forſe nach ihr ſahen und die Wirkung hatten, daß ihr vauz ſchwül um's Herz wurde, und ihr endlich einfiel, der Herr Prediger habe doch nicht ganz Unrecht. Die Frau Hof⸗
ſchulze Schmidt ſei bei ihr zum Beſuch geweſen und habe ſo ſehr gewüuſcht, den lieben Herrn zu ſehen, daß ſie ihr erlaubt, einen ganz kleinen Moment in das Zimmer zu treten. Um Ehrhardt's Mundwinkel zuckte ein Lächeln, welches Frau Martha faſt boshaft nennen mochte; leiſe fühlte er nach dem Handſchuh unter der Decke und hätte beinahe laut gelacht, wenn er ſich dazu die rothe, groß⸗
Feuilleton.
Der Inſtinct des Volkes.
Die geſammte Bevölkerung eines mehr oder minder begrenz⸗ ten Stückes der Erdoberfläche bietet charakteriſtiſche und hervor⸗ ſtechende Eigenthümlichkeiten in den Volksſitten, d. h. in denjenigen Gebräuchen und Einrichtungen, welche entweder Alle befolgen, oder die doch der größte Theil der Einwohnerſchaft angenommen hat. In dieſen Volksſitten ſprechen ſich ſcheinbar beſtimmte Intentionen aus; denn es wird in denſelben den Eigen⸗ thümlichkeiten des Klima, der Bodenbeſchaffenheit und anderer auf die ganze Bevölrerung wirkender Einflüſſe auf das Beſtimmteſte und Zweckmäßigſte Rechnung getragen; die Einzelnen ſind ſich aber der Zweckmäßigfeit ihres Verfahrens ſelten oder nie bewußt, ſondern folgen mehr oder minder gedankenlos dem Zuge des Ganzen.
Beiſpiele für dieſe überraſchende Thatſache findet man weni⸗ ger paſſend im Bauſtyle ver Wohnungen,— obgleich derſelbe den Anforderungen des„Alima“ immer auf treffliche Weiſe entſpricht. Die von einander abweichende Volksſitte der Gebirgs⸗ länder und Flachlänver im Bauſtyle iſt zumeiſt durch Baumate⸗ rial und Terrainverhältniſſe bedingt, und dieſe Nöthigung iſt oft
ſo groß, daß ſie faſt die freie Wahl auszuſchließen ſcheint. Bei
weitem paſſender für unſern Zweck ſind die Beiſpiele der Kleidung und der Nahrung; in Bezug auf letztere vorzüglich die Art der Volksſitten in Zubereitung der Speiſen.
Der Beduine ſchützt ſich gegen Hitze und gegen Kälte mit einem und demſelben Kleidungsſtücke: einem weißen Wollen⸗ mantel; er kennt nicht den Einfluß der Faͤrbe auf Erwärmung und Abkühlung eines Stoffes, noch hat er je von den Verſuchen etwas gehört, mit welchen Franklin, H. Davy, Stark nachge⸗ wieſen haben, daß Subſtanzen mit dunkler Färbung ungleich ſchneller und leichter erwärmt werden und wiederum abkühlen, noch kennt er die phyſikaliſchen Gründe, weshalb die Art des Gewebes, aus welchem ſein Mantel beſteht, die Wärme ſchlechter leitet, als ein anderes Gewebe!— Der gemeine Chineſe, welcher ſich aus Stroh ein tragbares Dach als Mantel bereitet, hat keine Wei⸗ muthung, wie zweckmäßig gerade in den Verhältniſſen, unter denen er ſich befindet, dieſes rohe Kleidungsſtück iſt, welches das Fell der Thiere nachahmt und ihn mit einer Schicht erwärmter Luft beſtändig umgibt und ſeinen Körper nach demſelben Princip erwärmt, nach welchem die in neueſter Zeit gegen Bruſtkrankheiten ſo übermäßig und unnöthiger Weiſe geprieſenen„Reſpiratopen“
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