Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
734
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Wahrheit nicht ſagte, wollte man ihm nun nicht mehr glauben, während nur zu richtig war, was er ſagte. Man ſah in der von uns angeführten Sprache nur ſeinen un⸗ lenkſamen Charakter, ſeine nicht zu beſänftigende Leiden⸗ ſchaft für den Krieg(eine Leidenſchaft, die er gehabt, aber nicht mehr hatte), und viele Leute, die ſich wenig darum kümmerten, ob der Friede annehmbar ſei oder nicht, ob Frankreich ſeine natürlichen Grenzen habe oder nicht, wo⸗ fern nur der ungefährdete Kaiſerthron auch ihre Stellen ungefährdet erhielt, äußerten, dieſer Menſch(ſo nannten ſie Napoleon), dieſer Menſch ſei toll, richte ſich zu Grunde und werde zugleich mit ſich ſie Alle zu Grunde richten. So muß man die Wahrheit, die man nicht hören wollte, während es Zeit war, ſie auf erſprießliche Weiſe zu vernehmen, ſpäter unter den kränkendſten Formen wiederfinden und zwar nicht allein im Geſchrei der Völker, ſondern auch im Kummer aufrichtiger Freunde, im ſchwei⸗ genden Groll eigennütziger Freunde und oft ſelbſt in der Unverſchämtheit der niederträchtigſten Höflinge, bei denen die Verzweiflung über ein verlornes Glück den Reſpect hat ſchwinden laſſen!

Jede herrſchende Meinung, die verkannt und, weil man ſie verkannt hatte, unverſöhnlich geworden, muß ein Opfer haben, mag es nun gerecht oder ungerecht gewählt ſein. Es war damals eines vorhanden, welches ſelbſt die Allgewalt Napoleons, wir ſagen nicht dem zum Still⸗ ſchweigen verurtheilten Publicum, aber ſeinem eignen über die Gefahren der Situation empörten Hofe nicht verweigern konnte, und dieſes Opfer war der Herzog von Baſſano. Man wußte, ohne das Nähere zu kennen, daß Frankreich zu Prag einen ruhmvollen Frieden hatte erhalten können und daß ihn der Kaiſer verweigert hatte; man wußte, daß der Kaiſer im Augenblick einen noch immer ſehr ſchönen An⸗ trag empfangen hatte, und ein Geflüſter des Vorzimmers ſagte, er habe keine geeignete Antwort darauf ertheilt; für dieſe Fehler machte man den Herzog von Baſſano verant⸗

wortlich, deſſen Unbeſonenheit und Dünkel, ſagte man, all'

unſre Leiden verurſacht hätte. Man behauptete, er ſei es, der Napoleon, ſtatt ihn aufzuklären, fliſſen ſei, als ob irgend jemand für die Entſchließungen dieſes unlenkbaren Charakters hätte verantwortlich ſein können. Unſtreitig war der Herzog von Baſſano ein will⸗

fähriger Miniſter geweſen, aber eben mehr willfährig als

gefährlich, denn es iſt zweifelhaft, ob er, ſelbſt wenn er ſich

Herrn de Caulaincourt angeſchloſſen, zu Prag einem heil⸗ ſamen Entſchluſſe das Uebergewicht zu verſchaffen vermocht

hätte. Indeß hätte er es verſuchen ſollen und wenn er Frankreich nicht gerettet hätte, würde er alsdann wenigſtens ſeine Verantwortlichkeit gerettet haben. Man ſchmähte ihn in dieſem Augenblicke mit der gewöhnlichen Ungerechtigkeit der Leidenſchaft, und Herr de Caulaincourt, der ihm grollte, weil er zu Prag nicht von ihm unterſtützt worden war, ſowie Herr de Talleyrand, der in ſeiner Muße ſich damit unterhielt, unaufhörlich über ihn zu ſpotten, behaup⸗ teten, um den Frieden zu haben, müſſe man vor allem die Welt überzeugen, daß man ihn wünſche, und das am wenigſten demüthigende Mittel, dies zu beweiſen, ſei die Entlaſſung des Herzogs von Baſſano.

Napoleon ergab ſich daher darein, dies Opfer, als eine erſte aber unnütze Sühnung ſeiner Fehler, zu bringen. Er wußte wohl, daß der Herzog von Baſſano nicht der wahre Schuldige war, daß der Schlag, der dieſen Miniſter traf, eigentlich ihm ſelber galt, und obwohl es ſeinem Ge⸗ rechtigkeitsgefühl nicht minder ſchwer fiel als ſeinem Stolze, verſtand er ſich doch dazu, ihm das Portefeuille der aus⸗ wärtigen Angelegenheiten abzunehmen, ſo dringend war die Gefahr, und ſo ſehr fühlte er, daß er im Innern wie im Aeußern der erzürnten öffentlichen Meinung Genugthuung gewähren müſſe!

Remönte geſchadet. Er fand keinen Glauben, und einige Zeit nachher wurde der mehr als je geachtete Viennet in den Rath der Alten gewählt. In demſelben gehörte er zum Kriegs⸗Comité und ſein Sohn, welcher Soldat zu werden wünſchte, hielt den Augenblick für günſtig, um ein Lieutenantspatent zu bekommen, erhielt aber von ſeinem Vater die Antwort:

Wenn Du zwanzig Jahr alt biſt, wirſt Du die Muskete nehmen und Dir das gewinnen, was Du vermagſt. Ich bin nicht hier, um die Angelegenheiten meiner Familie zu beſorgen. Unſere Unterofficiere haben es nicht verdient, daß man ſie zurückſetzt, um junge Leute ohne Verdienſt zu begünſtigen.

Durch dieſe abſchlägliche Antwort lernte unſer Dichter, wie man zu verweigern wiſſen muß. C.

Miscellen. Eine Milliarde.

Nur nicht ſo hitzig, nicht den Mund ſo außerordentlich voll genommen, wenn von einer Milliarde die Rede iſt, wie dies jetzt oft den Zeitungsberichten geſchieht! Da fabelt neulich ein

e daß der jetzige italieniſche Krieg den Franzoſen mit Inbegeifß aller Rüſtungen und Schuldenreſte aus dem Krimkrieg ſechs Milliarden gekoſtet, natürlich nur Francs, nicht etwa harte Thaler. Aber ſelbſt mit der erſteren Geldſorte iſt das Ding nicht ſo leicht abgemacht, wie es vielleicht den Anſchein hat, denn eine Milliarde wiegt gerade fünf Millionen Kilogramme. Um eine ſolche Milliarde zu Lande zu transportiren, da müßten zwei⸗

tauſend einſpännige Wagen anrücken. Zu Waſſer brauchte!

umgeben.

man ein Schiff, nach der Form von Noahs Arche gebaut, die, wie geſchrieben ſteht, 300 Ellen lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen tief war.

Wenn man fünf Millionen Kilogramme zu einer einzölligen Stange ausſchneiden würde, ſo würde die Totallänge dieſer Stange 655,000 Meter ergeben, welche mehr als genügend wären, um ganz Paris mit einem zehn Fuß hohen Gitter zu Würde man eine Milliarde Einfrankſtücken cein Meter breit neben einander legen, ſo könnte man damit eine Länge von 132,250 Meter, das iſt drei Stunden mehr als die Entfernung zwiſchen Paris und Rouen, dicht belegen; dieſe Milliarde E Einfranf⸗ Stücke in eine Linie gereiht, würde 23 Millionen Meter Länge ergeben, das iſt 750 Stunden mehr als der halbe Umkreis der Erde. Wenn endlich eine Milliarde zur Zeit von Chriſti Geburt in eine Maſchine gelegt worden wäre, welche in jeder Minute ein Stück ausgeworfen hͤtle⸗ ſo hätte ſie, um zu Ende zu kommen, noch ungefähr 61 Jahre zu arbeiten. D.

Worte für Welt und Haus. Die anſteckendſte Epidemie iſt die Blaſirtheit. Ibr herab⸗ ſtimmendes Weſen theilt ſich durch den bloßen Anblick gerade ſo mit wie das Gähnen.

Gut reden iſt ſchwer, richtig hören hingegen nicht leicht. Das

Letztere verfeblt man nur zu oft, weil man es für einen paſtiwmn

ſtatt für einen activen Zuſtand hält.

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