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chen fand ſein Herz ein ſolches Wohlgefallen, um ſie zu er⸗ wählen. Ob er wohl wußte, daß er alle Frauen nach der „Einen“ maß?
Er hatte Regine nicht wiedergeſehen, nur einmal eine directe Kunde von ihr erhalten, da ſie ihm den Tod der Tante anzeigte. Durch den Freund, der ſie niemals wieder
in der früheren Beziehung erwähnt, wußte er, daß ſie zwar nicht mehr in einem anderen Welttheile, doch in fernen Landen weile. Hatte er aber nicht viel von ihrem perſön⸗ lichen Ergehen erfahren, ſo hatte ſie durch ihre Bücher zu ihm geſprochen. Immer reicher und großartiger eutfaltete ſich ihr Taleut, immer klarer und würdiger trat ihr Ringen nach Wahrheit, ihr Streben nach Verbeſſerung und Ab⸗ hülfe verſchiedener Uebelſtände hervor. Und mit dem Dufte der Poeſie einte ſich jetzt das Reale und Praktiſche, welches nur eine wohl angewendete Lebenserfahrung lehrt. Ehr⸗ hardt war großſinnig genug, das Edle ihres Strebens an⸗ zuerkennen, ja ſich zu freuen, daß dieſem ſchon hin und 2 wieder eine Enfüllung blühte, ein ſo reichlicher Beifall lohnte. Mit größerem Intereſſe, als er es ſich ſelbſt ein⸗ geſtehen mochte, folgte er ihren literariſchen Beſtrebungen, und ihre Bücher fanden keinen eifrigeren Leſer als ihn. Dann war es ihm zuweilen, als wenn er in thörichtem Un⸗ 1 verſtand, in knabenhafter Uebereilung ſich ſelbſt um ein köſtliches Gut gebracht, ein Juwel von ſich geſchleudert, für das es keinen Erſatz gab. Dennoch war dieſer Ge⸗ danke nur ein ſeltener Gaſt in ſeiner Seele, da die Ueber⸗ zeugung, ſie hätten doch niemals zuſammengepaßt, ihm das Bleiben darin wehrte. Die Ueberzeugung!! Wie dieſe ſich ihm heute Abend als ſchwaches Schutzmittel erweiſen will! Immer wieder erſteigt Regine's ſchöne tadelloſe Ge— ſtalt vor ihm, überall ſieht er ihr liebes Antlitz vor ſich. 3 Unwillig ſpringt er auf. Welcher Zauber hält ihn 1M umfangen, welche weiche, krankhafte Stimmung hat ſich 6” ſeiner bemächtigt? Iſt er kein Mann, iſt er nicht mehr Herr
Novellen⸗Zeitung.
einer Gefährtin für ſeinen Lebensweg, doch an keinem Mäd⸗ ſeines
Roſe, unſer„
V. Jahrg.
Willens, daß er die Gedanken leiten kann, wohin er will? Auf ſeinem Schreibtiſch liegt ein Brief ſeines beſten Freundes, dem er die Treue, das Sorgen für ſein Wohl nicht gelohnt, wie er es verdient, vor dem er auch ſein Herz verſchloſſen und der dennoch, wenn auch durch äußere
Zeichen ſelten bekundet, mit alter Liebe an ihm gehaugen.
Er hält den Brief in ſeinen zitternden Händen, und ſeinen Augen wird es faſt ſchwer den Inhalt zu leſen: „Ehrhardt, willſt Du wiſſen, wie es im Paradieſe iſt, dann komm zu mir, ich kann Dir eine genaue Schilderung davon geben! Iſt denn nicht Alles geſagt, wenn Du hörſt, kleines Fräulein“, iſt meine kleine, liebe Frau, iſt meines Lebens Roſe geworden? Zuweilen, wenn ich über den Büchern ſitze und emſig ſtudire, und plötzlich der eine glückſelige Gedanke mich überkommt wie eine Lichtfluth, dann iſt's mir, als ſei es ein lieblicher, goldener Traum, deſſen Zerrinnen mir mein Glück raubt, und ich laufe hin⸗ über nach der anderen Seite des Hauſes, mich zu über⸗ zeugen, ob es Wirklichkeit iſt. O, die ſüße Gewißheit, wenn ich ſie vor mir ſehe, als mein, mein eigen, in meiner ſtillen, behaglichen Häuslichkeit waltend und ſchaffend, die kleine Frau Profeſſorin. Ja, Profeſſorin; Reſpect, alter Junge, vor Deinem Freunde, der wohl niemals trotz ſeines eifrigen Strebens die Stufe, die Auszeichnung erreicht hätte, wenn nicht ein guter Engel ihm den Weg geebnet. Wie der gute Engel heißt, dem ich nicht nur die neue Würde, dem ich das Glück meines Lebens, meine Roſe, verdanke? Er⸗ räthſt Du es nicht, daß es Regine iſt?— Sie war die Einzige, welche um meine Liebe wußte; vor ihr lag das Herz des„kleinen Fräuleins“ ja ſtets wie ein offenes Buch, zu ihr ſchaute das Kind wie zu einem hoheren Weſen em⸗ por. Und als ſolches hat ſie ſich an uns bewährt. Ihr gelang es bei ihrer Rückkehr aus Amerika, immer mehr Grund und Boden in dem Hauſe, den Herzen von Roſe'’s Eltern für mich zu gewinnen. Auch aus der Ferne wußte ſie meine Sache geſchickt zu führen und Einwendungen zu
mich noch immer auf jedem Schritt, und ich habe keine dieſer Seiten über ſie geſchrieben, ohne daß ſie nicht von der Straße herauf an mein Ohr gedrungen. Ein Triumph, mein wackerer
1 den dürfen, aber von ganzem Herzen wünſche ich Dir, daß Du nie wieder Gelegenheit haben mögeſt, Deine Schlummer⸗Polka um „neue und zeitgemäße Einlagen“ zu bereichern, nicht Deinet⸗ ſondern unſertwegen, denn es wäre troſtlos, wenn der Sinn und
bedürfte! Albert Traeger.
Zur Culturgeſchichte. Seltſame gebräuche der Rauſer und Schützen in den Alpen.
Die Naturwüchſigkeit des Tyroler Bergvolkes, ſowie auch der übrigen Alpenvölker, weſentlich der Bayern, äußerte ſich früher noch mehr als jetzt, gern im Ringkampf, im Schlagen, Stoßen, 1 Heben, Zubodenſchleudern des Ringers nach kunſtgerechten Regeln und im Steinewerfen. Trutzfedern auf dem Hute, Trutzlieder im Munde, und eine furchtbare„Schnaid“ oder „Kuraſchi“ im Herzen zeichneten den Robbler aus por den andern Burſchen eines Dorfes, und es gehörte, um Robbter zu heißen, nicht nur das Bewußtſein, ſondern das Vorhandenſein einer gewaltigen Körperkraft dazu. Wenn der herausfordernde Juchzer erſcholl, wenn Angeſichts eines Gegners die Heraus⸗ forderung entgegengeſungen ward, wie:
„A friſcha Bua bin i,
Hab d’ Födern au g'ſtöckt;
„
Ernſt Beyer, um den viele Dichter und Componiſten Dich benei⸗
die Stimmung unſerer Zeit nicht bald eines anderen Ausdruckes
Im Raff'n und Schlagen
Hot mir's koana daſchröckt!“—. dann entbrannte ſehr häufig ein heftiger und oft lebensgefähr⸗ licher Kampf. Einſt w Volk, gefürchtet im ganzen Lande. lich ausgeſchrieben, und Wetten dazu gemacht. Der Robbler trug eine Hahnenfeder auf dem Hut und litt nicht, daß jemand eine trug, der nicht Robbler war. Robbler mußten auch Trutzlieder ſingen können; kamen ihrer zwei zuſammen, ſo ſangen ſie erſt
ſtundenlang aus dem Stegreiſ, dann ging's übereinander her. Es zeigte von unbändigem Kraftſprudel. Man hat Beiſpiele, daß die Gerichte gegen dieſe wilden Kämpfer einſchritten und durch Strafen oder Ablieferung zum Militär ſie zu bezähmen ſuchten, daß mancher Robbler in den Wald lief und Bäume aus⸗ riß, um„ſeine Hitze auszulaſſen.“ Es iſt etwa dreißig Jahr her, ein bekannter Robbler, da er nicht me Aderlaß mehr erhielt, zu gewiſſen Zeit Wieſe hinausging, ſich auf den Bauch wi Pferd zu wiehern und zu zappeln anfing, dann mit den Händen, liegend, die Grasflecken herauskratzte und hinter ſich warf, mit den Zähnen Waſen herausriß und abbeutelte, wie die Hunde thun, und dabei mit den Füßen auf und ab ſchlug, ſo daß man ihn für raſend hielt. So machte er es eine Zeit lang fort, bis er ermattet wurde, dann hatte er für einige Monate Ruhe. Deſſen
erinnern ſich noch viele Leute. Die Thaten der Robbler bilden in Sage und Geſang Seiten⸗ ſtücke zu den Geſängen der Serben, welche ihre Räuber ſo beſingen,
ar die Gilde der Robbler ein wildes, unbändiges Die Raufereien wurden förm⸗
als zu Patſch bei Innsbruck hr raufen konnte, alſo keinen en wie ein Wilder auf die hinlegte, und wie ein
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beſchwicht Gewiß, ic lange ſich wieſen, do und ſie wo geeignet, entſogten. gung des ſchlichten genährt, Und daß ein bedei ſelbſt ha tiſche, nicht in elterlich und An amten „d dene Ue Etzlehun ſoldung heitgemä zu mach für ein langwe „6 ſere St und di als zar wurde uns den war, ſic ſo giſchi Ret Tau gangen
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