Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
729
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V. Jahrg. 1'

rfinken, welche eänorfe, nein, en ſie von ihm, doch wie unzu⸗ ſcte er, daß 66 er Reichthümer enden Muſch⸗ anderten einer 4 ſich all' die n.

eſchrieben, um Hülfe gebeten; geworden, denn ten wüthete der te in Anſpruch. hülfeflehend zu waren faſt auf⸗ en, den hohlen⸗ nſt ſo kraſtvol⸗ chſchauerte ihn t beachten und uden Hütten welche dort tenen des Jan⸗ er ſiehe, er fand Feuer flammte Wärme durch die kochte und bro⸗ ch ſcch durch di wuf dem Tiſche leich die Kranken gl nur Unbemwußt ſo ſchlenen die durch die Hof⸗ belebt und die und geſtern noch 6 n ſeiner vol⸗ ſte Partie die r intereſſirte nich nir fremd und un⸗ en Aufſchwunges ung dem Ganzen ett, wo die 1 Preußen mobil ge⸗ gemäßen binage eer die algenan gen Schein hin

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Nr. 46.) Dritte am Rande der Verzweiflung geſtanden, ſich mit neuem Muthe ihren ſchweren Pflichten zu unterziehen. Verwundert ſchaute Ehrhardt um ſich. Welcher Got⸗ tesengel war hernieder geſtiegen, woher war die unerwartete Hülfe gekommen? Aus den verwirrten Ausrufen und Er⸗

zählungen, die auf ihn einſtürmten, wurde ihm endlich ſo

viel klar, daß eine Dame, begleitet von Dienern mit reich⸗ beladenen Körben, in den Hütten erſchienen ſei, ihre koſt⸗ baren Schätze dort zurückgelaſſen und Abhülfe jeder Noth nach beſten Kräften, auch den Beſuch eines Arztes ver⸗ ſprochen habe. Alle Stimmen vereinigten ſich zu dem

Lobe derſchwarzen Dame, und aus dem Umſtande, daß

ſie in tiefe Trauer gekleidet war, über den See gekommen und wieder zurückgefahren ſei, glaubte Ehrhardt mit Recht ſchließen zu können, das Schloß drüben ſei wieder bewohnt, die Erben des in fernen Landen verſtorbenen Eigenthümers hätten endlich davon Beſitz genommen. Ein Freudeſtrahl ſchoß durch ſeine Seele; ein glühendes Dankgebet entſtieg ſeinem vollen Herzen, weil endlich Rettung gekommen, und er nun nicht mehr allein gegen die allgemeine Noth ringen würde. Noch heute wollte er hinüber, ſich mit den edlen Menſcheufreunden dort zu berathen, welche Vorkehrungen und Schritte die nöthigſten ſeien. Doch als er ſich draußen befand und ſich dem Ufer des See's nahte, da überkam ihn ein ſeltſames Zittern in allen Gliedern; ein Gefühl der Hinfälligkeit und Ohnmacht erfaßte ihn, wie er es in ſeinem Leben nicht empfunden, und obgleich er die Schwäche überwand, fühlte er doch, daß er heute unfähig ſei, das Unternehmen auszuführen, daß er ſich endlich einmal eine Nacht der Ruhe gönnen müſſe.

So wandte er ſich ſeinem Hauſe zu, ſeinem öden, ein⸗ ſamen Hauſe. Warum ihm wohl heute die Leere ſo dop⸗ pelt auffiel, warum ſein Herz mit ſo wunderbarem Sehnen verlangte, es möchte gerade jetzt ihn ein liebes, freundliches Antlitz grüßen und weiche, ſorgende Hände um ihn ſchaffen und walten? Hatte nicht die alte, vortreffliche Haus⸗

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hälterin Alles hergerichtet wie ſonſt? weshalb fand Ehrhardt heute an Allem zu tadeln und auszuſetzen, daß es der gan⸗ zen Geduld von Frau Martha bedurfte, um Alles zu er⸗ tragen, und nur der Hinblick auf ſeine ſonſtige Güte und auf ſeine blaſſen, müden Geſichtszüge ſie abhielt, ihrem ge⸗ rechten Unwillen Luft zu machen? Warum war es ſo einſam, warum hatte er trotz des Hauſes keine Heimath? Dieſe Frage ſchwirrte heute immer durch ſeinen Kopf, und wie er ſie bannen wollte, es gelang ihm nicht. Er ge⸗ dachte der ſtillen, blaſſen Marie; ſo ſehr er ſich damals be⸗ müht, ſie ſeinem widerſpenſtigen Herzen als Troſt und Entſchädigung aufdrängen zu wollen, es war ihm nicht ge⸗ glückt. Ruhig hatte er ſie von dannen ziehen ſehen, mit inniger Freude gehört, daß ſie bald darauf an eines wür⸗ digen Mannes Seite das Glück gefunden, welches ſie ſo wohl verdiente. Er wünſchte ſie nicht zurück; nicht möchte er, daß es anders gekommen. Warum aber konnte er die Eine nicht vergeſſen?

Heut Abend wurde er es zum erſten Male inne, daß er Regine nicht vergeſſen konnte. Chrhardt hatte die dahin⸗ geſchwundenen Jahre nicht in nutzloſem Klagen und Bangen verbracht, das hätte ſich nicht mit ſeinem ſtolzen, kräftigen Charakter, ſeiner geſunden Natur vertragen. Er war kein Träumer und Kopfhänger geworden, wenn auch von der früheren friſchen Heiterkeit ſeines Weſens wenig zurückgeblieben war; der milde Ernſt, welcher an die Stelle getreten, einte ſich wohl mit der Würde ſeines Amtes. Er war ſeiner Gemeinde ein treuer Seeiſorger geworden, in redlichem Streben und Arbeiten an ſich ſelbſt und zu dem Wohle ſeiner Mitbrüder war ihm die Zeit dahingeſchwun⸗ den, und die Leere, das Unbefriedigtſein, welches zuweilen dennoch ſeine Seele beſchlich, hatte er mit ſtarker Hand niedergehalten, in der Hoffnung, daß auch ihm noch ein⸗ mal das Glück blühen würde. Wie er es aber auch ſuchte und ſich nicht in düſterer Abgeſchiedenheit vergrub, er fand es nicht. Spähend ließ er den Blick umhergleiten nach

Gamaſchendienſt jetzt gerade nicht an der Zeit zu ſein; aber auch das war nur Vorbereitung, jetzt ſind wir ſo weit:Laßt uns ſchau'n und vertrau'n auf den Prinz⸗Regenten, er wird Noth, Schmach und Tod glücklich von uns wenden alſo der Prinz⸗ Regent, das Schiboleth aller aufſtrebenden Regungen der Gegen⸗ wart, wird auch in der Schlummer⸗Polka als das letzte Ziel unſerer hoff ungſuchenden Blicke verherrlicht, freilich im erſten Theil, der noch die Augen auf hat, bis ſie der zweite ihm ſchließt, wird er das auch jetzt thun?denn er iſt nicht müde, denn er iſt nicht matt! ſomit iſt die Schlummer⸗Polka jetzt auch in mobilem Zuſtande und verſichert uns, daß wenigſtens ein Mann, und das

ein gewichtiger, die allgemeine Schläfrigkeit nicht theile; wie die

beiden Schlußſtrophen in ihrer Kriegsbereitſchaft lauteten, und was nach ihrer Verſicherung der Prinz von Preußen zu thun im Begriff ſtand, iſt mir jetzt nicht mehr gegenwärtig, ſchlafen gehen aber wollte er nicht, ſo viel weiß ich noch. Damals verſtieß es auch noch nicht gegen die auf der Bühne zu wahrenden Geſetze der Wahrſcheinlichkeit, daß ein Wiener Schneider Hoffnungen auf

Preußen ſetzte und wenigſtens im Liede von einem einigen Deutſch⸗

land träumte:denn wir ſind nicht müde, denn wir ſind nicht matt; ſein Onkel hat uns klug gemacht, das hat ſich Louis nicht gedacht! ſo ſchloß Ernſt Beyer unter nicht enden wollender,

jubelnder Begeiſterung ſeine Schlummer⸗Polkamit neuen Ein⸗

lagen, die nicht lange mehr auchzeitgemäß blieben.

Seine Schlummer⸗Polka, denn von ihm und allen Andern ward behauptet, Text und Melodie ſei ſein Eigenthum, er habe ſie einen oder einige Sommer vorher zuerſt auf dem Tivoli in Erfurt geſungen, und von da aus ſei ſie auf des Windes Flügeln durch die ganze Welt geeilt. Wirklich iſt auch jetzt bei Bartholo⸗

mäus in Erfurt die Schlummer⸗Polka von Ernſt Beyer mit einer Titelvignette, die den componirenden und dichtenden Komiker als Schuſterjungen Auguſt inWenn Leute Geld haben wiederzu⸗ geben verſucht, erſchienen, und hat in kurzer Zeit neunundzwanzig Auflagen erlebt. Das Schickſal alles Volksthümlichen iſt es aber, daß es dem Einzelnen abgeſtritten und für die Geſammtheit bean⸗ ſprucht wird; Homer ſoll nach den tiefſinnigen Reſultaten gelehrter Philologen die ich, beiläufig, ſämmtlich an den griechiſchen Ac⸗ centen aufhängen möchte nur ein Begriff ſein und ſeine Verſe, gleich denen des Nibelungenliedes, die Schöpfung einer unzähligen Schaar verſchiedener Sänger; ſo habe ich denn auch einzelne Stim⸗ men gehört, die auf das Entſchiedenſte Ernſt Beyer die Melodie der Schlummer⸗Polka abſtritten, und als gewiſſenhafter Forſcher darf ich nicht verſchweigen, daß einer ſeiner Verſe, den ich nach⸗ träglich erſt geleſen, mich faſt auf die Vermuthung gebracht, er habe den berühmten RefrainAch, ich bin ſo müde, ach, ich bin ſo matt! buchſtäblich auf der Straße gefunden und dazu das übrige Lied gemacht. Indeſſen ich, und allen warmblütigen, mit Sinn für Poeſie begabten Menſchen wird es gleich um's Hexz ſein, hänge trotz allen Pergamentſchluckern an dem blinden Dichtergreis Homer, der ſeine Geſänge der Unſterblichkeit dietirte, an dem düſtern Heinrich von Ofterdingen, der die reckenbafte Heldenmähr erſann, und darum gönne ich auch gern dem vagiren⸗ den Komödianten Ernſt Beyer den Triumph, von ſeinem luftigen Thespiskarren aus die Marſeillaiſe der Faulheit auf die Straße geworfen zu haben. Nur einmal habe ich ſie ſeitdem von der Bühne herab wieder gehört, als Friederike Goßmann imGäns⸗ ſchen von Buchenau mit ihrem unvergleichlichen Humor dasach, ich bin ſo müde, ach, ich bin ſo matt! intonirte, aber ſie begleitet