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Dios Dies
von
Otto Banck.
An der Indianergrenze von Armand. Han⸗ nover, K. Rümpler. 1859.
Schon mehrere Male haben wir, wie Sie ſich entſinnen werden, unſere Blicke auf eine Literatur geworfen, die man eine ausländiſche nennen könnte. Und zwar ausländiſch nicht in ſofern, als ihre Werke in einer fremden Sprache geſchrieben wären, ſondern lediglich in Bezug auf ihren uns und unſern Erfahrungen fremden, gänzlich außereuro⸗ päiſchen Inhalt. Ich meine diejenigen Bücher, zu welchen der Stoff jenſeit des Oceans aufgeſucht wird.
Es iſt eine natürliche Erſcheinung im Entwicklungs⸗ leben der Cultur, daß ſich Alles vom Mittelpunkt nach der Peripherie hin weiter und weiter geſtaltet und herausbildet, vom Bekannten zum Unbekannten hinüber.
Sowie der Reiſende, welcher das Nächſte kennen ge⸗ lernt hat, bald durch daſſelbe überſättigt iſt und ſich immer entfernteren Gegenden zuwendet, ſo iſt es auch mit der Literatur, ſie coloniſirt nach der Ferne hin. Ihr Schaffen iſt europamüde und flüchtet ſich übers Meer.
Aber es treibt dazu nicht nur die Poeſie des Gegen⸗ ſtandes ſelbſt, ſondern weſentlich der Reiz der Neuheit, welcher beim modernen Publicum zu einem krankhaften Kitzel geworden iſt. Ausdauer und Beſtändigkeit im Inter⸗ eſſe an irgend einer Sphäre ſind der Gegenwart fremder geworden, als ſie es je waren. Wie ſich der Einzelne leich⸗ ter als ſonſt blaſirt und immer Abwechſelung haben will, ſo geht es der ganzen Generation. Nur immer etwas Neues, wenn es auch etwas Halbes, Ungenügendes iſt. Man könnte den Beweis führen, daß unſere beliebteſten Romanſchriftſteller und Novelliſten nicht, wie es ſein ſollte, der Tüchtigkeit ihrer Sachen ihr Glück zu danken haben, ſondern ſehr weſentlich der Neuheit des Genres, in dem ſie arbeiteten.
Bei dieſer Betrachtung tauchen natürlich die Fragen in uns auf: wie verhält ſich der Schrkiftſteller und wie ver⸗ hält ſich der deutſche Verleger zu dieſem Zuſtande? Wir können dieſe Punkte nur vorübergehend ſtreifen, jedoch ſchon bei dieſer Flüchtigkeit iſt die Erwägung abſchreckend pikant
Ueberblicken wir die Situation und den hiſtoriſchen Verlauf nur von einer kleinen Anhöhe der Culturerkennt⸗ niß, ſo zeigt ſich, nicht nur in politiſcher und ſocialiſtiſcher, ſondern auch in äſthetiſcher Beziehung, daß das Publicum, das heißt die große Maſſe ſtets bildungsfähig, im Grunde gutartig und zu Allem willig iſt. Sie hat ſelbſt gar keine Meinung, ſondern läßt ſich nach jeder Richtung hin von den Begabteren aus ihrer Mitte leiten. Natürlich hängt ſie durch einen materialiſtiſchen Grundzug, der in der Menge liegt und nach irdiſchen Geſetzen liegen muß, am liebſten der Bequemlichkeit und Seichtigkeit nach, aber ſie ſcheut endlich doch weder Anſtrengung noch geiſtige Er— hebung, wenn ihre Lenker dergleichen fordern. Sie allein alſo haben die ſittliche Richtung und den Geſchmack des Publicums zu verantworten.
1 Was thuen nun die durch Talent oder Schickſals— ſügung beſtellten Lenker des Publicums im Gebiete der Eiteratur, alſo die Schriftſteller und Buchhändler?
Statt ſich gar nicht um die kleinen Schwächen und faden Liebhabereien der großen Maſſe zu kümmern und ihr nur geſchmack⸗ und ſittenveredelnde Gegenſtände zu bieten, ſchlägt man im Allgemeinen den entgegengeſetzten Weg ein: man lauſcht mit ſklaviſcher Aengſtlichkeit auf die Wünſche des Publicums und befriedigt ſie auf die geſchmackloſeſte, alſo auf die ſündhafteſte Weiſe.
Man beobachte nur die meiſten deutſchen Journale und Unterhaltungsblätter von großartiger Verbreitung, und man wird finden, daß ſie durchſchnittlich einen belletri⸗ ſtiſchen Jahalt haben, deſſen ſich jede Redaction von würde⸗ voller Tendenz ſchämen müßte. Wenn die Novellen und ſonſtigen Schildereien nur recht materiell, abenteuerlich'und für den gemeinen Geſchmack ſpannend ſind, ſo ſchadet es gar nichts, wenn ihr ſonſtiger literariſcher Werth gleich Null, ihr Styl ſchlecht, ihr Deutſch fehlerhaft und ihr Standpunkt der Geſammtbildung eine ſumpfige Vertiefung iſt. Die Herausgeber wiſſen dies ſehr wohl, aber ſie halten es zu ihrer pecuniären Deckung für nothwendig, den Lau⸗ nen des Publicums auf das Niedrigſte zu fröhnen. Viele von ihnen würden Manuſcripte aus dem Irrenhauſe und das Hexeneinmaleins abdrucken laſſen, wenn es die Majo⸗ rität der Leſer amüſirte. Sie haben für dieſes Verfahren freilich die wohlfeile, aber doch wohlklingende Entſchul⸗ digung, daß es ihnen ſchlimm ergehen würde, wenn ſie als vereinzelte Ausnahme gegen den Strom ſchwimmen wollten.
Die Welt der Schriftſteller iſt im Allgemeinen von demſelben Geiſt des Sichfügens angeſteckt und hält es auch nicht unter ihrer Würde, der dienende, ſervile Knecht des⸗ jenigen Geſchmacks zu ſein, der nicht verdorben wäre, wenn man ihn nicht verderbt hätte.
Dies Beginnen iſt daſſelbe, als ob eine Anzahl Kinder von einer juckenden Krankheit befallen wäre, und, ſtatt ſie zu ermahnen und zu heilen, wollten ihre Erzieher ſie— bloß kratzen.
Dieſe Unruhe in der Literatur, dieſer Drang nach Ab⸗ wechſelung hat weſentlich dazu beigetragen, immer nach neuen Stoffen zu ſuchen, immer ein anderes Terrain urbar zu machen.“ Am liebſten ſuchte man es recht entlegen auf, weil es dann den blendendſten Schimmer der Romantik beſaß.
So ſind denn die Geſchichten jenſeit des Oceans mehr und mehr in Schwung gekommen, und viele Auswanderer, welche in Europa gar nicht daran dachten, zur Schriftſtel⸗ lerei zu greifen, haben drüben wegen Mangel an anderer Beſchäftigung die Feder ergriffen, obgleich der Spaten in ihrer Hand oft nützlicher geworden wäre.
Außerdem lag durch ältere, theils engliſche, theils ame⸗ rikaniſche Autoren ein gewiſſes Schema für dieſe Erzeug⸗ niſſe bereits vor, und es kam bloß darauf an, ſich demſelben anzuſchließen, und etwas andere Geſichtspunkte und deutſche Seiten hinzuzuthun.
Für den Autor von wirklichem Talent war allerdings die Aufgabe eine ſehr gehaltreiche und würdige, das Leben in fremden, jetzt ungeheuer bereiſten und zur bleiben⸗ den Wohnſtätte gewählten Welttheilen zu ſchildern, beſon⸗ ders in Bezug auf Auswanderer und auf Culturverhält⸗ niſſe im Allgemeinen.
Soweit alſo derartige Werke nicht nur einem hoh⸗ len, ſtofflichen Intereſſe huldigen, ſondern tiefer, prak⸗


