Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
716
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hatte gedient, die Niederlagen von 1812 zu erklären; der ſunter Trümmern und Leichen gefiele.

Abfall der Bundesgenoſſen ſollte dienen, das Unglück von

1813 zu erklären. Außer dieſer Erklärung ſuchte man noch eine andere in der unvorhergeſehenen Exploſion der Leipziger Brücke. Ohne das Verbrechen der Sachſen und Baiern, ſagte man, ohne den Fehler des Officiers, der die Leipziger Brücke hatte ſprengen laſſen, würde Napoleon, als Ueberwinder der Coalition, mit einem ruhmvollen Frieden nach dem Rheine zurückgekehrt ſein. man denn auch nicht Ausdrücke des Abſcheues und der Verwünſchung genug, namentlich gegen die Sachſen zu verſchwenden. kündigte ferner mit einer grauſamen und ſehr ungerechten Beharrlichkeit an, daß der Oberſt de Montfort, der, was man auch ſagen mochte, an der Kataſtrophe der Leipziger Brücke ſehr unſchuldig war, dieſer Kataſtrophe wegen vor ein Kriegsgericht geſtellt werden ſollte. Niemand ſchenkte dieſen Verſicherungen Glauben; aber wie denn Lügner, wena ſie bemerken, daß man ihnen nicht glaubt, ihre Stimme doppelt laut zu erheben pflegen, ſo wiederholten auch die beſoldeten Zeitungsſchreiber mit verdoppelter Hartnäckigkeit die verabredeten Sätze, ohne deshalb mehr Glauben zu finden. Er will all' unſere Kinder ſeinem tollen Ehrgeize aufopfern! ſo lautete das Geſchrei der Familien von Paris bis zur äußerſten Grenze der entlegen⸗ ſten Provinzen. Man leugnete das Genie Napoleon's nicht, man verfuhr weit ſchlimmer, man dachte gar nicht mehr daran, um bloß noch an ſeine Leidenſchaft für Kriege und Eroberungen zu denken. Das Grauen, womit man einſt die Guillotine betrachtet hatte, empfand man gegen⸗ wärtig vor dem Kriege. Ueberall unterhielt man ſich nur

Daher fand

um ſie gegen die Baiern und Man

[V. Jahrg.

Frankreich, durch zehn Revolutionsjahre der Freiheit überdrüſſig geworden, war jetzt durch funfzehnjährige Militärherrſchaft, welche Europa von einem Ende bis zum andern mit Blut ge⸗ düngt hatte, des Despotismus überdrüſſig. Die Gewalt⸗ thätigkeiten der Präfecten, welche die Kinder des Volkes mittels der Conſcription, die der höhern Claſſen durch Errichtung von Ehrengarden wegnahmen, durch Exequirer die Familien quälten, deren Söhne dem Rufe nicht folgten, mobile Colonnen gegen die Ungehorſamen anwendeten, die das Weite geſucht hatten, die franzöſiſchen Provinzen häu⸗ fig wie eroberte Provinzen behandelten, angeblich frei willige Geſchenke, die ſie durch ihre Vertrauten vor⸗ ſchlagen und bewilligen ließen, in obligatoriſche Steuern verwandelten, Alles, Lebensmittel, Pferde, Vieh, auf dem Requiſitionswege wegnahmen; ſodann eine argwöhniſche Polizei, welche die unbedeutendſten Reden auffaßte, die⸗ jenigen, die man anklagte, ſie geführt zu haben, willkürlich einſperrte, und welche man ſtets anweſend vermuthete, auch wo ſie es nicht war; ferner eine drückende Noth in den Häfen, erwachſend aus der unbedingten Sperrung des Meeres; auf den Landgrenzen, die kaum noch unſrer In⸗ duſtrie offen geſtanden, Tauſende fremder Bajonnete, die keinen Waarenballen paſſiren ließen; endlich eine unbe⸗ ſchreibliche und allgemeine Furcht vor der Invaſion: alle dieſe Uebel, die insgeſammt ihren Urſprung auf einen ein⸗

zigen keinen Widerſpruch kennenden Willen zurückführten, zlg T 3)

von den Schlachtfeldern Spaniens und Deutſchlands, von

den Sterbenden, Verwundeten, Kranken, die zu Tauſenden auf den Feldern von Leipzig und Vittoria ohne Pflege um⸗ gekommen waren. Man ſchilderte Napoleon als einen Dämon des Krieges, der ſich in ſeiner Blutgier nur mitten

waren eine grauſame Lehre, welche jene frühere, die man von dem Unglück der Revolution empfangen, entkräftet hatte und in Fraukreich, ohne es republikaniſch zu machen, das Verlangen nach einer freiſinnig conſtituirten Monarchie wieder erweckte. Alle ſeit geraumer Zeit vergeſſenen Par⸗ teien begannen ſich aufs Neue zu zeigen. Die Revolutio⸗ naire regten ſich, doch in Wahrheit ohne Erfolg. Einige, deren Anzahl ſehr gering war, wollten Napoleon, dem ſie ſich aus Furcht vor den verhaßten Bourbons wieder an⸗

du heilige Bürgſchaft der Vorſehung, die du faulende Staaten

immer aus dem Volke neu gebärſt! 5. Literatur. Gedichte von Otto Roquette.

Verlag. 1859. Das Liederbuch des Verfaſſers,

Stuttgart, Cotta'ſcher

welches ſchon vor längerer

Zeit erſchien, liegt uns hier in zweiter vermehrter und veränderter

Auflage vor.

Ein angenehmes jugendfriſches und trauliches Talent, welches

errungen ha erkündet ſich durchſchnittlich in all dieſen Liedern Niemals trit erfreut der geſchickte Anklang, welcher an die einfache Denk⸗ und Gefühlsweiſe des Volksliedes erinnert.

Liebe und zarte Empfindungsſ

ſich eine 4 Form und eine leichtflüſſige gerundete Sprache

iin anſpruchsvoller Ton darin hervor,

wohl aber Formen und an die

chwärmerei ſind die Haupt⸗

themen Roquettes, aber auch ein ſinniger Gedankengang. ſteht ihm zu Gebote. Sehr anmuthig verbindet ſich beides z. B. in dem

LiedeAn den Schlaf: O ſchöner mohnbekränzter Gaſt! Du ſtreueſt doppelt reiche Blüthen Dem Haupte, das mit ſtillem Hüten Zum Liebling du erkoren haſt. Erquickung bringſt du da in Fülle, Beſänftigeſt des Herzens Schlag und gibſt ihm in des Traumes Hülle, Was neidiſch ihm verwehrt der Tag⸗

Beherrſcht von dir auf kurze Stunden Iſt Sorge, Klage, Noth vorbei.

So hältſt den Träumer du gebunden Und machſt ihn doch der Bande frei. Doch weh der peinerfüllten Stätte, Die, ach! nach dir vergeblich ringt, Um die ſich die Dämonenkette Erſchütternder Gebilde ſchlingt!

Das tiefſte Weh, die tiefſten Sorgen Beleben ſich verhundertfacht,

Und was der bunte Tag verborgen, Geſchlichen kommt es durch die Nacht. Feindſelig ſind der Nacht Geſtalten, Sie tauchen auf, ſie flüſtern leis, Doch bald geſchäft'ger wird ihr Walten, Und wilder ſchlingen ſie den Kreis. Zum wirbelnden Gedankentanze Geriſſen, ſchwindelt Seel' und Sinn Ach! eine Blüth aus deinem Kranze Wär Linderung, wär' ſchon Gewinn! O Schlaf! warum mit vollen Händen Nahſt du dich holder Jugend nur? Du folgſt mit goldenem Verſchwenden Des eigenwill'gen Glückes Spur. Wem du geneigt, verkennt den Segen, Wer dich erſehnt, gewinnt dich nicht, Nur der Verluſt iſt das Gewicht,

Des Lebens Schätze recht zu wägen.

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ſchloſſen, daß er ſel

heit träul Aushquc rechterwe nämliche ſeinetſti Hauſes geſtach zahlte ganne ſchaffe von d die in hunde weiſe, Kalſer hartlic Bourt Mitte wie d die a gunge nicht verſch kehr!