Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
715
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N. Jühr. Nr. 45.]

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was man bald von der Coalition errathen zu ſehen fürch⸗ tete, ſelbſt einzugeſtehen, indem man durch zu große Nach⸗ giebigkeit die Ohnmacht ſichtbar werden ließ, auf die man ſich gebracht hatte. Von Seiten eines minder entſchiede⸗ nen Charakters als desjenigen Napoleon's hätte man die Nachgiebigkeit für verſöhnliche Geſinnung nehmen können; aber wenn er ſeinerſeits augenblicklich in allen Stücken nachgab, um die verbündeten Mächte in allen Stücken zu binden, ſo hieß das eine entſetzliche Bedrängniß eingeſtehen. Somit ſtand der Gefahr des Widerſtandes diejenige der Nachgiebigkeit zur Seite, eine nur zu gewöhnliche Folge ſchlechten Verfahrens, das uns in Situationen führt, wo Alles Gefahr und wo es ebenſo nachtheilig iſt zurückzu⸗ weichen, als vorzuſchreiten!

Da es indeß die größte Gefahr für uns war, halsſtarrig zu erſcheinen und ſomit denjenigen, die uns nur mit Be⸗ dauern die Frankfurter Bedingungen ſtellten, das Recht zu liefern, dieſelben zurückzuziehen, ſo war es gerathener, ohne Verzug in Alles zu willigen, riskirte man dabei auch, ein Geheimniß entſchlüpfen zu laſſen, das man übrigens ohne⸗ hin nicht lange verbergen konnte. Napoleon wollte durch die Schnelligkeit der Antwort eine gewiſſe Bereitwilligkeit zum Unterhandeln kund geben und ließ, nachdem er ſich nur den 15. als Bedenkzeit genommen, gleich folgenden Tages, den 16., antworten. Aber die Form der Antwort war nicht glücklich. Keine Erklärung über die vorgeſchlagenen Grundlagen, ſomit auch keine Annahme dieſer Grundlagen, Bezeichnung Manniheims als Verſammlungsort des künf⸗ tigen Congreſſes, ein Ort, deſſen Nähe den Entſchluß an⸗ zeigte, ohne Verzug zur Sache zu ſchreiten, endlich eine ironiſche, ſelbſt bittere Phraſe gegen England bezüglich der Unabhängigkeit der Nationen, welche Frankreich, ſagte man, zu Lande wie zur See verlange: dies war das Weſentliche der ausgefertigten Note, auf die man übrigens in der That nicht warten ließ, denn man ſendete ſie ſofort an den zu Mainz commandirenden Marſchall Marmont mit

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dem Befehl, ſie auf der Stelle nach Frankfurt gelangen zu laſſen. Das über die Bedingungen beobachtete Stillſchwei⸗ gen hatte ohne Zweifel den Zweck, den Gedanken an eine unſrerſeits waltende zu große Entmuthigung nicht auf⸗ kommen zu laſſen, denn es zeigte an, daß man nicht bereit ſei, Alles anzunehmen; nur freilich hieß dies die Coalition abſchrecken, wenn ſie aufrichtig war, und ihr, wenn ſie es nicht war, das Mittel laſſen, ihr Wort zurückzunehmen. Zu Paris eingetroffen, hatte Napoleon dort das Pub⸗ licum in einem Zuſtande tiefer Niedergeſchlagenheit, bei⸗ nahe Verzweiflung, und insbeſondere äußerſter Gereiztheit gegen ihn gefunden. Seine Polizei, wie thätig ſie auch immer war, vermochte kaum die Kundgebung der all⸗ gemeinen Stimmung niederzuhalten. Obwohl Niemand, ſelbſt von der Regierung, das Geheimniß der Prager Unterhandlungen kannte, obwohl Napoleon ſeine Miniſter und ſelbſt den Erzkanzler Cambacérées in dem Glauben ge⸗ laſſen, als hätten ihn die Mächte in dem Grade zu de⸗ müthigen geſucht, ihm, was nicht der Fall war, ſogar Ve nedig nehmen zu wollen: ſo fühlte ſich doch das Publicum überzeugt, daß die Unterhandlungen nur durch ſeine Schuld geſcheitert ſeien. Man verzieh es ihm daher nicht, die ſo glückliche Gelegenheit der Siege bei Lützen und Bautzen nicht dazu benutzt zu haben, den Frieden zu ſchließen. Man betrachtete ſeinen Ehrgeiz als ausſchweifend, als der Menſchlichkeit hohnſprechend und verhängnißvoll für Frankreich. Nachdem zu den Niederlagen von 1812 noch die von 1813 gekommen, glaubte man ſich nicht mehr im Stande, der furchtbaren Coalition zu widerſtehen, die am Rhein, an der Etſch, an den Pyrenäen Frankreich mit einer Million Soldaten bedrohte. Die gefeſſelten oder be⸗ zahlten Schriftſteller, die allein die Befugniß hatten, Zeitungen zu redigiren, und denen Niemand glaubte, ſelbſt wenn ſie die Wahrheit ſagten, hatten vom Herzog von Rovigo Inſtructionen empfangen, in welcher Weiſe ſie das Unglück dieſes Feldzugs darſtellen ſollten. Der Schnee

und das Stück dadurch eine Karrikatur, die übrigens eben dadurch die abgöttiſche Verehrung der Jugend hervorrief. Wollheim: Daß man den Hauptfehler in die Uebertreibung des Edelmuths einer- und der Nichtswürdigkeit andrerſeits ſetzt, iſt ein Irrthum. Jene Figuren ſollen nicht dieſe Eigenſchaften als Thatſachen repräſentiren, ſondern durch ihre allerdings bis ins Aeußerſte getriebenen ſchroffen Gegenſätze darthun, wie weit Tugend und Laſter durch Ueberſchwenglichkeit beider getrieben werden können. Schwab ſieht dem Drama die Wirthsſtube zu Oggersheim(und wir dem Urtheile den Pfarrhof zu Gomeringen) an. Nach Grün liegt die Dichtung nicht weit von der Parodie; Louiſe ſterbe an ihrer Dummheit, weil ſie ſchweigt. Carriere urtheilt ähnlich, ſieht im Stücke eine übertriebene Schilderung der vornehmen Schurkenart, einen Nachſchößling derRäuber ohne den Werth derſelben. Vilmar ſieht im Drama eine widerliche Karrikatur; ſittlichen Widerwillen gegen die Höfe zu erwecken, ſei Zweck und Grund ähnlicher Schilderungen; Fiesko vertheile Licht und Schatten beſſer und ſei nicht ſo unwahr. Rötſcher, Hilde⸗ brand, Kurz, Hinrichs urtheilen ruhiger und billiger. Caxrl yle, der Schorte, ſchwärmt für das Trauerſpiel, kennt wenige Stellen von der hinreißenden Kraft des Schluſſesz; Fer⸗ dinand reiße wie Simſon ſein Gefängniß nieder, um mit ſich Alle zu zertrümmern. Louiſe wird mit einer Roſe der Wildniß, die am Stengel verwelke, verglichen; ſie habe keinen andern Rathgeber als den angebornen Heiligen in ihrem Herzen. Sehr günſtig beurtheilt Palleske das Drama; unabhängig von einander ſtim⸗ men wir in ſehr Vielem überein. Die Vorzüge des Drama's ſind nach ihm von überwiegender Gewalt und ſeine Fehler zum Theil von der Art, die man nicht wegwünſcht.

Ludwig Eckardt fügtin ſeinen trefflichen Erläuterungen zu den deutſchen Claſſikern hinzu:Man kann die Handlung über⸗ ſpannt finden; aber man ſagt dies nur, weil man theils die Leidenſchaft ſelbſt nicht kennt, theils ſich in jene Zeiten nicht zurückverſetzen kann. Wohl uns, wenn Manches uns heute wirklich als übertrieben erſcheint! Stahr tritt freilich der Be⸗ hauptung, die geſchilderte Zeit liege uns ſchon zu ferne, mit der anderen entgegen: die Dichtung liege uns vielmehr zu nahe, und dies ſtöre das unbefangene Urtheil. Goethe fand, Schiller habe von den Räubern her einen Hang zumGrauſamen gehabt; er findet ſich wohl auch im Stoffe unſer Dichtung. Hängt er aber nicht mit dem volksthümlichen Charakter ſeiner Jugendwerke zu⸗ ſammen? Die Volksliteratur liebt das Schauervollaund Erſchüt⸗ ternde; das Volk will energiſch gepackt ſein und dazu. Nebenbei bemerkt, ſteht es mit ſeiner Sittlichkeit ufld naturwüch⸗ ſigen Kraft dann ungleich beſſer, als wenn es Sinn am Zierlichen und Kleinen zu bekommen anfängt.

Das Drama beſitzt eine größere Anzahl von Sprüchen, in die ſich Miller, Ferdinand, Louiſe, die Milford, der Präſident und Wurm theilen. Die Miller's tragen den Charakter des Volksſprüchworts, die der Hofleute verrathen Lebenserfahrung, die der Liebenden erheben ſich zum vollen Pathos der ewigen Wahrheit. In einigen ihrer Sprüche liegt das demokratiſche Glaubensbekenntniß der Revolution vorangekündigt.Schmuck und prächtige Titel werden wohlfeil, wenn Gott kommt und die Herzen im Preiſe ſteigen, bleibt eine wunderbare Prophezeiung der franzöſiſchen Umwälzung. Gott kam wirklich, und die Menſch⸗ heit empfing ihren angebornen Adel auf Tage zurück. Alles iſt verderbt; aber das Volk iſt noch geſund. Sei uns gegrüßt,