Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
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hinſchwebend, nicht minder Beifall erntete, als vorhin Re⸗ gine und ihr Tänzer? Was dachte ſie? Daßes in ſeiner Seele klar und licht ſein müſſe, daß der Sturm von geſtern verweht ſei; denn er war freiwillig auf den Ball gekommen, wohin⸗ gegen ſie dazu gezwungen worden, damit ſie die Freude des Abends nicht ſtöre; er überließ ſich aus eigenem Antriebe der Fröhlichkeit, während ſie eine Rolle ſpielte, und o wie gern in ihrem ſtillen Zimmer geweſen wäre! So that Einer dem Anderen Unrecht und immer mehr des Trau⸗ rigen und Entfremdenden legte ſich zwiſchen ſie.

Und was ſagen Sie, was ſagen Sie, Herr Ehrhardt, daß unſere Regine die Verfaſſerin des Buches iſt? fragte Roſe plötzlich.O wie ſtolz ich bin, ſie meine Freundin zu nennen, dopelt ſtolz jetzt! Aller Welt will ich es jetzt verkünden, daß ich eine Schriftſtellerin unter meine Freun⸗ dinnen zähle. Ob wohl ein Menſch ſo glücklich iſt wie ich? welche Berühmtheiten wir noch durch ſie werden kennen lernen, und wie mich die anderen Mädchen darum beueiden werden! rief das kleine Fräulein mit ihrer kindlichen Fröhlichkeit.

Ich habe das Buch geleſen, begann Ehrhardt, ſich mehr zu der blaſſen, ernſten Dame, die es geſtern ſo warm vertheidigt hatte, als zu Roſe wendendund ich be⸗ kenne gern, daß ich nicht nur ein übereiltes, ſondern ein ganz unrichtiges Urtheil ausgeſprochen, das ſich entſchieden nur auf Hörenſagen gründete.

Kommt die ſſchnelle Aenderung der Meinung daher, daß Regine es geſchrieben? fragte das junge, muthwillige Mädchen neckend.

Als ich es las, wußte ich noch nicht, daß ſie die Ver⸗ faſſerin ſei, und mein Urtheil iſt ſomit ein ganz unpar⸗ teitſches; ich werde es meiner Couſine auch gleich ſagen.

Nicht jetzt, nicht hier! rief Agathe, Regine's beſte Freundin, erſchreckt ausein Ballſaal ſcheint mir kein recht paſſender Ort zu einem ſolchen Geſpräch. Ueber⸗

Novellen⸗Zeitung.

(V. Jahrg.

dies kommt mir Regine ganz krank und angegriffen vor von dem Beifallsſturm, der über ſie hereingebrochen.

Von dieſem Artikel kann, glaub' ich, ein Künſtler, und vor allem eine Künſtlerin, einen Orcan ertragen, ohne da⸗ von zu Boden geworfen zu werden, erwiderte Ehrhardt zwar lächelnd, aber doch ſpitz.

Als ob Regine ein gewöhnliches Menſchenkind wäre, als ob ſie nicht alle Dinge anders erfaßte und ausführte als Andere! Dieſe ganze Sache ſpricht wieder dafür, welche Energie und Selbſtſtändigkeit in ihr iſt, denn nicht Eine von uns, nicht einmal die Tante, noch ich haben eine Ahnung von ihrem Vorhaben und ſeiner Ausführung ge⸗ habt, ſie hat das Ganze bewerkſtelligt durch eigene Kraft, und nur der Verleger iſt ihr Vertrauter geweſen.

Ja, es iſt von Neuem ein Beleg für ihre unerhörte, ich möchte ſagen unerlaubte Selbſtſtändigkeit, ſprach Ehr⸗ hardt, indem er eilig von dannen ging.

In einem entfernten Theile des Saales, der, durch Säulen von dem Hauptſaale getrennt, verſchiedene Niſchen bildete, ſaß Regine in einem Kreiſe von Damen und Herren, welche Fragen und Lobſprüche über ihr Buch auf ſie nieder⸗ ſtrömen ließen, deren ſie ſich kaum zu erwehren vermochte. Die Röthe, welche auf ihrem Antlitz glühte, und die aus ande⸗ ren Gefühlen als Freude und Stolz hervorging denn das Ganze war ihr über die Maßen peinlich nahm Ehr⸗ hardt für ein Zeichen frohlockenden Triumphes, und in ſeinen Mienen, wie er, an eine Säule gelehnt, die Scene überſchaute, kündete ſich deutlich die Art ſeiner Empfin⸗ dungen an. Endlich zerſtreuten ſich die Sprechenden, durch die Muſik eines neu beginnenden Tanzes in den Ball⸗ ſaal gerufen; nur der vorhin erwähnte junge Pole blieb im eifrigen Geſpräch bei Regine ſtehen.

Darf ich Sie bitten, mein Herr, mir einen Augen⸗ blick Raum zu gewähren, damit es mir armen Sterb⸗ lichen auch einmal gelingt, zum gefeierten Geſtirn dieſes Abends zu dringen? Obgleich ich als Verwandter wohl

dort wiſſenſch aftliche Beobachtungen zu machen, ſeine Yacht, die als die am beſten bemannte Yacht des ganzen Yachtclubs galt, zur Verfügung ſtellte, und ſo weſentlich die von jenem Gelehrten ge⸗ machten Forſchungen beförderte.

Ganz in demſelben Sinne ſchritt er 1855 ein, indem er eine Schuld von 3100 O bezahlte, welche auf der Neweastle Literary

and Philosophical Society laſtete, und der Grund, der ihn dazu

beſtimmte, war nach ſeinem eignen Ausdruck Dankbarkeit für die

Wohlthaten, die er in ſeinen jüngern Jahren von derſelben genoſſen

hatte, und die Hoffnung, daß andere junge Männer die Geſellſchaft gleichfalls für ihre weitere Ausbildung nützlich finden würden. Kurz, bei dieſem Manne waren Kopf und Herz in gleicher Weiſe ausgezeichnet, und er that in der einen oder andern Form ſtets Gutes.

Daß die Nachricht von dem frühen Tode dieſes trefflichen

Mannes in allen Kreiſen und allen Ländern mit gleicher Theil⸗ t Grundlagen, auf Bambusflößen errichtet, welche fortſchwimmen

nahme vernommen wurde, bedarf kaum der Erwähnung. Als am 13. October dieſelbe in Newcaſtle upon Tyne eintraf, ſenkten

alle im Hafen von Shields, ſowie die in den Tyne⸗ und Northum⸗

berland⸗Docks liegenden Fahrzeuge zum Zeichen der Trauer ihre Flaggen auf Halbmaſt. Sogar die fremden Schiffe ſchloſſen ſich ohne Ausnahme der allgemeinen Trauer an, und der Anblick der vielen trauernden Schiffe, die mit der Ebbe nach einander dem Meere zuſteuerten, ſoll höchſt rührend und gewaltig geweſen ſein.

Stephenſon's Leiche wurde am 21. October feierlich in der Weſtminſter⸗Abtei beigeſetzt. hatte, nach einer Angabe des Globe, daßu bereitwillig die Erlaub⸗ niß ertheilt.

Robert Stephenſon's Andenken wird unvergänglich ſein. Er

Der Staatsſecretär des Innern

hat gezeigt, was der Menſch mit ernſtem Willen Großes zu errei⸗ chen und zu leiſten vermag, und gerade in dieſer Beziehung ver⸗ dient er allen jungen ſtrebſamen Leuten zum Muſter aufgeſtellt zu werden. C.

Zur Länder⸗ und Völkerkunde.

Bilder aus Siam.

Der bekannte Reiſende Robert H. Schomburgk ſendet dem Londoner Athenäum aus Bangkok eine intereſſante Schilde⸗ rung der daſigen Zuſtände, der wir auszugsweiſe Folgendes entnehmen: Bangkok, die Hauptſtadt Siams, kann ihrem Aeußern nach mit keiner europäiſchen Stadt verglichen werden. Eine große Anzahl ſeiner Häuſer und Wohnungen ſind, ſtatt auf feſten

würden, wären ſie nicht durch Anker befeſtigt. Dieſe Wohnungen ſind nicht dazu angethan, von dem ſiameſiſchen Baugeſchmacke einen hohen Vegriff zu erzeugen, obgleich es auf den Ufern des Fluſſes und ſeinen zahlreichen Canälen einige Gebäude gibt, welche trotz ihrer Abweichung von europäiſcher Architektur Geſchick und Symmetrie erkennen laſſen. Zu dieſen gehören die Paläſte der beiden Könige, einige Reſidenzen der Ariſtokratie und beſonders die verſchiedenen Tempel, unter denen beſonders Wat Cheng durch ſeine Höhe und ſymmetriſche Form vortritt. Ganz fremd⸗ artig iſt aber der ſüdliche Theil der Stadt. Hier ſind die Tempel klein, und weder von Blumen noch Geſträuch, ſondern nur von Gras umgeben. Die Aufmerkſamkeit richtet ſich auf eine Anzahl

N. 1

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